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Karin Kehne bildet Schneiderin aus

Das Handwerk soll weiterleben

Bodenwerder (phi). Wer das kleine Häuschen mit der Schleife in Kemnade betritt, der lässt die Welt draußen, sobald er die leicht schwergängige Holztür hinter sich ins Schloss gezogen hat. Die Geräusche der Außenwelt kommen hier nur leise an, gedämpft von schweren und leichten Stoffen, farbenfrohen Jacken, eleganten Kleidern und Röcken, denn hier beginnt der kleine Kosmos von Karin Kehnes Modeatelier.

veröffentlicht am 10.10.2010 um 18:19 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 11:21 Uhr

Lehrmeisterin Karin Kehne bildet Alexandra Kappey zu Damenschnei
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Seit 30 Jahren ist die versierte Schneiderin in der Münchhausenstadt die erste Adresse für maßgefertigte Mode. Am 1. August hat sie Gesellschaft in ihrem heimeligen Fachwerk-Häuschen bekommen: Alexandra Kappey, 19 Jahre, aus Holzminden, hat sich entschlossen, Maßschneiderin mit Schwerpunkt „Damen“ zu werden. Karin Kehne bildet die junge Frau aus. „Ich möchte das Handwerk einfach weitergeben“, erklärt die stille Lehrmeisterin.

Alexandra Kappey ist dankbar für den Ausbildungsplatz, denn die Schneiderin aus Bodenwerder ist einer von nur acht Lehrbetrieben im Großraum Hildesheim. Deswegen muss die Auszubildende auch bis nach Hannover zur Berufsschule fahren. „Und selbst dort sind wir nur acht Schüler in der Klasse“, erklärt die 19-Jährige lächelnd.

Ihr erstes Stück hat sie schon genäht: „Einen Rock für mich habe ich jetzt fertiggestellt.“ Und? Zufrieden? Karin Kehne nickt wohlwollend und auch Alexandra findet: „Er ist mir ganz gut gelungen, ich musste auch gar nicht so viel auftrennen.“

Auch Karin Kehne betritt selbst mit der Ausbildung Neuland: „Ich habe im vergangenen Sommer die Ausbildereignungsprüfung vor der Industrie- und Handelskammer abgelegt; für mich ist es auch neu“. Aber wer schon einmal die Atelier-Räume an der Hamelner Straße betreten hat, der hegt keinen Zweifel an der fachlichen Eignung der Ausbilderin.

Zweifel hinsichtlich der Qualität ihrer Arbeit hegen übrigens auch die Mitglieder des Fürstentreffs aus Bad Pyrmont nicht. Denn seit Kurzem näht die Kemnader Schneiderin für sie die aufwendigen Rokkoko-Roben. „Das ist natürlich eine große Ehre für mich. Bevor ich den Auftrag bekam, wurden diese Kleider in Babelsberg bei Berlin geschneidert, dort werden auch die Näharbeiten für die Film- und Fernsehproduktionen der Babelsberger Studios erledigt.“

Eine besondere Herausforderung also, die Karin Kehne zur Zufriedenheit aller gemeistert hat. Wie lange muss denn an einer dieser extravaganten Roben gearbeitet werden? „Fünfzig Stunden habe ich für das aufwendigste Rokkoko-Kleid gearbeitet, dabei bin ich aber natürlich nicht die einzige, die ihren Teil dazu beiträgt. Die Arbeit läuft in Zusammenarbeit mit Hutmachern, Schuhmachern, Goldschmieden und Klöpplerinnen, und die Stoffe müssen mitunter noch gesondert bestickt werden.“

Die Ergebnisse sprechen für sich. Der Fürstentreff bleibt der Kemnaderin wohl fürs Erste treu, denn die erfahrene Schneiderin bringt viel Kreativität, Fantasie und Idealismus mit und verliert bei aller Liebe zum Detail im Konzept doch nicht den Blick für das Wesentliche. Dabei steht sie auch weiterhin fest mit den Füßen auf dem Boden der Tatsachen, „natürlich erledigen wir neben Maßanfertigungen auch Änderungen und Umarbeitungen. Das ist selbstverständlich unser Tagesgeschäft.“

Kunstvoll drapiert sind die Ausstellungsstücke in ihrem Atelier, Karin Kehne dekoriert mit leichter Hand. Wollte sie eigentlich immer Schneiderin werden? Die Antwort fällt ruhig und kurz aus: „Es ist mein Traumberuf“ — eine Überraschung ist das nicht. Sie ist eine Überzeugungstäterin, die mit ausgefeiltem Handwerk fasziniert. Ein Besuch in Karin Kehnes Werkstatt kommt dem Eintauchen in eine andere Welt gleich, jedenfalls so lange, bis sich die Holztür wieder öffnet und den Weg nach draußen freigibt. Die Farben und Stoffe verschwinden und der laute Alltag ist wieder da. Aber beim Blick zurück zum Haus mit der Schleife ist klar: Darin gibt es die feine, leise und kreative Welt von Karin Kehne und Alexandra Kappey.



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