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Stadt Bodenwerder reagiert

Behinderte sind verärgert über zu wenige Parkplätze

Bodenwerder (dy). „Wenn ich zur Apotheke oder zum Einkaufen in die Stadt möchte, muss ich das bis 10 Uhr erledigen, denn dann muss ich ja mit dem Auto die Fußgängerzone wieder verlassen“, ärgert sich Hilde Brandt über fehlende Behindertenparkplätze in direkter Stadtnähe oder „direkt neben der Stadtkirche“.

veröffentlicht am 22.05.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 10:21 Uhr

Hilde Brandt zeigt den Parkausweis, der sie berechtigt, auf Behi
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Denn da wäre, so die Meinung der 66 Jahre alten Sozialbetreuerin im Behinderten- und Schwerbehindertenrecht, auch Platz für drei entsprechende Parkplätze – und Gehbehinderte könnten so problemlos in die Kirche gelangen.

Hilde Brandt aus Halle engagiert sich seit mehr als 20 Jahren in der Behindertenarbeit und -hilfe. Aufgrund eines Unfalls ist sie auf einen Rollator oder Rollstuhl angewiesen. Nur wenige Meter kann sie am Stock gehen.

„Früher habe ich mich gerne mit Freunden zum Kaffeetrinken getroffen“, so die Hallerin – jetzt ist es ihr nicht möglich, nachmittags in die Stadt zu gelangen. „Mit Rollstuhl oder Rollator ginge das schon, aber auf diesem Pflaster und mit den Stufen vor den Geschäften oder Cafés ist auch das äußerst schwierig und teils sogar schmerzlich“, so ihre Erfahrungen.

Für Wilma Radau (79) aus Kemnade ist es schwierig, mit ihrem Rol
  • Für Wilma Radau (79) aus Kemnade ist es schwierig, mit ihrem Rollator die Fußgängerzone zu befahren. Stadtnahe Parkplätze für Behinderte würde sie begrüßen.
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Als aufmerksame Beobachterin fragt sie sich, warum beispielsweise die Rathsack-Parkplätze nicht als Behindertenparkplätze ausgewiesen werden oder die Kuhgasse für Schwerbehinderte mit Parkausweis zum Durchfahren freigegeben wird.

„Die wenigen angebotenen Behindertenparkplätze werden meist von Menschen belegt, die keine Berechtigung dazu haben“, so Hilde Brandt und macht deutlich, dass nur Schwerbehinderte mit dem Ausweismerkzeichen „aG“ für „außergewöhnlich gehbehindert“ und „Bl“ für „blind“ einen Behindertenparkplatz benutzen dürfen.

Sie betont, dass die Polizei für unberechtigt abgestellte Autos ein Verwarngeld von 35 Euro erheben und das Fahrzeug auch abgeschleppt werden könne.

Stufen gibt es in der Fußgängerzone von Bodenwerder vor zahlreichen Geschäften. „Die Kunden im Rollstuhl oder mit Rollator machen sich durch Klopfen an der Scheibe bemerkbar“, ist von vielen Geschäftsleuten auf Nachfrage zu erfahren. „Das ist eigentlich kein Problem“, erklärt Brigitte Niehaus von der Markt-Drogerie – und wenn jemand im Rollstuhl zur Fußpflege kommt, dann hievt Ehemann Rolf Niehaus den Rollstuhl die Treppen hinauf.

In die Volksbank wie auch in die Sparkasse Weserbergland gelangen die Kunden stufenlos durch den Hintereingang. Eine Rampe macht Müttern mit Kinderwagen den Besuch der family-Filiale leichter. Mithilfe einer Klingel können sich Gehbehinderte in der Münchhausen-Apotheke bemerkbar machen und ihnen wird das Gewünschte gebracht.

„Das Bürgerbüro und die Touristinformation sind barrierefrei und für einen gehbehinderten Menschen kommen die Rathaus-Mitarbeiter selbstverständlich auch runter“, erläutert Verwaltungschef Ernst-August Wolf auf Anfrage. „Wir telefonieren dann mit den Kollegen und das klappt problemlos“, so Dorte Effenberger vom Bürgerbüro. Bisher gibt es sieben Behindertenparkplätze rund um die Fußgängerzone. „In Kürze werden in der Rathsack-Passage Behindertenparkplätze installiert“, informiert Ernst-August Wolf – als hätte er die Idee von Hilde Brandt vorausgesehen.

Soyke Widy, Apothekerin in der Münchhausen-Apotheke, bringt Hilde Brandt die Medikamente vor die Tür.

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