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Gleichstellungsbüro präsentiert in Buchhagen Kabarett mit Heidi Friedrich

Beglückende Frauenquote

Buchhagen. Kabarett hin oder her. Ein paar ernste Worte zum Weltfrauentag müssen vor dem Spaß schon sein. So eilt Sigrun Brünig als Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Holzminden auf die Bühne und greift entschlossen zum Mikrofon. „Welche Themen treiben uns um?“, fragt sie ins gut 280-köpfige Publikum und gibt gleich selbst die Antworten. Eine „Allianz gegen häusliche Gewalt“ hätten die kommuna-

veröffentlicht am 11.03.2013 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 19:21 Uhr

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Autor:

Sabine Weiße
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len Gleichstellungsbeauftragten unterzeichnet. „Wenn diese Signalwirkung bis in die Betriebe hinein ausstrahlen würde, wäre das toll.“ Erfreulich auch, dass unser Landkreis einer von zweien in Niedersachsen ist, der von einer Landrätin regiert wird. Die sogar an diesem Abend mit von der Partie ist und mit einem warmen Willkommensapplaus ihrer Geschlechtsgenossinnen begrüßt wird.

Wovon eigentlich sollen diejenigen im Alter leben, „die jetzt in Mini- oder Teilzeitjobs unterwegs sind“, fragt Sigrun Brünig als nächstes und fordert: „Da muss mehr Patte ins Portemonaie.“ Dann das obligatorische „Hallo“ an die Adresse der wenigen Herren der Schöpfung, die sich von geballter Weiblichkeit nicht bange machen lassen: „Heute sind nur diejenigen Männer hier, die wissen, dass das Klopapier auf der Rolle nicht nachwächst.“ Spätestens nach diesem Schenkelklopfer sind alle ganz, ganz locker und freuen sich so richtig auf den Auftritt der fränkischen Kabarettistin Heidi Friedrich. Die Erwartungen sind hoch: Hatte die wortgewaltige Bambergerin doch am Muttertag 2011 mit ihrem Programm „Push up“ für beste Unterhaltung gesorgt.

„Ein herrliches Bild, so eine Frauenquote wünscht man sich auch anderswo“, steigt Heidi Friedrich ins Thema in und überrascht mit der Aussage, dass laut Statistik jeder Mensch etwa 200-mal täglich lügt. Berufsgruppen, die die Quote mächtig nach oben drückten, seien Handwerker („bei denen ist das keine böse Absicht, sondern Schicksal“), Banker und Politiker. „Wenn die über Stabilitätskriterien verhandeln, ist das so, als ob Pinocchio und Münchhausen an einem Tisch sitzen.“ Übrigens: Auch Spiegel lügen und biometrische Passfotos. Frau Merkel allerdings ist über jeden Verdacht der Schwindelei erhaben. „Wir wittern bei ihr das Käßmann-Gen. Wenn sie betrunken eine rote Ampel überfahren würde, käme sie nie auf die Idee, zu behaupten, der Alkomat sei kaputt oder ihr Regierungssprecher Steffen Seibert habe am Steuer gesessen.“ Nein, so die Kabarettistin, die Bundeskanzlerin würde einfach Herrn Steinbrück reden lassen. Der sei bekannt für seine Wahrheitsliebe. „Der sagt auch so Dinge wie: Der Job des Bundeskanzlers ist unterbezahlt. Deshalb macht den ja auch eine Frau“, schlussfolgert Frau Friedrich. Der gerappten Performance „Die zehn häufigsten Alltagslügen“ folgen schwindelerregende Erkenntnisse über neue Trend-Krankheiten wie „Social Media-Burnout“ („Überraschen Sie Arzt und Chef mit Krankheiten, die beide noch gar nicht kennen“) und die schwere Ausprägung des „Aktivitätsdefizitssyndroms“. Was das alles mit dem Programmtitel „Schwindelfrei“ zu tun hat? „Mein Programm heißt so – weil ich es nicht bin“, erklärt die Fränkin mit rheinischem Migrationshintergrund schlüssig. Zwar behaupteten Psychologen, dass von Höhenangst Geplagte sexuell frustriert seien, „aber das kann eigentlich nicht sein: Ich hatte das schon mit acht“. Statt Skywalk am Grand Canyon oder über einer Weserschleife unternehme sie lieber einen Skywalk am Strand von Sylt – oder einen Moonwalk auf Mittendorfs Bühne. Sehr kurzweilig und pointiert formuliert sind auch ihre Beobachtungen zur wachsenden Wettersensibilität: „Schnee, einfach Schnee – das war gestern. Heute ist Schnee-Chaos.“ Habe man sich früher nicht von Uwe Wesp das Wochenende verplanen lassen, so studiere man heutzutage im Vorfeld eines Spaziergangs bereits ab Wochenmitte den Wetterbericht, befrage spätestens freitags zusätzlich den lokalen Wetterpropheten und behalte das Atlantik-Sturmtief namens Holger fest im Blick. „Wenn man sich dann trotzdem hinauswagt, trifft man lediglich auf ein paar ganz Unerschrockene, die aber mit der Wetter-App auf ihrem Smartphone den Regen-Radar genau im Auge behalten.“ Ob Wetter-Weicheier, Erdbeerjoghurt ohne Erdbeeren oder gebrauchte Kondome in der Sofaritze: „Mein Mann ist froh, wenn ich abends ’nen Auftritt hatte“, verrät Heidi Friedrich – und fegt dann mit kräftigem Schwung Schwindeleien und Schwindelerregendes unter den Teppich. Denn: „Am Besen bin ich ein ganz heißer Feger.“

Heidi Friedrich fegt mit kräftigem Schwung Schwindeleien und Schwindelerregendes unter den Teppich.saw



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