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Ottensteins Liebfrauenkirche ist nach Balkensanierung mit Überraschungen in Altweiß gehüllt

Die schweinchenrosa Zeiten sind nun vorbei

Ottenstein. Gerade hat der Kirchenvorstand eine zukunftsweisende Wahl getroffen: In „Gedecktes Altweiß“ werden Malermeister Schaper und seine Mannen die altehrwürdige Liebfrauenkirche hüllen. Nr. 9157 – so ist die so edel klingende Nuance auf dem genormten Farbfächer ganz nüchtern bezeichnet. Der Zifferncode wird quasi einen dicken Quastenstrich unter die 25 Jahre andauernde „Ära in Schweinchenrosa“ ziehen, während der sich – erst recht direkt nach Abschluss der Außensanierung im Jahre 1987 – so mancher Ottensteiner verwundert die Augen rieb. Sonne, Witterung und Luftverschmutzung allerdings milderten im Laufe der Jahre Strahlkraft wie Konfliktpotenzial des einst kräftigen Rosé-Tones. „Auf so großer Fläche wirkte der damals angetönte Putz wohl anders als erwartet. Auch die Sonne blich die Farbe längst nicht so stark aus, wie es die damals tätige Fachfirma und der Kirchenvorstand erwartet hatten“, erinnert sich Malermeister Waldemar Schaper schmunzelnd an die über Jahre währenden Irritationen. Mit der aktuellen Farbwahl hingegen bewege sich der Kirchenvorstand auf sicherem Terrain – unliebsame Überraschungen seien diesmal garantiert nicht zu erwarten.

veröffentlicht am 06.06.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 00:21 Uhr

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Autor:

Sabine Weiße
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„Davon hatten wir in jüngster Zeit ja auch reichlich“, entgegnet Pastor Jens-Uwe Frölich schlagfertig und steuert festen Schrittes die zur Kirchstraße liegende Seite des Gotteshauses an. Ausgerechnet über der Seitentür ereignete sich in einer Novembernacht des Jahres 2011 Überraschung Nummer eins. „Mit lautem Krachen war ein 1,20 Meter langer Verblendbalken aus Eiche zu Boden gefallen. Wie gut, dass nicht gerade jemand aus der Tür trat“, schwingt noch immer hörbare Erleichterung in der Tonlage des Geistlichen mit. Die Baubehörde ordnete die Überprüfung und Befestigung sämtlicher Verblendbalken, die Dachstuhl und Mauerwerk miteinander verbinden, an. „Das geht nicht ohne Gerüst. Und da ein neuer Anstrich ja seit Jahren dringend erforderlich ist, frohlockte der Kirchenvorstand: Da schlagen wir gleich zwei Fliegen mit einer Klappe.“

Es folgte allerdings Überraschung Nummer zwei, als das Gerüst aufgebaut und Zimmermeister Uli Frick die schadhaften Stellen freigelegt hatte: Beinahe jeder dritte Sparrenbalken war morsch, die Statik des Dachstuhles also in Gefahr. Frölich: „Statt eines kosmetischen Eingriffs stand unerwartet eine Art Notoperation an.“ Denn die Sparrenbalken tragen nicht nur ihr eigenes Gewicht und das der Dachziegel, sondern sollen die Kräfte aus Wind und Lasten gleichmäßig auf die tragenden Wände des Bauwerkes ableiten. Im Falle der Liebfrauenkirche funktionierte das nicht mehr. „Risse oberhalb der Seitentür und mehrerer Fenster sind untrügliches Anzeichen dafür, dass die Stabilität des Gebäudes in Gefahr ist“, verdeutlicht Pastor Frölich das Problem. Mehr noch: Einer der tragenden Balken war derart morsch, „dass er vermutlich in Kürze einen weiteren Verblendbalken herauskatapultiert hätte“.

Mit Kohlenschaufeln und Muskelkraft ausgerüstet, traten vor Ostern ein gutes Dutzend Ottensteiner zu zwei Arbeitseinsätzen an, um die Gefache zwischen den Balken von Lehm und Abfällen zu befreien. „’Ne ganz schön staubige Angelegenheit war das. Rund 500 Eimer Schutt haben wir da rausgeholt.“ Nun bekommen die Balken wieder von allen Seiten Luft. Statt einer Woche blieben die Zimmerleute vier Wochen unterm Dach, erneuerten einzelne Balken, stabilisierten andere. Bei dieser Gelegenheit wurden auch freitragende, schon leicht nach unten „durchhängende“ Deckenbalken mittels Querstreben und 1,20 Meter langen Gewindestangen fixiert. Vier zusätzlich eingezogene „Zuganker“ aus Eisen sollen die Tragfähigkeit des zuletzt vor 35 Jahren sanierten Dachstuhls erhöhen.

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Die Zimmerleute haben eingepackt. „Und trotz aller Hektik ist der Turmfalke noch da“, freut sich Pastor Frölich. Ausnahmsweise eine gute Überraschung.

Draußen waren währenddessen die Maler fleißig, haben die Turmuhr wie auch die behauenen Bossensteine aus Sandstein rund um die Türen und Fenster zum Schutz vor Farbspritzern mit Folien und vielen Metern Klebeband „eingepackt“ und sind dem hartnäckigen Rotalgen-Bewuchs zu Leibe gerückt. Auch der mineralische Voranstrich ist erledigt. Für 1200 Quadratmeter Fläche und zwei Deckanstriche stehen ausreichend Farbeimer mit „Gedecktem Altweiß“ bereit – jetzt muss sich das Team um Malermeister Waldemar Schaper sputen. Denn: Zur Einführung des neuen Kirchenvorstandes am 17. Juni soll die Liebfrauenkirche in neuem Farbgewand, aber ohne Gerüst-„Mantel“ erstrahlen. So wünscht es sich Pastor Frölich.

Überraschung Nummer vier, die eigentlich keine mehr ist: der Kostenfaktor. „Mit rund 80 000 Euro wird diese unerwartet aufwendige Sanierung zu Buche schlagen. Ein Viertel davon muss die Kirchengemeinde selbst aufbringen“, erklärt Jens-Uwe Frölich. Eine Trauung und die Konfirmation waren bereits geeignete Anlässe für Sonderkollekte. „Auch das freiwillige Kirchgeld wird in diesem Jahr für die Sanierung unserer Liebfrauenkirche bestimmt sein.“ Er ist sich sicher: „Die Ottensteiner lieben ihre Kirche. Sie werden gerne spenden.“ Alles andere wäre wirklich eine Überraschung…

Weiß anstatt Rosa: Ottensteins Kirche hat nach Jahrzehnte währenden Farb-Irritationen zu einer konfliktfreieren Fassade zurückgefunden (links). Malermeister Waldemar Schaper legt Hand an bei den Feinarbeiten an der Aussenfassade (unten).

Fotos: saw



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