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Dietmar Heiduck repariert wertvolle Uhren und arbeitet derzeit an einem ganz besonderen Exemplar

Den Ruf des Kuckucks blendet er schon aus

Bodenwerder. Es schlägt 10 Uhr, aber Dietmar Heiduck hört es nicht. Das liegt nicht daran, dass die beiden Wanduhren etwa zu leise wären, sondern daran, dass der Bodenwerderaner Uhrmachermeister über die Jahre gelernt hat, das Ticken und Schlagen der Uhren in seiner Werkstatt für sich auszublenden. „Wenn ich kontrollieren will, ob eine reparierte Uhr richtig schlägt, dann muss ich mir einen Wecker stellen, sonst überhöre ich das“, erklärt Heiduck lächelnd.

veröffentlicht am 14.12.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 21:41 Uhr

Fummelarbeit: Dietmar Heiduck arbeitet an einem Uhrwerk. Fotos:

Autor:

Inken Philippi
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Seit 1995 ist der 37 Jahre alte gebürtige Kemnader mit seinem Uhren- und Schmuckgeschäft in der Großen Straße in Bodenwerder selbstständig. Sein Handwerk hat er noch in der Heimatstadt an der Weser gelernt, um anschließend den Meisterbrief in Hildesheim zu erwerben. Gerade 23 Jahre alt, kehrt er zurück und wagt den Schritt in die Selbstständigkeit. Der Erfolg gibt ihm seither recht. Der Laden in dem kleinen Fachwerkhaus mit den Arkaden ist zum festen Bestandteil der lokalen Geschäftswelt geworden. Heiduck hat seit der Geschäftseröffnung zahlreiche Ehepaare mit Trauringen ausgestattet, Kindern Ohrlöcher verpasst und natürlich Frauen wie Männer mit edlem Schmuck und hochwertigen Uhren beglückt.

Der inzwischen erfahrene Geschäftsmann legt dazu besonderen Wert auf guten Kundenservice und persönliche Beratung. Zusammen mit einem festen und langjährigen Mitarbeiterstamm, betreut Heiduck seine Kunden mit guter Laune, und die Käufer fühlen sich bei ihm gut aufgehoben, schließlich ist er „von hier“, viele seiner Kunden haben ihn in Kemnade und Bodenwerder aufwachsen sehen, man vertraut ihm.

Moderne Schmuckstücke aller Couleur bietet der 37-Jährige in dem kleinen Fachwerkhaus an, das Geschäft geht gut, und trotzdem ist das Herzstück seines Ladens immer das Uhrmacherhandwerk geblieben. Über die Jahre hat es Heiduck hier zu einem besonders guten Ruf gebracht. Er hat Kunden aus ganz Deutschland, und die schätzen besonders die Reparaturarbeit, die der Uhrmachermeister in seiner kleinen Werkstatt leistet. „Grundsätzlich lässt sich jede mechanische Uhr reparieren“, erklärt der Fachmann und gibt in den hinteren Räumen seines Ladens einen Einblick in seine Arbeit. Mehr als 100 000 Ersatzteile hat er hier gelagert, winzige Schrauben, Zahnräder und Federn, Dinge von inzwischen hohem Marktwert, denn sie werden zum Teil gar nicht mehr hergestellt. Heiduck hat die Teile aus anderen Werkstätten aufgekauft und lagert sie hier in zahllosen Kästen. Wertvolle und vor allem teure Kleinigkeiten, „mit denen allerdings tatsächlich nur ein Uhrmacher etwas anfangen kann“. Denn es ist enormes Fachwissen und vor allem jahrelange Erfahrung notwendig, um zu wissen, welches Teilchen wie benannt wird und zu welchem Uhrwerk es passt. Natürlich kann Heiduck, ganz in die Arbeit vertieft, jede noch so kleine Schraube einer Uhr erklären und während er das tut, wird auch klar, warum die Kunden ihm ihre Schätze, oft Erbstücke, so gern anvertrauen: Der Uhrmachermeister liebt seine Arbeit.

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Präzise arbeitet der Routinier an jedem noch so schwierigen Fall, oft und lange nach Feierabend. Meistens gelingt es ihm, die Uhren wiederherzustellen. „Im Augenblick repariere ich eine über 100 Jahre alte Kuckucksuhr aus Holz“, erklärt der Fachmann. „Auch Teile des Uhrwerks sind hier noch aus Holz. So etwas stellt heute fast niemand mehr her.“ Der Meister weiß die Wertarbeit zu schätzen und setzt alles daran, dass der Kuckuck bald wieder zur richtigen Stunde ruft. Auch alte Spieluhren werden ihm zur Reparatur gebracht, der Mechanismus ist derselbe wie beim Uhrwerk. Von der filigranen Armbanduhr bis zur Turmuhr, Heiduck hat alles schon in Händen gehabt und wieder zum Laufen gebracht.

Seit Juni unterhält der Geschäftsmann eine weitere Filiale in der Hamelner Fußgängerzone mit ähnlichem Sortiment. Auch dort können Uhren jeglicher Art zur Reparatur abgegeben werden. Heiducks Ehefrau Jasmine leitet dort die Geschicke des Familienunternehmens, und auch die Eltern der Eheleute unterstützen die Geschäfte so gut sie können, besonders gern in Sachen Betreuung der zweijährigen Tochter Heiducks. Der Einsatz aller ist gefragt, meistens läuft das harmonisch ab.

Die ganz persönliche Leidenschaft des Uhrmachermeisters selbst sind mechanische Uhren. Im eigenen Sortiment finden sich seine Favoriten, und natürlich sammelt er ganz besondere Stücke auch privat. Im nächsten Jahr feiert sein Geschäft in Bodenwerder 15-jähriges Bestehen, dann plant Heiduck, eine Uhrenserie im eigenen Design herauszubringen, „mit mechanischem Uhrwerk, versteht sich.“ Bis dahin wird er sich weiter großen und kleinen Präzisionszeitmessern widmen, seine Kunden beraten und sich den Wecker stellen, um das Läuten der Wanduhren nicht zu verpassen.

Der Uhrmachermeister arbeitet in seiner Werkstatt an der 100 Jahre alten Kuckucksuhr.

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