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Reaktion von Eltern auf den Gesamtschulbeschluss / Zweifel an der Umsetzung des Zeitplanes

Die Sitzung des Kreistages „war eine Posse“

Bodenwerder (ul). Rund 60 Eltern haben der Kreistagssitzung über den Antrag einer Gesamtschule im Kreis Holzminden im Gasthaus Mittendorf beigewohnt. Doch welchen Eindruck haben sie von der Sitzung mit nach Hause genommen?

veröffentlicht am 05.03.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 15:41 Uhr

Szenen einer Kreistagssitzung: Auch diese interessierten Eltern
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Elterninitiative

ist enttäuscht

Der Schulelternratsvorsitzende der Grundschule Bodenwerder und Initiator der Pro-IGS-Elterninitiative Thomas Reimers ist der Meinung, „ein besseres Theaterstück hätten die Eltern kostenlos nicht sehen können. Das war eine Posse. Es ist ein Theater, wenn ich mir überlege, am Montag waren sich die Politiker noch einig. Doch was soll man von Politikern halten, die in einem gefährdeten Landkreis noch nicht einmal 48 Stunden lang zu ihrer Meinung stehen?“ Unverständlich für ihn: „Der Landrat hat gesagt, dass die Erörterung der Auswirkung einer Gesamtschule auf die anderen Schulstandorte bis Mai seitens der Verwaltung nicht zu leisten sei, warum soll die Elternbefragung erst dann stattfinden?“ Für ihn steht fest, „die Standortfrage ist von der Initiative Pro IGS gar nicht ins Feld geführt worden“.

Birgit Hartmann, Mutter eines Kindes der dritten Grundschulklasse aus Bodenwerder, zweifelt an ihrem Demokratieverständnis: „Wir sind nicht auf den Standort Bodenwerder fixiert, aber dass man Beschlüsse verabschiedet und die dann kurz vor der Sitzung zum Kippen bringt, das ist mir unverständlich. Ich war fassungslos.“ Und es seien ja wohl viele umgefallen, fährt sie fort, wenn nur noch 17 Abgeordnete für den Antrag auf sofortige Elternbefragung gestimmt haben. Erst wenn der Landkreis wisse, ob 30 oder 70 Prozent der Eltern eine Gesamtschule wollen, könne er doch die Auswirkungen berechnen. Jetzt schiebe man den Ball der Verwaltung zu, die sagt, dass sie das in der kurzen Zeit nicht leisten kann. „Für mich steht fest, dass eine Verschleppung gewollt ist.“

Die Zwischenrufe der Eltern hätte sie gut nachempfinden können, denn „ich kam mir vollkommen hilflos vor. Man will etwas verändern für den Landkreis, aber wir Eltern wollen keinen Abklatsch einer schlechten KGS, wir wollen eine IGS“. Ob die noch zustande kommt, das bezweifelt Birgit Hartmann.

In Buchhagen dabei war auch der Elternratsvertreter der Grundschule Eschershausen, Peter Baumert. „Der Beschluss, sofort eine Elternbefragung zu machen, ist ja nun geplatzt.“

Auf sechs Wochen

komme es nicht an

„Ganz verkehrt finde ich das nicht, zu fragen, welche Auswirkungen eine Gesamtschule auf die anderen Schulstandorte hat.“ Generell sei er nicht gegen eine IGS. „Einige Eltern in Bodenwerder behaupten, ich sei ein Schulverhinderer. Ich meine, eine IGS sollte dort sein, wo es vernünftig ist.“

Bei einem Zusammenschluss der Kreise Hameln-Pyrmont mit Holzminden wäre er für den Gesamtschulstandort Bodenwerder. Solange das aber in weiter Ferne liege, favorisiere er Stadtoldendorf oder Eschershausen als Standort, „weil das für die Kinder im Raum Holzminden zentraler gelegen ist“. Jetzt erst mal zu schauen, wie viele Kinder aus welcher Gemeinde kommen, finde er nicht schlecht. Auf diese zusätzlichen sechs Wochen komme es jetzt auch nicht mehr, das Thema laufe ja schon seit 2002. Im Prinzip sei er für eine Gesamtschule, „auch wenn das die Initiative Pro IGS nicht versteht“

Frank Litterscheid aus Hehlen, Vater von Kindergartenkindern aus Hehlen, findet es „schwer, zu glauben, dass der Plan, eine Elternbefragung noch vor den Sommerferien einzuhalten, auch klappt. Ich finde es schizophren, jetzt zu planen und dann erst die Umfrage zu machen“. Wie wolle der Kreis jetzt etwas untersuchen, ohne die Rahmenbedingungen zu kennen?, fragt er sich. Allen Eltern sei klar, dass Schulen zusammengelegt werden müssen. Von Schünemann erwarte er, dass er sich die Problematik der hohen Vorgaben für Gesamtschulen in Hannover klar macht und das Kultusministerium diese Anforderungen senkt. „Wir brauchen auf dem Land keine Knechte und Mägde, die Zeit ist vorbei, wir brauchen gut ausgebildete Schüler.“



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