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Wilhelm Brockmann ist Sammler aus Leidenschaft

Briefmarken sammeln: Mehr als nur ein Hobby ist

BODENWERDER. Die kleinen Stückchen Papier, gezackt, selbstklebend oder zum „Anlecken“ haben es Wilhelm Brockmann angetan. Er ist Briefmarkensammler aus Leidenschaft. Begonnen hat es in seiner Kindheit mit dem ersten Briefmarkenalbum.

veröffentlicht am 26.10.2017 um 15:34 Uhr

Fein säuberlich archiviert füllen seine Sammlungen viele Ordner. Foto: kb
Beißner

Autor

Karin Beißner Reporterin
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Doch die Welt der Postwertzeichen ist unendlich und irgendwann verliert der Sammler den Überblick, wenn er sich nicht auf einen bestimmten Bereich spezialisiert. Wilhelm Brockmann entdeckte sein Herz für die Schiffspost, denn neben der Briefmarke erzählen Stempel und Briefumschlag noch viel mehr. Luxusliner und Seebäderschiffe besitzen ein eigenes Postamt, in Deutschland sind das etwa fünfzig. Post, die an Bord in den Briefkasten geworfen wird, wird dort auch gestempelt.

Stolz präsentiert der Sammler sein Postbuch, das er am 30. Dezember 1968 begonnen hat. Akribisch hat er notiert, wann er die Bitte um einen Stempel an welches Schiff geschickt hat und wann der Brief zurückkam. „Früher reichte es, wenn ich an den Hafen schrieb und den Namen des Schiffes angab. Heute muss ich ganz genau die Pier und die Nummer des Liegeplatzes angeben, sonst habe ich keinen Erfolg“, erklärt er. 7700 Einträge sind es inzwischen. Die entsprechenden Briefe hat er archiviert und mit Zusatzinformationen zum Schiff ergänzt.

Da finden sich ein Stempel von der Jungfernfahrt der SS Hanseatik 1971, mehrere Stempel von der MS Helgoland, sowohl als Seebäderschiff, als auch von ihrem Einsatz als Hospitalschiff in Vietnam 1966-1969, ein Ersttagsbrief mit dem israelischen Schiffspoststempel der S/S Shalom und ein ganz seltenes Stück, ein Schiffspost-Einschreiben von der MS Seven Seas. So ein Stempel ist ein Glücksfall für den Sammler. Auch vom ersten Erreichen des Nordpols mit dem Atomeisbrecher Artika 1971 besitzt er Marke und Stempel. Und da Schiffe nicht nur auf den Weltmeeren unterwegs sind, sondern auch im Weltraum gibt es natürlich auch einen Startbeleg der Apollo 7 und 11, die Signaturen der ersten Menschen auf dem Mond und den Stempel des Flugzeugträgers USS Hornet, der am 24. Juli 1967 die Apollo Raumkapsel barg.

Ersttagsbrief mit Dirndl-Marke und Stempel. Foto: kb
  • Ersttagsbrief mit Dirndl-Marke und Stempel. Foto: kb
Marken der Mondlandung, mit Originalunterschriften der Astronauten Michael Collins, Buzz Aldrin und Neil Armstrong. Foto: kb
  • Marken der Mondlandung, mit Originalunterschriften der Astronauten Michael Collins, Buzz Aldrin und Neil Armstrong. Foto: kb
Werbestempel von 1941 mit Baron von Münchhausen. Foto: kb
  • Werbestempel von 1941 mit Baron von Münchhausen. Foto: kb

Wilhelm Brockmann hat durch sein Hobby Sammlerfreunde in der ganzen Welt. Per Brief und Internet kommuniziert er mit Gleichgesinnten, informiert sich und tauscht Erfahrungen aus. Sein Wissen und seine Leidenschaft setzt er auch für andere ein und arbeitet seit einigen Jahren in dem Verein „Arbeitsgemeinschaft Schiffspost“ auch an Katalogen mit. Aktuell geht es um die „Sowjetische Schiffspost“.

Eigentlich hatte ich, als ich in Rente ging gedacht, dass ich 25 Jahre brauche, um fertig zu werden, aber jetzt nach fast zehn Jahren brauche ich immer noch 25 Jahre.

Wilhelm Brockmann, Briefmarkensammler

Aber als leidenschaftlicher Briefmarken-Sammler geht sein Blick nicht nur in die weite Welt hinaus, sein Augenmerk ist immer auch auf Bodenwerder gerichtet. Alles, was irgendwie mit Post zu tun hat, findet hier seine Aufmerksamkeit. Mehr als 300 Postkarten mit alten Ansichten von Bodenwerder und Ottenstein sind bei ihm archiviert, aber auch Postkarten von den Schiffen auf der Oberweser. Von 1904 besitzt er einen Bahnpoststempel mit Zugnummer sieben der Vorwohle-Emmerthaler Eisenbahn, aus der Westphälischen Zeit unter Napoleon nennt er einen Briefumschlag von 1812 an den Magistrat der Stadt mit französischer Anschrift sein Eigen und auch Werbestempel der Münchhausenstadt von 1930, 33, 40 und 41 zieren die Briefumschläge. Als die neuen Postleitzahlen eingeführt wurden – aus 3452 wurde 37619 – war Wilhelm Brockmann zur Stelle, am 1. Juli 1993 ließ er sich ein erstes Einschreiben mit der neuen Postleitzahl stempeln. Zum 200. Todestag Münchhausens gestaltete er selbst einen Briefumschlag, unter anderem mit den Münchhausen-Briefmarken, die zum 250. Geburtstag erschienen waren, und ließ diese am 22. Februar 1997 entwerten. Und auch den letzten Tag des hiesigen Postamtes, den 7. Dezember 2004, dokumentierte der Sammler auf seine Art. Er beschriftete einen Umschlag mit der fast 200jährigen Postgeschichte Bodenwerders und ließ sich darunter die Unterschriften der beiden letzten Schalterbeamten geben.

Viele weitere Sammlerstücke wären eine Beschreibung wert, 17500 sind fertig katalogisiert und eingescannt, Material hat Wilhelm Brockmann noch für die doppelte Menge. „Eigentlich hatte ich als ich in Rente ging gedacht, dass ich 25 Jahre brauche, um fertig zu werden, aber jetzt nach fast zehn Jahren brauche ich immer noch 25 Jahre“, erzählt der Sammler schmunzelnd. Etwa zwanzig Stunden pro Woche widmet er seinem Hobby.

Aus seinen Schätzen präsentiert er noch einige Besonderheiten hauptsächlich aus Österreich und der Schweiz, die regulär als Briefmarken zugelassen und gestempelt sind: einen Baum aus Eichenholz, der per Laser ausgesägt wurde. Ein gewebtes Dirndl, ein gesticktes Edelweiß, runde Marken aus Metall, eine Lederhose aus Leder, eine Kachel aus Porzellan, eine andere aus Glas, eine Marke mit aufgeklebten Swarowski-Steinen und eine, die beim Darüberstreichen Schokoladengeruch verströmt.

Doch das sind nur Kuriositäten, die zwar auch eine Geschichte haben, aber für den Sammler längst nicht so interessant sind wie die Stempel der „großen Pötte“, die auf den Weltmeeren unterwegs sind und dem Sammler so viel zu erzählen haben.

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