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Ein Pilz ist Schuld am Eschentod

Das Sterben im Walde

BODENWERDER. Zugegeben, es ist Herbst und die Blätter fallen bereits von den Bäumen, aber so trist und kahl sahen die Eschen in Bodenwerders Stadtwald auch schon im Sommer aus. Schuld daran ist ein Pilz, das Falsche Weiße Stengelbecherchen. Ein niedlicher Name, hinter dem eine ernsthafte Bedrohung steckt – das Eschentriebsterben.

veröffentlicht am 11.10.2017 um 11:39 Uhr

Die Eschen in Bodenwerders Stadtwald haben ein Problem. Es heißt Falsches Weißes Stengelbecherchen sorgt dafür, dass ihre Triebe sterben. Foto: ms
Maike Lina Schaper

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Maike Lina Schaper Reporterin zur Autorenseite
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Über die Blätter infiziert der Pilz die Triebe, die daraufhin absterben. Der Baum kann sich gegen den ursprünglich aus Asien stammenden Erreger nicht wehren.

Eschen in großen Teilen Europas sind bereits infiziert und geben ein ebenso trauriges Bild ab, wie im Wald der Münchhausenstadt. Dieser ist 210 Hektar groß, die Eschen darin stehen mal in kleinen Gruppen zwischen anderen Bäumen, dann wieder auf mehreren Hektar großen Flächen zusammen. Einige wenige sind noch vital, sie könnten sogar resistent sein. Bei den meisten sieht man aber bereits deutliche Anzeichen der Baumkrankheit – welke Blätter, bürstenartige Kronen und abgestorbene Rinde.

Während die Eschen langsam ihr Leben lassen, machen sich auf dem Waldboden Dornbüsche breit. Sie freut es, dass durch die kahlen Eschen nun deutlich mehr Licht auf den Waldboden fällt. Auch das Landreitgras ergreift seine Chance und bedeckt den Boden mit einem dichten Wurzelfilz. Das Geflecht feiner Wurzeln macht es dem Wald nahezu unmöglich, sich auf natürliche Weise zu verjüngen und die Samen der umstehenden Bäume selbst Wurzeln schlagen zu lassen. Außerdem fühlen sich Mäuse in dem Gestrüpp pudelwohl.

Der Blick in den Wald bietet ein deutliches Bild. An den Eschen hängen kaum mehr Blätter. Die Bäume im Hintergrund dagegen tragen noch dichtes Grün. Foto: ms
  • Der Blick in den Wald bietet ein deutliches Bild. An den Eschen hängen kaum mehr Blätter. Die Bäume im Hintergrund dagegen tragen noch dichtes Grün. Foto: ms

Für die vom Eschentriebsterben betroffenen Bäume hat Bezirksförster Dieter Scholz keine Hoffnung mehr. Er arbeitet bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen und betreut den Wald für die Stadt Bodenwerder. Zusammen mit den Politikern der Münchhausenstadt hat er den Zustand der Eschen in der jüngsten Fachausschusssitzung besprochen. Gemeinsamer Konsens: Es soll gehandelt werden.

Bereits 2007 sei das Eschentriebsterben in Bodenwerder das erste Mal zu sehen gewesen. Seither habe sich der Zustand der Bäume weiter verschlechtert, berichtet Scholz. Weiter abgewartet werden soll nun nicht mehr. Damit, viel Geld für einen ungewissen Aufforstungserfolg mit anderen Bäumen auszugeben, hadern die Politiker aber auch. Nun wollen die Ausschussmitglieder zunächst 10 000 Euro in den Wald investieren. Dafür sollen infizierte Eschen weichen und Platz machen für Bäume, die sich für diesen Standort gut eigenen – Kirschen (etwa 80 Prozent der neuen Bäume), Bergahorn (10 Prozent), Buche (5 Prozent) und Linde (5 Prozent). Die 10 000 Euro werden aber nur für einen kleinen Teil der betroffenen Fläche reichen. Je nach Pflanzenzahl und gewähltem Wildschutz (damit keine Tiere die kleinen Bäume anknabbern) rechnet Scholz mit Kosten zwischen rund 11 500 und 17 000 Euro pro Hektar. Wie viel Fläche erneuert werden muss, sei schwer einzuschätzen. Scholz geht von insgesamt etwa 20 Hektar aus. Grundsätzlich ist der Stadtforst eine Einnahmequelle für Bodenwerder, durch die Jahr für Jahr einige Tausend Euro in die Kasse kommen.

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