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Die kleine Anne ist sie manchmal heute noch

Von Inken Philippi
Bodenwerder. Die kleine Anne soll den Tisch decken, als sie aus der Schule kommt, aber sie will viel lieber Zeitung lesen, will wissen, was in der Welt los ist, Politik interessiert sie. Sie soll sich ruhig verhalten, wenn Erwachsene sich unterhalten, aber sie macht sich bemerkbar, wenn sie glaubt, dass einer der „Großen“ lügt. Kurz: Sie ist ein unbequemes Kind, das im Sauerland oft mit Familie und Schule kollidiert.

veröffentlicht am 03.11.2010 um 14:24 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 10:41 Uhr

sdsd
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Von Inken Philippi
Bodenwerder. Die kleine Anne soll den Tisch decken, als sie aus der Schule kommt, aber sie will viel lieber Zeitung lesen, will wissen, was in der Welt los ist, Politik interessiert sie. Sie soll sich ruhig verhalten, wenn Erwachsene sich unterhalten, aber sie macht sich bemerkbar, wenn sie glaubt, dass einer der „Großen“ lügt. Kurz: Sie ist ein unbequemes Kind, das im Sauerland oft mit Familie und Schule kollidiert.
 Direkt, wissbegierig und immer auf der Suche nach Wahrheit und Gerechtigkeit, stößt sie oft an die Grenzen ihrer Umwelt, aber auch an ihre eigenen. „So ist es bis heute geblieben“, sagt Anne-Solbach Freise lächelnd, mittlerweile Anfang 70 und kein bisschen weniger unbequem, dafür etwas gelassener. Wahrheit und Gerechtigkeit das sind noch immer die Größen, an denen die Bodenwerderanerin eigene Aktivitäten, aber auch die ihrer Mitmenschen misst und dabei liegt ihre Messlatte hoch. Sie hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, für die zu streiten, die nicht für sich selbst streiten können.
 Sie lebt bescheiden – Besitz bedeutet ihr nur sehr wenig – und ernährt sich biologisch. Ihre Kleidung kauft sie meist im Dritte-Welt-Laden und ernsthafte Umwelt- und Friedensaktivisten können sich ihrer tatkräftigen Unterstützung immer sicher sein. Bei so viel Konsequenz im eigenen Leben, kann es fast nicht mehr verwundern, dass Solbach-Freise den größten Teil ihrer privaten Finanzmittel in eine eigene Stiftung steckt: die „Solbach-Freise-Stiftung für Zivilcourage“.
 Einen konkreten Auslöser zur Gründung dieser Stiftung will sie nicht benennen: „Das war eine sehr lange Entwicklung. Tägliche Erfahrungen während meiner Kindheit und Jugend spielten dabei ebenso eine Rolle wie späteres Mobbing während meines Schuldienstes, das ich am eigenen Leib erfahren musste“, so die pensionierte Realschullehrerin. So sehr sie sich für andere einsetzen konnte, im konkreten eigenen Fall, als sie sich selbst hätte helfen müssen, konnte sie es nicht. Selbst Mobbing-Opfer zu werden und dabei nicht auf Zivilcourage anderer zählen zu können, gehörte zu den einschneidendsten Erlebnissen in ihrem Leben und war ein wesentlicher Grundstein zur Gründung der Stiftung.
 Überhaupt vermisst Solbach-Freise couragiertes Auftreten innerhalb der deutschen Gesellschaft, „besonders bei Politikern“ und ist deswegen überzeugt, dass ihr Preis mehr als notwendig ist. Auch von der Stadt Bodenwerder würde sie sich für die Zukunft mehr Unterstützung in Bezug auf ihre Stiftung wünschen, „weil sie ja auch dazu beiträgt, Bodenwerder über die Stadtgrenzen hinaus im positiven Sinne bekannt zu machen“. Denn die Preisverleihung, die ihren Anfang 1995 im Freiseschen Wohnzimmer nahm, ist inzwischen zu einer gut besuchten Veranstaltung mit einem Preisgeld von 10 000 Euro geworden. Auszeichnen wird die Frau aus Bodenwerder in diesem Jahr erstmals eine Gruppe: Urgewald wird den 15. Preis entgegennehmen, die Mitglieder der Organisation sehen sich als Anwälte für Umwelt- und Menschenrechte in aller Welt und sind deutschlandweit bekannt. Urgewald-Gründerin Heffa Schücking und Mitarbeiter werden zu diesem Zweck am Samstag, 6. November, um 14.30 Uhr in die Kulturmühle nach Buchhagen reisen, die dieser Anerkennung durch Solbach-Freise den passenden Rahmen gibt.



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