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Labormobil macht Station in Bodenwerders Fußgängerzone / Analyseergebnisse zum Mitnehmen

Brunnenwasser besser nicht trinken

Bodenwerder. Das Labormobil hat Station gemacht in Bodenwerders Fußgängerzone. Wer einen Brunnen hat, der konnte ihn hier testen lassen. Doch nicht für jeden Brunnenbesitzer war das Ergebnis seiner Wasseranalyse erfreulich. Die Messwerte aus Bodenwerder sollen Bestandteil einer deutschlandweiten Nitratkarte werden.

veröffentlicht am 22.04.2016 um 17:45 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 14:26 Uhr

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Joachim Zieseniß

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Joachim Zieseniß Reporter Coppenbrügge-Salzhemmendorf zur Autorenseite
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Aus Kemnade war Siegfried Käse mit dem Rad in Bodenwerders Fußgängerzone gekommen. Im Gepäck hatte er eine Flasche mit Wasser aus seinem Hausbrunnen. Sein Ziel: Das Labormobil des VSR-Gewässerschutzes, das am Donnerstagnachmittag in Bodenwerder Station gemacht hatte, um Wasserproben aus privaten Brunnen zu analysieren. Am Vormittag hatte Physiker Harald Gülzow noch in Hildesheim Wasser entgegengenommen. Über 20 am Wagen abgegebene Proben hatte er dort an diesem Tage bereits auf Nitrat-, Säure- und Salzgehalt gegen eine geringe Kostenbeteiligung gleich vor Ort untersucht und das Ergebnis den Ablieferern noch vor Ende der Aktion mitgeteilt. Brunnenbesitzer, die ihr Wasser auch auf Eisen und Bakterien untersucht haben möchten, bekommen das Ergebnis mit der Post zugeschickt. Diese Proben werden zentral im Labor des Vereins in Geldern untersucht.

Neben dem Service der Wasseranalyse bot Harald Gülzow, der mit dem mobilen Labor – in dem er übrigens auch übernachtet – von montags bis donnerstags im gesamten Wassereinzugsgebiet von Nord- und Ostsee unterwegs ist, auch Informationen an. So berichtete der Kemnader Käse bei der Abgabe seiner Probe, dass er sein Brunnenwasser zum ersten Mal untersuchen ließe und es zum Garten gießen und zum Befüllen eines Planschbeckens benutze. Und der Umweltschützer versprach, dass er nach seiner Probenanalyse Genaueres über die Wassernutzung in Kemnade verraten könne.

Aber auch Besucher des Gewässerschutz-Mobils ohne Probe konnten zahlreiche Informationen über Belastungen des Grundwassers mitnehmen. So über Nitrate, die aus Düngemitteln ausgewaschen werden und so in Brunnen, Bäche und Flüsse gelangen. Dieses Problem hat die Politik erkannt und novelliert derzeit die Düngeverordnung. Interessierte konnten außerdem erfahren, dass Eisen im Grundwasser zwar dessen Nutzung beeinträchtigen, aber auch Nitrate abbauen kann. Und wer Infomaterial mit nach Hause genommen hat, kann nachlesen, dass der saure Regen Schwefelverbindungen und Stickoxide ins Grundwasser einträgt und damit hohe Aluminiumkonzentrationen freigesetzt werden. Gülzow erklärte am Mobillabor außerdem, dass auch von Kiesgruben und Biogasanlagen nicht unwesentliche Gefährdungen für das Grundwasser ausgehen können.

Insgesamt zehn Wasserproben hat Harald Gülzow bei seiner Bodenwerder-Station gleich vor Ort analysieren können. Als Siegfried Käse zum Labormobil zurückkam, hatte der Gewässerschützer eine weniger erfreuliche Nachricht für den Kemnader: Bei seiner Wasserprobe hatte der Nitratanteil den vorgeschriebenen Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter um 15 Milligramm überschritten. Auch eine aus Dielmissen eingereichte Probe lag bei 57 Milligramm pro Liter. Für Siegfried Käse hatte Gülzow den Rat, sein Brunnenwasser keinesfalls zu trinken; Wasser schlucken sei auch im Planschbecken nicht angeraten. Zum Blumengießen sei „das Wasser zwar okay – im Gartenteich würde es aber das Algenwachstum so doll anregen, dass den Fischen das Atmen schwerfallen dürfte“.

Die Messwerte aus Bodenwerder sollen nun Bestandteil der neuen Nitratkarte vom VSR-Gewässerschutz werden. Schon jetzt deutet sich eine extreme Grundwasserbelastung in Niedersachsen an – besonders betroffen sind die Kreise mit hohen Tierzahlen. Besonders viele Überschreitungen des Grenzwertes der EU-Nitratrichtlinie stellte der VSR-Gewässerschutz hier bereits fest. Die Ergebnisse ihrer Grundwasseruntersuchungen werden die Gewässerschützer nun im Rahmen des Projektes „Nitratbelastung der Gewässer“ auswerten und in einer Karte darstellen. Die kann auf der Homepage der Gewässerschützer unter www.vsr-gewaesserschutz.de eingesehen werden.

Kontakt: Fragen zur Brunnenwasserqualität beantwortet Harald Gülzow freitags zwischen 9 und 12 Uhr unter Telefon 02831/9763342..

Info: Wasserproben ergeben Gesamtbild

Der VSR-Gewässerschutz e. V. entstand Anfang der 80er Jahre als Zusammenschluss verschiedener Bürgerinitiativen am Rhein und Main. Während die Vereinsmitglieder die Messfahrten lange Zeit nur im Rheineinzugsgebiet durchgeführt haben, ist jetzt das Untersuchungsgebiet ausgedehnt. Heute führt der VSR-Gewässerschutz mit dem Labormobil Messfahrten im Einzugsgebiet der Flüsse wie Rhein, Ems, Maas, Weser, Elbe, Oder und Peene durch. Während früher vor allem die industriellen und kommunalen Einleitungen in die Flüsse die größte Belastung darstellten, haben sich die Probleme zu den diffusen Belastungen aus Grundwasser, Drainagen, Erosion und Abschwemmung hin verschoben. Der VSR-Gewässerschutz erhält Informationen über den aktuellen Zustand des Grundwassers im Nord- und Ostsee-Einzugsgebiet über regionale Grundwasserbelastungen durch mitgebrachte Wasserproben von Bürgern aus Gartenbrunnen oder Quellen und Bächen.



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