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Wie Trainer mit Kreativität auch unter schwierigen Bedingungen den Turnnachwuchs schulen können

Die Schulter fest – und die Füße im Eimer

Hehlen (phi). René hängt mit den Füßen im Eimer fest. „Die Schulter war nicht fest“, stellt Gerhard Tripke kurz fest – und der Neunjährige krabbelt aus dem Eimer auf die Matte. Manchmal sind es fernab von grauer Theorie eben die einfachen Dinge, die Kindern Bewegungsabläufe vermitteln. Und da darf es schon mal ein schnöder Eimer sein, um dem kleinen Gerätturner zu erklären, wohin Schulter und Hüfte gehören bei den Kreisflanken an Turnpilz und Pferd.

veröffentlicht am 10.01.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 02:41 Uhr

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Der neunjährige René gehört heute zu den erfolgreichen Turnern des TC Jahn Hehlen, die sich bereiterklärt haben, beim Übungsleiterlehrgang des Turnbezirks Hannover als „Versuchskaninchen“ zu fungieren. Rund 50 Trainerinnen und Trainer haben auf Einladung des Hehlener Turn-Urgesteins und Bezirksfachwarts für das Gerätturnen, Dirk Lienig, den Weg in die kleine Halle am Schiffberg gefunden. „Unsere Lehrgänge stoßen auf reges Interesse“, erläutert Fachmann Lienig. Als Referenten hat er Gerhard Tripke, Landestrainer des Niedersächsischen Turnbundes (NTB) im Bundesleistungszentrum (BLZ) Hannover, ebenso gewonnen wie Christian Niesel, den Wettkampfwart im NTB. Dabei vermittelt Tripke vor allem „machbares“ Wissen, denn die kleinen Vereine sind längst nicht so gut ausgerüstet wie die Turner in der Landeshauptstadt Hannover. „Dort gibt es eine separate Bodenturnhalle und eine Gerätehalle. Unter dem Spannreck ist ein großes Becken mit Schaumstoffschnipseln gefüllt. Risikoreiche Abgänge können so gefahrlos geübt werden“, erklärt Lienig. „Außerdem entfällt dort das Auf- und Abbauen – die Geräte bleiben immer aufgebaut am selben Ort.“ Von solchen Bedingungen können die meisten Übungsleiter nur träumen. Auch separate Krafträume sind Mangelware bei den hiesigen Vereinen. Deswegen legen die Veranstalter umso mehr Wert darauf, den Teilnehmern praktische Tipps für das Training unter nicht ganz so guten Bedingungen zu geben. Und mit Tipps spart Tripke heute nicht.

René und seine Kameraden Ümit, Olcay und René Nr. 2, müssen ran und zeigen, was sie können – und was sie nicht können. Tripke erklärt, leistet Hilfestellungen, und dann müssen die anderen Trainer Haltegriffe üben und zeigen, was sie heute gelernt haben. Vermittelt wird Basiswissen an allen sechs Geräten in Theorie und Praxis. Ebenso werden hilfreiche Kniffe verraten. Dazwischen gibt es Kaffee, Mittagessen und Kuchen, bevor an ausgewähltem Filmmaterial Kampfrichterbestimmungen und Wertungsvorgaben erläutert werden.

Die Lehrgänge beim TC Jahn Hehlen sind beliebt, weil sie in familiärer Umgebung zeigen, was selbst in kleinen Vereinen möglich ist, wenn sich die Übungsleiter die entsprechende Fachkompetenz aneignen und mit Fantasie und Kreativität das Training gestalten. „Als die Trainer aus dem Bundesleistungszentrum erstmals bei uns waren, haben sie nicht schlecht gestaunt, wie wir hier trainieren“, erklären die Hehlener Trainer Dirk Lienig und Eugen Kluge grinsend.

Eine kleine Halle, drei bis vier Trainingseinheiten, und der stetige Geräteauf- und -abbau – „was wir für Alltag halten, ist für diese Trainer fast schon rückständig“. Trotzdem können sich die Erfolge der heimischen Turner immer wieder sehen lassen und finden auch bei den Profi-Trainern Beachtung, nicht nur auf Bezirks-, auch auf Niedersachsenebene gibt es reichlich Erfolge zu verzeichnen. „Es ist eben doch nicht so, dass immer alles nur vom Material und von den Umständen abhängt“, meint Lienig. „Entscheidend ist neben Kompetenz, Durchhaltevermögen und konstanter Arbeit mit den Jungs auch der gemeinsame Wille zum Erfolg.“ René hat diesen Willen und wagt mit den Füßen im Eimer einen neuen Versuch am Turnpilz.

„Bring die Hüfte vor, lass die Schulter fest“ – Tripke gibt klare Anweisungen und siehe da, diesmal gelingt dem Turnfloh eine erste Kreisflanke. Grinsend lässt er sich auf die Matte fallen und sucht nach seinen Socken, der Fußboden ist kühl. Das wäre im Bundesleistungszentrum in Hannover nicht passiert. Dort werden die Räumlichkeiten für die Turner konstant auf 21 Grad Celsius geheizt. Aber damit hat René kein Problem. Seine Schwester turnt ebenfalls hier, seine Mutter fungiert als Übungsleiterin, und genau deswegen kommt der talentierte, strohblonde Junge jede Woche pünktlich zu den Trainingseinheiten. Mit der Ausstattung der Halle hat das Gerätturnen zumindest für René nichts zu tun.



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