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Ärzteversorgung soll durch Nebensitze verbessert werden

Bodenwerder setzt auf Zweigpraxen

BODENWERDER. Dem Mangel an Fachärzten in Bodenwerder will die Verwaltung entgegentreten, indem sie das Gespräch mit Ärzten sucht, die sich eine Zweigstelleneröffnung in Bodenwerder vorstellen könnten.

veröffentlicht am 23.01.2018 um 13:57 Uhr

Über Zweigpraxen möchte die Verwaltung Fachärzte nach Bodenwerder holen. Gespräche darüber würden bereits stattfinden. Foto: Pixabay
Maike Lina Schaper

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Maike Lina Schaper Reporterin zur Autorenseite
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Mit Fachärzten ist die Münchhausenstadt Bodenwerder nicht reich gesegnet. Wie berichtet, hatte sich für die Praxis von Kinderarzt Wolfgang Dieffenbach niemand gefunden, der diese übernehmen wollte. Und auch andere Fachärzte wie beispielsweise Augenheilkundler, Hals-Nasen-Ohren-Spezialisten oder Hautärzte sucht man in Bodenwerder vergebens. Beim Neujahrsempfang der Gemeinde Heyen sprach Stadtdirektorin und Samtgemeindebürgermeisterin Tanya Warnecke selbst den „dringenden Verbesserungsbedarf“ bei der medizinischen Versorgung an. „Wir können aber keine Ärzte dazu verdonnern, sich in unserer Region niederzulassen, sondern lediglich die Rahmenbedingungen verbessern“, meinte sie in Heyen.

Auch auf erneute Nachfrage unserer Zeitung bestätigt Warnecke: „Fachärztebedarfe sollen gedeckt werden“. Die Verwaltung arbeite bereits daran. Und zwar sei man mit verschiedenen Fachärzten im Gespräch, die eine Zweigstelle ihrer Praxis in Bodenwerder eröffnen könnten.

Eine Zweigpraxis zu eröffnen, das sei generell an zwei Bedingungen geknüpft, erklärt die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN). Zum einen müsse es dadurch am Ort der Zweigstelle eine entscheidende Verbesserung der Patientenversorgung geben. Zum anderen dürfe sich bei dem Arzt, der eine Zweigpraxis eröffnet, die Versorgung der Patienten in der Erstpraxis nicht verschlechtern. Dann sei es allerdings auch egal, ob der Facharzt aus Holzminden käme oder einem Nachbarlandkreis wie Hameln-Pyrmont. Das klingt also nach überwindbaren Hürden.

Um einen Arzt zu überzeugen, nach Bodenwerder zu kommen, seien aber auch viele Gespräche und ein Netzwerk nötig, dass sich erst bilden müsse, sagt Warnecke. Im Moment laufe es aber positiv.

Dass sich kein Nachfolger für die Dieffenbach-Praxis gefunden hat, sieht Warnecke unter anderem dadurch begründet, dass Ärzte generell mehr in die Städte tendieren und besonders jüngere Mediziner es auf dem Land schwerer hätten, ihre Arbeit von meist vielen Stunden mit der Familienplanung unter einen Hut zu bringen. Überhaupt sieht Warnecke die Gegend um die Münchhausenstadt unterschätzt: „Ich weiß gar nicht, ob man den Wert unserer Region erkennt“, sinniert sie und denkt an Hochschulen und Wirtschaftsunternehmen in der Nähe sowie den Freizeitfaktor Natur.

Würde sich ein Mediziner melden, der sich in Bodenwerder niederlassen wollte, würde die Verwaltung ihn dabei natürlich unterstützen – „das ist unser Job“, meint Warnecke.

Auch die KVN stimmt darin überein, dass die Kommunen bei der Ansiedlung von Ärzten im ländlichen Raum selbst einiges tun können. „Zum Beispiel könne man kostengünstiges Bauland oder eine Praxis zur Verfügung stellen“, meint Pressesprecher Detlef Haffke. Die Infrastruktur wie Schulen oder Kindergärten seien ebenfalls wichtig für junge Arzt-Familien, um sich an einem Standort niederzulassen. Und auch die Partner der Ärzte müssten einen adäquaten Arbeitsplatz finden.



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