weather-image

Martina Lange und Andreas Stahl zeigen Acryl-Bilder und Fotos – umrahmt von fetzigem Jazz

„Diese Naturerlebnisse sehen die wenigsten“

Ottenstein. „Kunst ist Kunst, weil sie niemals den Anspruch erhebt, jedem zu gefallen.“ Unter diesem Motto eröffnet Jens Meyer die erste Ausstellung im Gasthaus Hahn. Der Dewezet-Redakteur erzählt von den Vorzügen der Kunst, dass sie frei sei, frei von Berechnung und gesellschaftlichem Zwang und frei in ihrem individuellen Ausdruck. Kritik sei erwünscht, doch er rät aus eigener Erfahrung: „Sage niemals: ‚Das kann ich auch‘, denn das ist herabwürdigend und entspricht nur selten der Wahrheit.“

veröffentlicht am 01.02.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 19:41 Uhr

Martina Lange (links) im Gespräch über ihre Werke mit Monika Zur

Autor:

Ines Küster
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Zwei Künstler aus dem Weserbergland stellen an diesem Sonntagnachmittag ihre Werke vor. Martina Lange aus Ottenstein zeigt Acryl-Bilder auf Leinwand. Es sind „farbenfrohe Sehnsuchtsbilder“, wie Jens Meyer ihre Gemälde beschreibt. Andreas Stahl präsentiert Landschafts- und Tierfotografien. Die vielen Besucher der Vernissage erfahren, dass für diese Fotografien viel Geduld und Ausdauer notwendig sei. Stahls persönlicher Rekord seien Fotos, die er bei minus 27 Grad nachts in einem Waldstück gemacht habe. Genießen und Kaufen der Bilder ist ausdrücklich erlaubt. Doch nicht nur Geld wird als Zahlungsmittel genommen. Es gibt auch eine besondere Versteigerung: Interessierte können persönliche Dienstleistungen wie Fenster putzen oder Auto polieren für jeweils ein Werk der Künstler bieten. Die Kunstwerke finden guten Anklang bei den Besuchern. „Die Vernissage ist eine schöne Idee. Bildliche Kunst hatten wir bisher noch nicht in Ottenstein. Mir gefällt es vor allem, dass die Bilder hier in der Region entstanden sind, so dass man eine Verbindung zu den Bildern hat“, sagt Marion Schomburg aus Ottenstein. Auch Birgit Oerke aus Ottenstein gefällt es: „So eine Ausstellung an einem Sonntagnachmittag ist mal etwas anderes. Die Mischung zwischen Acryl-Gemälden und Fotografien ist gut, denn so ist für jeden etwas dabei.“ Für den Fotografen Stahl ist es die erste Ausstellung. Besonders stolz ist er auf die Fotos, die Eisvögel oder kämpfende Bussarde zeigen. Er wird immer wieder nach technischen Tricks gefragt und wie er es schafft, die Tiere so abzubilden. Jemand habe sogar gefragt, ob die Eisvogel-Fotos tatsächlich draußen gemacht worden wären. Er bestätigt stolz: „Das ist echtes wildlife. Es ist toll, wenn man das erleben kann, denn diese Naturerlebnisse sehen nur die wenigsten.“

Auch für Martina Lange ist die Vernissage eine Premiere. Sie ist sehr aufgeregt und gleichzeitig positiv überrascht, wie gut die Ausstellung angenommen wird. Obwohl sie auch mit anderen Materialien malt, hat sie sich entschieden, nur die Acryl-Bilder auszustellen. „Das sind die farbenfrohsten. Die strahlen so, das ist besonders in dieser dunklen Zeit schön.“

Im Laufe des Nachmittages entscheiden sich einige bei der außergewöhnlichen Versteigerung mitzubieten. Andrea Lange hat schnell ihren Favoriten gefunden, einen achtwöchigen Sprachkurs für Englisch und Italienisch. Mit einem Lächeln gibt sie zu, das Angebot ihrer Tochter Sarah trotzdem anzunehmen, die „dich lieb haben und dir immer helfen“ geboten hat.

„Das ist echtes wildlife“: Susann Schmidt betrachtet eine Fotografie von Andreas Stahl. Fotos: ik

Danach eröffnet Jens Meyden zweiten Teil, die After-Vernissage-Party. Die Hamelner Band midsomer ist kurzfristig für Blended Rock eingesprungen und hat es trotz des Schnees auf die Hochebene geschafft, sodass die Vernissage mit den skandinavischen Jazz-Klängen einen gelungenen Abschluss findet. „Wir freuen uns, diesen künstlerischen Tag mitgestalten zu können“, sagt die Sängerin Marlene Börder-Carmine. Zusammen mit den anderen Musikern, Rüdiger Meyer (Piano und Querflöte), Matthias Nolting (Saxofon), Boris Faehndrich (Schlagzeug), Tobias Carmine (Gitarre) und Richard Oschwald (Bass), präsentiert die gebürtige Dänin facettenreiche Bearbeitungen von Victoria Tolstoy, Rebekka Bakken und anderen sowie Eigenkompositionen der Band. Schnell ist der ganze Saal von den sowohl ruhigen als auch fetzigen Jazz-Stücken erfüllt, und schon nach den ersten Liedern fangen einige an, im Takt mitzuwippen. Spätestens nach dem Instrumentalstück „Funky Monkey“ mit einem ausgiebigen Schlagzeug-Solo von Boris Faehndrich sind alle überzeugt. „In unserer hektischen Zeit ist es wichtig, dass Künstler die Zeit haben, ihre Werke auszustellen und die Leute kommen, um sich das anzugucken“, bemerkt die Sängerin während des Konzerts. Und das ist nicht nur ihre Ansicht, denn der Saal war von Anfang bis Ende der Ausstellung mit Besuchern gefüllt. Die Ausstellung ist noch für vier Wochen im Gemeindezentrum, dem Haus Klenke in Ottenstein, zu finden. „Wer zum Bürgermeister will, muss an der Ausstellung vorbei. So bringt man Kultur zum Volk“, gibt Meyer einen Ausblick.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt