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Kosten steigen – Besucherzahlen sinken

Das Bad rutscht immer tiefer ins Finanzloch

Bodenwerder (jhe). Schwimmen, Planschen, Saunieren ist in Bodenwerder ein teurer Spaß – zumindest für die Samtgemeinde. Der Zuschuss für das Schwimmbad wird in diesem Jahr voraussichtlich so hoch wie nie. Samtgemeindebürgermeister Ernst-August Wolf rechnet mit einem Defizit von rund 300 000 Euro – und das alleine für den reinen Betrieb, Investitionen nicht inbegriffen.

veröffentlicht am 12.10.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 01:21 Uhr

Die Rutsche im Schwimmbad Bodenwerder wird aufgrund der sinkende
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„Das ist ein ganz schöner Brocken“, sagt Wolf und erklärt, dass maßgeblich die „exorbitant gestiegenen Energiekosten“ für den hohen Zuschuss verantwortlich seien. Um das Bad erhalten zu können, „müssen diese hohen Unterhaltungskosten erheblich heruntergefahren werden“, sagt der Samtgemeindebürgermeister. Eine Modernisierung scheint der einzige Ausweg zu sein, denn bei dem über 30 Jahre alten Bad „passt einfach die Hülle nicht mehr“, so Wolf.

„Der neue Rat wird die Weichen stellen“

Derzeit wird das Schwimmbad energetisch überprüft. Auch der Arbeitskreis Bäderwesen mit Mitgliedern aus Rat und Verwaltung befasst sich mit der Zukunft des Bades. Ein Gutachten soll laut Wolf noch in diesem Jahr erstellt werden. „Dann sehen wir, was investiert werden müsste, um den Betrieb aufrechtzuerhalten und was wir überhaupt investieren können“, erklärt der Samtgemeindebürgermeister.

Um den Defizitbetrag zu verringern, der vor zehn Jahren noch lediglich 130 000 Euro betrug, hat die Samtgemeinde schon verschiedene Überlegungen angestellt. Dazu gehörte, eine Zusammenarbeit zwischen dem Freibad Polle und dem Schwimmbad Bodenwerder aufzubauen. „Das war vorgesehen, aber man war noch nicht soweit“, sagt der Samtgemeindebürgermeister. Ob es zukünftig eine Fusion zwischen den beiden Bädern geben werde, wisse er nicht. „Das entscheidet nächstes Jahr der neu gebildete Samtgemeinderat.“

Eine weitere Möglichkeit, die Kosten zu senken, wurde zwar von der Gemeinde ausprobiert, führte aber zu keinem befriedigenden Ergebnis. „Es hat uns eine Menge Ärger eingebracht, als wir die Wassertemperatur um drei Grad gesenkt haben“, erinnert sich Wolf. Vor allem die älteren Besucher hätten gefroren, so dass die Temperatur wieder auf 28 Grad erhöht wurde.

Was dem Bad auch zu schaffen macht, sind laut Wolf die schwindenden Besucherzahlen. Kamen 2006 noch rund 34 700 Gäste, waren es 2007 rund 2000 weniger. Noch drastischer ging die Zahl im vergangenen Jahr auf etwa 27 000 Gäste zurück. Auch wenn das Bad 2008 zwei Wochen länger als in den Vorjahren geschlossen war, wird der Abwärtstrend deutlich. Ein Trend, der sich auch in diesem Jahr fortzusetzen scheint. Bis Ende August waren es rund 15 800 Badegäste – etwa 4200 weniger als zum gleichen Zeitpunkt 2008. Sylke Steinhoff aus der Verwaltung weist allerdings darauf hin, dass das Schwimmbad im Januar dieses Jahres wegen Energiesparmaßnahmen geschlossen hatte. „Das macht sich in der Gesamtbesucherzahl bemerkbar“, so Steinhoff.

Als möglichen Grund für die sinkende Besucherzahl nennt Ernst-August Wolf den demografischen Wandel. „Vor allem junge Menschen gehen von hier weg, weil sie keine Arbeitsplätze bekommen – bei einer weiterhin abnehmenden Bevölkerungszahl wird es für das Bad nicht leichter werden.“ Mit dieser Problematik stehe Bodenwerder allerdings nicht alleine da. „Viele Bäder sind schon geschlossen worden, weil die Gemeinden es sich nicht mehr leisten konnten“, sagt Wolf.

Für dramatisch hält Bernd Fischer die Besucherzahlen allerdings nicht. Als Kassierer und Cafeteria-Betreiber weiß er genau, wer das Bad besucht: „Wir haben sehr viele Stammgäste, darunter Jahreskarten- oder Zehnerkartenbesitzer. Viele Senioren kommen zum Frühschwimmen.“ Auch von Vereinen werde das Bad viel genutzt. „Die DLRG kommt am Donnerstag mit fast 80 Kindern.“ Auch an Spielenachmittagen sei der Andrang mit teilweise bis zu 100 Kindern in der ersten halben Stunde sehr groß.

Besucherschwach sind laut Ernst-August Wolf hingegen die Tage über Weihnachten und Neujahr. Ein Grund für die Gemeinde, das Bad vom 15. Dezember bis 15. Januar 2010 zu schließen. In dieser Zeit werden dann auch die alljährlich anfallenden Revisionsarbeiten durchgeführt. Die Schließung in dieser besucherschwachen Zeit trage auch dazu bei, Energiekosten einzusparen.

Wie es dann in Zukunft mit dem Schwimmbad weitergeht, kann der Samtgemeindebürgermeister nicht sagen. „Darüber ist noch nichts entschieden. Der neue Rat wird die Weichen stellen.“

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