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Tod und Ewigkeit als ernstes Thema im Religionsunterricht der Grundschule Bodenwerder

Das Leben – und wie man unsterblich wird

Bodenwerder (kb). „Ich stelle mir den Tod so vor: Ich glaube, dass da dann andere Tote auch wohnen, dass man sie wiedererkennt und dass es ruhig ist. Man kann shoppen gehen und in die Kirche gehen. In den Wohnungen wohnen andere Engel drin. Man muss nicht arbeiten gehen. Das Beste ist, man ist im Himmel“, beschreibt ein Mädchen aus der vierten Klasse ihre Vorstellung vom Tod.

veröffentlicht am 18.11.2010 um 15:59 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 10:21 Uhr

Die Ausstellung in der Klosterkirche Kemnade. Fotos: kb
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„Tod und Ewigkeit“ lautete das Thema des Religionsunterrichtes in der Grundschule Bodenwerder. Christiane Klein war mit der Bitte an Hella Lohrengel, Fachobfrau für Religionspädagogik, herangetreten, eine Ausstellung in der Klosterkirche zu diesem Thema zu gestalten. Damit würde dem Mozart-Requiem (wir berichteten) der richtige Rahmen gegeben, und die Besucher hätten neben dem akustischen Genuss auch noch etwas zu betrachten. Die Religionspädagogin und ihre Fachkollegen Hendrik Rau, Marie-Luise Hellwig-Ting und Astrid Dehn-Repschläger kamen dieser Bitte gerne nach, und so präsentiert die Klosterkirche noch bis zum Ewigkeitssonntag eine beeindruckende Vielfalt von Gedanken und Zeichnungen zu diesem Thema. Vor und nach dem Gottesdienst am 21. November sowie am Nachmittag von 14 bis 16 Uhr können Interessierte die Ausstellung besuchen.

Alle Klassen bis auf den ersten Jahrgang beschäftigten sich im Religionsunterricht mit dem Tod und was danach sein würde. „Wie ist es, wenn wir sterben? Was passiert mit uns nach dem Tod? Wie ist es, wenn wir einen geliebten Menschen verlieren?“ waren Fragen, mit denen sich die Kinder auseinandersetzen mussten. Auf unterschiedliche Weise erarbeiteten die Pädagogen das Thema. Verschiedene Kinderbücher boten ihnen dabei einen einfühlsamen Zugang. In „Leb wohl, lieber Dachs“ stirbt der alte Dachs. Nach einer Zeit des Unglücklichseins erinnern sich seine Freunde an Dinge, die sie mit ihm erlebt haben. Jetzt können sie sogar lachen, wenn sie an die teilweise lustigen Begebenheiten denken. Das Buch vermittelt den Kindern, wie sehr der Tod zum Leben dazugehört. Das gibt Gelegenheit, über den Tod eigener Tiere und geliebter Personen zu sprechen und woran man sich erinnert. In der Geschichte „Zwei Blätter am Ast“ unterhalten diese sich, was wohl nach dem Abfallen mit ihnen geschieht, wie man sich beim Fallen fühlt und wenn man dann da unten liegt. „Was geschieht eigentlich mit uns, wenn wir abfallen?“ wurde dann als Unterrichtsfrage gestellt. Oder auch: Das Leben hat einen Anfang und ein Ende, was ist dazwischen? Wie sieht mein Lebensweg aus? Was habe ich schon erlebt, wie wird es weitergehen? Ein Labyrinth als Darstellung des Lebensweges zeigte den Schülern einer 4. Klasse bei der Bearbeitung eindrucksvoll, wie man seinen Weg finden muss.

Der Weg des Lebens gehört zum Thema Tod und Ewigkeit dazu. Das Leben ist vorherbestimmt und am Ende ist der Tod unausweichlich. Wie das Leben von Tommo in dem Buch „Pele und das neue Leben“, das plötzlich durch eine schwere Krankheit ein Ende findet. Damit lässt er seinen Freund Pele allein zurück. Der findet erst Trost im Frühjahr, als die Blumen, die er mit seinem Freund gesät hatte, zum Leben erwachen. Eindrucksvoll auch, wie Sam und Felix, beide unheilbar leukämiekrank, in „Wie man unsterblich wird“ die ihnen verbleibenden Monate nutzen. Sie schreiben eine Liste mit Dingen, die sie unbedingt noch erleben wollen, wie beispielsweise „Ein Mädchen küssen“ oder „Eine Rolltreppe verkehrt herum laufen“. So umfassend wie dieses Thema sind auch die Unterrichtsergebnisse. Aber wie war die Stimmung bei der Behandlung der Problematik? Hella Lohrengel äußerte sich sehr positiv dazu: „Bei den Unterrichtsgesprächen gab es keine Hemmungen. Die Kinder haben sich intensiv mit dem Tod und der Trauer auseinandergesetzt und immer neue Beispiele und Ideen gebracht. Alle Gedanken wurden vorgestellt. Es herrschte in allen Klassen eine offene, sehr nachdenkliche Atmosphäre. Es hat auch mal Tränen gegeben bei der Erinnerung an einen Verstorbenen. Aber Tränen gehören zur Trauer dazu. Und seiner Tränen muss sich niemand schämen.“

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Leia, Jan-Malte und Jasmin (von rechts) aus der Klasse 2 b haben sich mit dem Thema Tod und Leben auseinandergesetzt.

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