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Wie Dankward Pillmann als Bandcoach musikbegeisterte Menschen zusammenbringt

„Die E-Gitarre schreit nach Freunden“

Bodenwerder. „Tja – derzeit stehen wir ohne Sängerin da, außerdem ohne Bandnamen. Aber mit Pille“, umreißt Bassistin Franzi (16) die Situation. Die Stimmung im professionell ausgestatteten Übungsraum in Bodenwerders Altstadt ist gut, geradezu optimistisch. „Eben, mit Pille“ greifen Gitarristin Lina (17) und Drummerin Anna (15) fröhlich das gerade Gesagte auf. „Pille“ – das ist Dankward Pillmann, 49 Jahre alt und „total musikverrückt“, wie er selbst sagt. Als langjähriger Berufsmusiker („Daisy Chain“, „Teachers Finest“), erfahrener Lehrer an der Musikschule Holzminden und seit fünf Jahren selbstständig mit „Pilles Gitarrenschule“, hat er recht konkrete Vorstellungen davon, wie die musikalischen Freundinnen zu einer Band zusammenwachsen könnten. Der Kontakt zu einer interessierten Sängerin ist geknüpft, und am letzten Tag des Jahres 2014 wird das erste Kennenlernen mit gemeinsamem Musizieren vielversprechend verlaufen.

veröffentlicht am 03.01.2015 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 19:41 Uhr

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Autor:

Sabine Weiße
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Ein kleiner Erfolg auch für Dankward Pillmann als Bandcoach. „Neben meiner Arbeit als Lehrer möchte ich musikbegeisterte Menschen zusammenbringen, mich mit ihnen gemeinsam auf den Weg zu den kleinen oder auch großen Bühnen der Welt machen.“ Zu diesem Zweck hat Dankward Pillmann zusätzlich zu seiner mittlerweile am Markt etablierten Gitarrenschule ein zweites Unternehmen gegründet: die Funky-Danky Bandcoaching GbR. Der familiär-persönliche Name der kleinen Firma steht für das Unternehmenskonzept: Neben einem großen Erfahrungsschatz als Gitarrist und Sänger, als Lehrer und als Insider der lokalen Musikszene bringt Dankward Pillmann insbesondere seine Persönlichkeit und sein feines Gespür im Umgang vor allem mit jungen Menschen ein. „Er findet den richtigen Zugang, die passenden Worte. Ihm gelingt die Balance zwischen Kritik und Motivation“, beschreibt der Vater einer 16-jährigen Gitarrenschülerin „Pilles“ herausragendes Talent.

Bis die jungen Frauen als Band gemeinsam durchstarten können, heißt es: üben. Der Titel „Otherside“ von den Red Hot Chili Peppers steht heute wieder einmal auf dem Programm. Am Schlagzeug gibt Anna den Grundtakt vor; Franzi und Lina greifen beherzt in die Saiten, spielen das Intro-Thema als Schleife. Wo eben noch gescherzt, gekichert, aus der Schule, vom jüngsten Reitturnier und über Jungs geplaudert wurde, herrscht jetzt disziplinierte Probenatmosphäre. In Socken sitzen die jungen Frauen im zum Übungsraum umgestalteten Wohnzimmer im zweiten Stock zwischen viel Technik auf ihren Hockern, den Blick konzentriert auf Notenblatt oder die Saiten gerichtet. Dann hält Gitarristin Lina inne. „Verdammt, ich krieg’s nicht hin. Der Wechsel aus dem Refrain- in den Strophenpart ist so schwierig.“ Profi Dankward Pillmann nickt verständnisvoll. „Ja, da hast Du noch einen ordentlichen Job vor Dir.“

Dann eine Raucherpause für „Pille“ auf seinem Balkon – und Zeit für offene Worte im Übungsraum. „Pille ist ein richtig gechillter Typ, der uns viel Freiraum lässt“, charakterisiert Franzi den Bandcoach. „Er ist mehr Kumpel als Lehrer“, so die Schülerin des Holzmindener Campe-Gymnasiums. „Es ist eher so, als ob man sich mit Freunden trifft“, ergänzt Anna, die im Sommer ihren Realschulabschluss anstrebt. Und für Lina, die als Schülerin der Paul-Gerhardt-Schule in Dassel bereits im Vorabi-Stress steckt, sind die alle 14 Tage stattfindenden Übungsabende „auch Entspannung, angenehm für den Kopf“. Nach dem Abi möchte sie beim Bandprojekt unbedingt dabeibleiben, will deshalb in der Region studieren. Was genau leistet der Bandcoach auf dem Weg zum ersten Bühnenauftritt? „Hat sich ein Team gefunden, das vom spielerischen Niveau, vom Musikgeschmack und auch menschlich zusammenpasst, geht es an die Liedauswahl“, skizziert „Funky Danky“ die Anfangsphase. Sind die Songs ausgewählt, bearbeitet der Coach die Stücke mittels eines Notensatzprogramms, berücksichtigt dabei unterschiedliche spielerische Levels oder die Tatsache, dass in der Band nicht alle vom Komponisten vorgesehenen Instrumente zur Verfügung stehen. Eine Art „Programmablauf für jedes Instrument“, das „Leed Sheet“, erleichtert jedem Bandmitglied die Orientierung und führt es sicher „durch den Song“.

Bandcoach Dankward Pillmann. Thomas Göbert

Parallel zur Arbeit mit dem Instrument steht Noten- und Harmonielehre bei Dankward Pillmann auf dem Stundenplan – auch wenn es gute Gitarristen gibt, die keine Noten lesen können „Diese Kenntnisse erleichtern die Kommunikation zwischen Musikern. Es ist eine Sprache, die quasi überall gesprochen wird.“ Inhalt und Verlauf jeder Übungseinheit werden dokumentiert: einerseits handschriftlich, in Stichworten. Die Tonaufnahme ermöglicht zusätzlich allen Bandmitgliedern, das Gespielte zu beurteilen, Defizite oder Fortschritte zu erkennen. „Konstruktive Kritik ist ein wichtiger Aspekt der gemeinsamen Fortentwicklung“, unterstreicht der Bandcoach. Ist ein bestimmtes Niveau erreicht, „sind Auftritte unbedingt wünschenswert. Sie stärken das Selbstbewusstsein der Band.“

Was steckt hinter der Idee des Bandcoachings? „Fast alle Schülerinnen und Schüler erlernen heute das Spiel auf der E-Gitarre, die Akustikgitarre ist deutlich weniger attraktiv.“ Während die Akustikgitarre aber „mit sich im Reinen“ sei und ihren klanglichen Reiz als Soloinstrument voll entfalten könne, „schreit die E-Gitarre nach Freunden“. Sie brauche Begleiter wie den Bass, Gesang und ein Schlagzeug. Wenn ein bestimmtes spielerisches Niveau erreicht sei, bereite gemeinsames Musizieren mehr Spaß. „Man ist gefordert, kann kreativ werden, sich in seinem Instrument verlieren. Der gegenseitige Ansporn tut gut“, weiß Dankward Pillmann aus eigener Erfahrung. Zudem forme gemeinsames Musizieren die Persönlichkeit: „Man muss lernen, sich zu arrangieren. Musikalisch, aber auch menschlich.“



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