weather-image
14°

Tariferhöhung um rund 25 Prozent beantragt / Kreistag muss über Neufassung der Fahrpreise entscheiden

Das Taxifahren soll teurer werden

Kreis Holzminden/Bodenwerder. Rund 25 Prozent mehr soll der Taxinutzer zukünftig zahlen. Der erklärte Grund: Die gesetzliche Einführung des Mindestlohns von 8,50 Euro. Letzte Hürde vor der Preiserhöhung ist die Zustimmung des Holzmindener Kreistages. Abgestimmt darüber wird in der Sitzung am 20. April. Wird der Kreistag dem Antrag des Gesamtverbandes Verkehrsgewerbe Niedersachsen, Bezirksgruppe Holzminden, zustimmen? Bei der letzten Erhöhung war das Placet schließlich nur eine Formsache.

veröffentlicht am 17.04.2015 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 15:21 Uhr

Autor:

Birgit Schneider und Joachim Zieseniß
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Der Gesamtverband hat im Namen der dort organisierten Taxenunternehmer des Landkreises Holzminden die Anpassung des Taxentarifs beantragt. Zuletzt hatte er das 2012 getan. Zum 1. Februar 2013 waren die Taxipreise zum letzten Mal neu festgelegt worden.

Jetzt ist es erklärtermaßen der Mindestlohn, der zu den rund 25 Prozent höheren Preisen führt – übrigens nicht nur im Landkreis Holzminden. Landauf, landab zeigen die Taximeter mehr Euro an: Spitzenreiter ist Erfurt mit einem Preisanstieg von 40 Prozent, Leipzig folgt mit 25 Prozent. In Hannover, Köln, Stuttgart oder Dresden müssen Kunden 20 Prozent mehr draufzahlen.

Im Kreis Holzminden sollen die Erhöhungen bei 25 Prozent liegen für den Grundpreis und das Beförderungsentgelt von bis zu vier Kilometern. Wer das Taxi für längere Fahrten ruft, muss zukünftig 22,5 Prozent draufzahlen. Und auch die Entlohnung für die Wartezeiten (plus 13,5 Prozent) steigt. Verdoppelt wird der Nachtzuschlag, von 50 Cent auf einen Euro.

Der Gesamtverband Verkehrsgewerbe Niedersachsen (GVN), der flächendeckend Taxentarifänderungen beantragt hat – allerdings mit unterschiedlich hohen Steigerungsraten – argumentiert damit, dass im Landkreis Holzminden die Entgeltpreise von 1,60 Euro je gefahrenem Kilometer im „unteren Mittelfeld“ lägen. In der Stadt Hameln wurde ein Grundbetrag von drei bis fünf Euro, ein Kilometergeld von 2,50 Euro und eine Wartezeit mit 30 Euro pro Stunde bereits genehmigt. Heißt im Klartext: Ein Taxikunde, der sich vom Hamelner Bahnhof mit einem dort wartenden Taxi nach Bodenwerder fahren lässt, muss das Doppelte zahlen, als wenn er sich mit einem Taxi aus dem Kreis Holzminden aus Bodenwerder zum Bahnhof nach Hameln fahren lässt.

Im Kreis Holzminden würden zukünftig ein Grundbetrag von 3,50 Euro, ein Kilometergeld von zwei Euro (ab dem vierten Kilometer von 1,90 Euro) und ein Wartezeittarif von 22,50 Euro pro Stunde fällig. In der Vorlage der Verwaltung zur Neufassung der Taxen-Tarifordnung des Landkreises heißt es, dass der GVN weitere Zuschläge für Sonn- und Feiertage oder ein höheres Entgelt für Großraumtaxen nicht beantragt habe, obwohl dies in anderen Landkreisen teils üblich sei.

Und auf noch etwas weist die Verwaltung hin: Die beantragten Gebühren lägen unter denen der umliegenden Landkreise. Der Taxentarif, den der Kreistag zu verabschieden habe, gelte schließlich ausschließlich für das 50-Kilometer-„Pflichtfahrgebiet“ um den Landkreis Holzminden. Weitere Fahrten nach oder von außerhalb seien frei aushandelbar.

Der Taxiunternehmer Heinz Radau, der in Bodenwerder mit drei Taxis und zwei Mietwagen am Start ist, merkt indes zur zu erwartenden Erhöhung der Taxigebühren an, dass für sein Unternehmen die Einführung des Mindestlohnes wirtschaftlich zu keinen Problemen geführt habe. „Ich habe schon vorher meinen Fahrern 8,50 Euro gezahlt, und halte den neuen Mindestlohn auch für völlig korrekt.“ Für hiesige Unternehmen käme der Einsatz von Schwarzarbeitern sowieso nicht infrage, so der bodenwerdersche Taxiunternehmer. Was ihn jedoch an der neuen Mindestlohn-Regelung maßlos ärgere, sei die geforderte neue Dokumentation der Arbeitszeitnachweise für seine fest- und teilzeitbeschäftigten Mitarbeiter; seiner Ansicht nach überflüssiger Bürokratieaufwand, der ihn derzeit fast den gesamten Sonntagvormittag an Zeit koste. Und das zusätzlich zu den umfangreichen Schreibtischarbeiten bodenwerderscher Taxiunternehmen, die mangels Bahnhof, Discos und sonstigem Nachtleben vor Ort kaum vom Bargeschäft, sondern von abrechnungsaufwendigen Berechtigtenfahrten für Rollstuhl- und Krankenfahrten sowie Schülertransport lebten.

Doch auch wenn es für sein Unternehmen durch den neuen Mindestlohn nicht zu finanziellem Mehraufwand gekommen sei, werde er seine Preise nach einem Kreistagsbeschluss erhöhen müssen, erklärt Heinz Radau: Anders als für Mietwagen seien die politisch bestimmten Tarife für Taxis verbindlich. „Dass sollten unsere Kunden wissen, dass nicht wir für unsere höheren Preise verantwortlich zu machen sind.“

Für Unternehmer Ulrich Ihlenfeld, der einen Taxidienst in Bodenwerder und Holzminden mit sieben Taxis und fünf Mietwagen betreibt, war die Einführung des Mindestlohns jedoch durchaus merkbar: Bei Fahrern wurden die Stundenzahlen und der Nacht- und Wochenendbetrieb reduziert. Mit der geplanten Erhöhung der Taxentarife könnte der Unternehmer jedoch leben. Noch weiter an der Preisschraube zu drehen, hielte er jedoch für unklug: „Wir dürfen auch nicht zu teuer werden, sonst kann sich niemand mehr das Taxi fahren erlauben.“



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt
    X
    Herzlichen Glückwunsch, Ihr Adblocker funktioniert!

    Wir verstehen, dass Sie nicht hier sind, um Werbung zu sehen.
    Aber Werbe- und Aboeinnahmen sind wichtig für unsere journalistische Arbeit.


    Unterstützen Sie unseren Qualitäts-Journalismus, indem Sie Ihren Adblocker deaktivieren
    oder sich mit einem gültigem Digital-Abo anmelden.

    Sie haben ein Digital-Abo? Hier anmelden!

    Noch kein Digital-Abo?