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Ottenstein und Kemnade vor dem Aus – und auch in anderen Dörfern gibt es Probleme

Das Sterben der DRK-Ortsvereine

Ottenstein/Hehlen/Kemnade. Was ist los beim DRK Weserbergland? Mit rund 18 000 Mitgliedern einst in fast jedem Dorf mit einem Ortsverein vertreten, war die Organisation bislang quasi omnipräsent. Doch jetzt scheint es im Bestand zu bröckeln.

veröffentlicht am 22.02.2016 um 14:35 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 14:37 Uhr

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Joachim Zieseniß

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Joachim Zieseniß Reporter Bodenwerder zur Autorenseite
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Denn der bereits im Vorjahr zu beobachtende Trend setzt sich fort, wie ein Blick auf die Tagesordnungen der derzeit stattfindenden Jahreshauptversammlungen verrät: Sowohl der DRK-Ortsverein Ottenstein als auch der Kemnader Ortsverein Verein wollen das Handtuch werfen. Der Grund: Überalterung der Mitglieder und daraus resultierende mangelnde Bereitschaft, noch weiter ein Vorstandsamt zu übernehmen.

Überalterung ist das Hauptproblem

Für Susanne Hubel von der Servicestelle Ehrenamt beim DRK-Kreisverband Weserbergland war und ist diese Entwicklung bei einigen Ortsvereinen bereits seit Jahren vorauszusehen: „Kaffeenachmittage für Senioren reichen in den dörflichen Ortsvereinen eben nicht aus, um jüngere Mitglieder zu gewinnen und die Nachfolge in den Vorstandsämtern sicherzustellen“, meint Hubel, die beim Kreisverband den besten Einblick in das Innenleben der derzeit 120 DRK-Ortsvereine hat. Sie versucht derzeit, bei überalterten Ortsvereinen zu retten, was noch zu retten ist.

So hat es bereits im November vorigen Jahres beim DRK Ottenstein ein Krisengespräch gegeben, um den mehr als 40 Mitgliedern des Ortsvereins mögliche Wege in die Zukunft aufzuzeigen. Susanne Hubel erklärt, dass sie in Fällen, in denen sich niemand mehr zur Übernahme eines der erforderlichen Vorstandsämter bereit erklären möchte, den Vorschlag macht, sich mit zwei bis drei Leuten das Vorstandsamt doch einfach zu teilen. Das sei satzungsgemäß möglich, soweit sich noch zusätzlich das Amt des Schatzmeisters besetzen lasse. Wenn das nicht fruchtet, wird nach einem anderen benachbarten Ortsverein gesucht, mit dem ein Zusammenschluss möglich wäre. Für den Problemfall Ottenstein böte sich eine Fusion mit dem DRK Hehlen an, erklärt die Fachfrau vom DRK-Kreisverband: „Wenn die Hehlener zustimmen und die Ottensteiner mit ein bis zwei Damen als Beisitzerinnen im Vorstand dabei sind, könnte der Zusammenschluss vollzogen werden“, so Susanne Hubel. Mit dem gut 200 Mitglieder starken DRK-Ortsverein Hehlen mit einem gut aufgestellten Vorstand hätten die Ottensteiner dann wieder eine Zukunft – zumal die Hehlener bereits angeboten hätten, nach dem Zusammenschluss auch Veranstaltungen auf der Hochebene stattfinden zu lassen.

Weniger rosig dürfte indes die Zukunft für den 115 Mitglieder starken DRK-Ortsverein Kemnade aussehen, in dem sich schon seit 13 Jahren die Vorstandsmisere abzeichnet. Seit 13 Jahren nämlich beabsichtigt die langjährige und derzeitige Vorsitzende Renate Schüler, ihren Vorstandsposten abzugeben. „Jetzt unter anderem auch aus Altersgründen“, wie sie betont. Und dazu habe sie doch wohl auch das Recht, nachdem sie seit 1970 beim DRK Kemnade immer wieder Vorstandsämter übernommen habe. Doch in Kemnade bahnt sich nun weder eine Vorstandsteam-Lösung ab, noch konnte ein Fusionspartner gefunden werden. Und so stehen denn auf der Tagesordnung der kommenden Hauptversammlung die traurigen Punkte „Auflösung des Ortsvereins“ und „Wählen eines Liquidators“. Und die DRK-Mitglieder aus Kemnade werden – so sie denn wollen – in andere Ortsvereine eintreten müssen.

Wert legt der DRK-Kreisverband Weserbergland jedoch auf die Feststellung, dass ausschließlich Überalterung und keineswegs eine mögliche Verärgerung über die Kreisverbandsfusion Ursache für die Vereinsauflösungen sei: Im Jahr 2013 wurde beschlossen, die ehrenamtlichen Strukturen der Kreisverbände Hameln-Pyrmont und Holzminden zu vereinen. Im Zuge der Umbenennung gab es als eine indirekte Folge auch Veränderungen auf der Management-Ebene. „Mit dieser Fusion haben jedoch die Probleme in den Ortsvereinen gar nichts zu tun“, versichert Susanne Hubel. Und das gelte für die Vereine aus der Samtgemeinde Bodenwerder ebenso wie für den DRK-Ortsverein Reinerbeck, der sich im Vorjahr aufgelöst hat – und die DRKler in Esperde, die diesen Schritt wegen Überalterung ebenfalls noch in diesem Jahr vorhaben.

Die Servicebeauftragte für das Ehrenamt im Roten Kreuz legt daher allen Ortsvereinen ans Herz, nicht zu lange mit der Verjüngung der Vorstände zu warten. Bei der ganz unterschiedlichen Altersstruktur in den Ortsvereinen gebe es eben auch Gemeinschaften mit einer gewachsenen Altersstaffelung von 60 bis 80 Jahren. Hier sei es unbedingt notwendig, Veranstaltungen anzubieten, die Jüngere, die noch im Berufsleben stehen, ansprechen – mit Abend- und Wochenendveranstaltungen, einem Jugendrotkreuz – und eben nicht nur mit Senioren-Nachmittagen.

Info: Der Kreisverband

Der DRK-Kreisverband Weserbergland ist einer der größten Kreisverbände im Land Niedersachsen. Insgesamt kommen unter seinem Dach fast 120 Ortsvereine mit knapp 18 000 Mitgliedern zusammen. Ehrenamtlich engagieren sich rund 940 Personen in den unterschiedlichsten Bereichen. Hauptamtlich sind knapp 700 Personen im Kreisverband beschäftigt.



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