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Neue Ausgabestelle gesucht

Bodenwerders Tafel bald obdachlos?

BODENWERDER. Kaum Geld für Lebensmittel, Hausrat oder Kleidung? Die Tafel in Bodenwerder hilft gern und unbürokratisch. Derzeit allerdings benötigt die rege frequentierte, seit vielen Jahren im Corvinusgang 3 untergebrachte Einrichtung selbst Unterstützung.

veröffentlicht am 22.10.2017 um 16:21 Uhr

Dank zahlreicher Spenden sind die Regale wieder einmal gut gefüllt: Gerda Boé (li.) und Anneliese Meissner-Spier erwarten die Kunden der Tafel. Foto: saw
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Sabine Weiße Reporterin
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„Wir suchen dringend neue Räumlichkeiten“, betonen die ehrenamtliche Mitarbeiterin Gerda Boé und Norbert Fabig als zweiter Vorsitzender des Vereins Holzmindener Tafel. Da ein Verkauf der ehemaligen Superintendentur und des Anbaus ansteht (wir berichteten), hat die evangelische Kirchengemeinde Bodenwerder/Kemnade als Eigentümerin den Mietvertrag mit der Tafel zum Jahresende gekündigt. Alle bisherigen Bemühungen, eine neue Bleibe zu finden, waren erfolglos.

Was genau wird gesucht? Innenstadtnah, aber dennoch mit diskreter Zugangsmöglichkeit, idealerweise ebenerdig und direkt anzusteuern mit einem Transporter – diese Stichworte fallen als erstes. Gerda Boé ergänzt: „60 bis 80 Quadratmeter groß sollten die Räumlichkeiten schon sein. Ein Bereich für die Lebensmittel-Ausgabe, ein zweiter für die Kleiderkammer – das wäre günstig.“ Unerlässlich: Toilette mit Waschbecken, Heizung, warmes Wasser und Platz für eine kleine Küche. Ein- bis zweimal wöchentlich sei für einige Stunden mit Publikumsverkehr zu rechnen. „Freitags werden gegen 12 Uhr die von Firmen, Supermärkten und Discountern gespendeten Waren mit einem Transporter angeliefert. Die Ausgabe schließt sich bis etwa 15.30 Uhr an“, umreißt Norbert Fabig das Procedere. Die Kleiderkammer hat derzeit am Mittwochvormittag geöffnet. Hier herrscht weniger Andrang. Spender bringen gebrauchte Kleidung, Schuhe und Spielzeug vorbei. „Das läuft gut so, auch das würden wir gern beibehalten.“ Interessiert sei man, so Norbert Fabig, an einem Mietvertrag mit längerer Laufzeit – und an sehr günstigen Konditionen. „Wir sind ein gemeinnütziger Verein, der seine Unterstützung allein dank Spenden und ehrenamtlicher Kräfte anbieten kann.“ Wer an die Tafel vermietet, darf also einen ruhigen, langfristigen Mieter erwarten.

Bei so viel Leerstand in Innenstadtnähe müssten eigentlich rasch geeignete Räume zu finden sein, sollte man denken. Die Realität sieht anders aus. „Ich bin in dieser Sache seit vielen Wochen unterwegs, habe mit einer Menge Leuten gesprochen – leider ohne konkrete Zusage“, bedauert Norbert Fabig. Kontakte zu einem Makler sind geknüpft, außerdem zur Verwaltungsspitze im Rathaus und zu mehreren Besitzern von Innenstadt-Immobilien. „So langsam muss eine Lösung her, damit der Umzug organisiert und möglichst eine kontinuierliche Ausgabe an unsere Kunden gewährleistet ist“, so Fabig. Also: Wer geeignete Räumlichkeiten an die Tafel vermieten möchte, wird um Kontaktaufnahme mit Gerda Boé (Telefon 0 55 33/27 40) gebeten.

Rund 120 Kunden aller Altergruppen nutzen derzeit die Angebote der Tafel in Bodenwerder, die eine Zweigstelle der Holzmindener Tafel ist. Es handelt sich dabei um Bürgerinnen und Bürger, die aus ganz unterschiedlichen Gründen in Not geraten sind: Alleinerziehende, Rentner, Kranke, Arbeitnehmer mit sehr geringem Einkommen, auch Kriegsflüchtlinge und Menschen mit Anspruch auf Asyl, die in der Stadt Bodenwerder und umliegenden Gemeinden leben. „Die gespendeten Lebensmittel, Kleidung, aber auch Bettzeug, Waschpulver oder gebrauchte Kleingeräte für den Haushalt helfen vielen Mitmenschen in sozial schwieriger Lage, wenigstens einigermaßen über die Runden zu kommen“, erklärt Gerda Boé und dankt allen Unterstützern.

Gerade in jüngster Zeit hatten sich die katholische und die neuapostolische Kirchengemeinde sehr spendabel gezeigt. Aus der St. Michaelis-Kirche in Kirchbrak holte das Tafel-Team Spenden Obst und Gemüse aus dem Erntedank-Gottesdienst ab. Und kürzlich haben mehrere Bürger anstelle von Geburtstagsgeschenken um Geldspenden zugunsten der Tafel gebeten. „Auch von diesen Zuwendungen werden Lebensmittel gekauft. So wünschen es sich die Spender.“

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