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Gut besuchter erster Poetry Slam in der Kulturmühle – die „etwas andere Dichterlesung“

Da reichen die Sitzplätze nicht aus

Buchhagen. Als eine überraschend attraktive Veranstaltung, besonders auch für ein junges Publikum, erwies sich der erste Poetry Slam in der Kulturmühle. Zügig füllte sich der Saal, sodass die Organisatoren kurzfristig noch weitere Sitzgelegenheiten heranschaffen mussten. Der Literaturwettbewerb „Poetry Slam“, auch mit „Dichterschlacht“ übersetzt, ist Mitte der 1980er Jahre in den USA entstanden und hat sich seit den 1990er Jahren weltweit verbreitet.

veröffentlicht am 07.10.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 22:21 Uhr

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Autor:

Karin Küster
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Beim Slam in Buchhagen traten fünf Poeten in zwei Durchgängen mit selbst verfassten, maximal sieben Minuten langen Texten gegeneinander an. Selbst dem unbefangenen Neuling fielen die entscheidenden Unterschiede zu herkömmlichen Dichterlesungen sofort auf: Zum einen kommen mehrere Poeten nacheinander auf die Bühne. Zum anderen entsteht eine Wettkampfstimmung. Diese Situation führte nahezu unweigerlich zu mehr Spannung, genauerem Hinhören, gedanklichem Bewerten und Mitfiebern beim Zuhörer!

Die Verteilung der Bewertungspunkte erfolgte sofort nach jedem Vortrag durch die Jury, die der hannoversche Moderator Jan Egge Sedelies zu Beginn der Veranstaltung aus einigen Freiwilligen aus dem Publikum zusammengestellt und eingewiesen hatte.

Gerrit aus Hannover traf das undankbare Los, die Dichterschlacht beginnen zu müssen; er ließ das Publikum in seinen beiden Vorträgen an seiner Verbundenheit mit seinem hannoverschen Stadtteil teilnehmen, mit Wehmut nimmt er die Schließung der örtlichen Badeanstalt mit Trillerpfeifenromantik und Sprungverbot vom Beckenrand zur Kenntnis und kann dem auf der anderen Straßenseite neu erbauten Wellness-Tempel nichts Positives abgewinnen. Eine tragische Liebesgeschichte, nämlich die zu seiner lokalen Biersorte, erzählte er im zweiten Vortrag: „Prickelnd, berauschend, hat mir viele Blumen geschenkt und ist immer noch so blond wie in jener Sommernacht!“

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Meister der Sprachspielereien ist Klaus Urban aus Hannover.

Von ihrem Träumen, dem Traummann und dem Aufwachen aus dem Traum handelte der Vortrag von Julia aus Wallensen: „Wie wirklich ist die Wirklichkeit?“ und „Man sollte die Wirklichkeit flexibel konstruieren!“ Später nahm sie die Sage Salomons zum Thema: „Sprechen, bitten, sagen, versprechen …“

Als Erfinder und Techniker sah sich Peddar aus Hameln, der beweisen wollte, dass Männer zu etwas taugen. Das Phänomen, dass Waschmaschinen manchmal Socken fressen, konnte sicher der eine oder andere aus dem Publikum bestätigen.

Ein Meister der Sprachspielereien ist Klaus Urban aus Hannover: „Die Leitplanke wird zur Leidplanke – und die Misserfolgserwartung zur „Miss Erfolgserwartung“. Anschließend sinnierte er fantasievoll über die Auswirkungen „Wenn die Welt gerecht wäre…“. Er verstand es aber auch, sich kurz und knapp zu äußern, in seinen „Satzromanen“, die eine ganze Geschichte in einem einzigen Satz erzählen.

Fabian Wolf aus Braunschweig nahm die Zuhörer mit in seine Gedankenwelt von Menschen mit komplizierten Beziehungen, führte seine Einsichten über das Wesen von Kunst aus und seine Gedanken zum Farbspektrum: „Als Kind ist alles bunt gewesen, wann hat meine Welt die Farbe verloren?“ Am Ende appellierte er: „Hört auf, schwarzweiß zu denken!“

Nach einem unterhaltsamen Abend prall gefüllt mit lebendiger Literatur, von den Autoren in brillanter Weise vorgetragenen geistreichen Gedichten und Geschichten wurde nach einem spannenden Stechen Fabian Wolf durch Publikumsentscheid zum Mühlen-Champion gekürt. Die Premiere der für die Kulturmühle neuen Veranstaltungsform ist geglückt!

Foto o.:

Schlussapplaus nach gelungener Veranstaltung (v. li.): Fabian, Moderator Jan Egge Sedelies, Julia, Gerrit, Peddar und Klaus. Foto li.: Slam-Gewinner Fabian Wolf aus Braunschweig.

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