weather-image
14°
Theaterspieler dürfen Vorhang nicht mehr öffnen

Aus nach über 100 Jahren: Keine letzte Aufführung in Bremke

BREMKE. Ein letztes Mal wollte die Laienspielgruppe Bremke e. V. noch einmal auf dem „Gullertschen Saal“ ein Theaterstück aufführen. Letztmalig deshalb, weil das Bauamt des Landkreises Holzminden Brandschutzauflagen erteilt hatte, die aus Kostengründen von der Laienspielgruppe nicht erfüllt werden konnten. Doch aus der letzten Aufführung wird jetzt auch nichts.

veröffentlicht am 26.01.2018 um 20:38 Uhr

Die letzte Verbeugung vor Publikum im Jahr 2016. Foto: Archiv/bor
Avatar2

Autor

Julia Alin Reporter
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Am 7. Februar 1911 berichtete die Deister- und Weserzeitung unter der Rubrik „Stadt und Umgebung“ neben Gemeinderatswahlen in Bremke auch von einer der ersten Theateraufführungen in dem kleinen Ort: „Der im Kuhlmannschen neuerbauten Saale abgehaltene Sängerball ist schön verlaufen. Die dargebotenen theatralischen Aufführungen gefielen allgemein. Besonderen Erfolg brachte das Theaterstück ,Robert und Bertram.‘ Der Ball hielt die Teilnehmer in fideler Stimmung lange zusammen.“

Bereits vor über 100 Jahren wurde in Bremke Theater gespielt. Ein letztes Mal wollte die Laienspielgruppe Bremke e. V. noch einmal auf dem „Gullertschen Saal“ ein Theaterstück aufführen. Letztmalig deshalb, weil das Bauamt des Landkreises Holzminden Brandschutzauflagen erteilt hatte, die aus Kostengründen von der Laienspielgruppe nicht erfüllt werden konnten. „Wir haben Gespräche mit Brandschutzbeauftragten, Statikern sowie mit den Bauämtern von Samtgemeinde und Landkreis geführt und sind mit Hoffnung machenden Aussagen aus dem Treffen herausgegangen. Leider hat das Bauamt des Landkreises dann doch keine Genehmigung erteilt“, meinte der sichtlich enttäuschte Vorsitzende des Vereins, Uwe Henze, auf der Mitgliederversammlung. Da der Pachtvertrag des Saals im ehemaligen Gasthaus durch die Gemeinde Halle nicht verlängert wird, nutzen inzwischen auch der Tischtennisverein und der Schützenverein den Saal nicht mehr.

Die Laienspieler wollen nun prüfen, ob die Mehrzweckhalle in Dohnsen für ihre Auftritte genutzt werden kann. Das hänge aber von verschiedenen Faktoren ab, meinte der 2. Vorsitzende des Vereins, Frank Kohlenberg. Für eine Aufführung in diesem Jahr sei es allerdings zu spät, war sich die Mehrheit der anwesenden Mitglieder sicher. Für eine Aufführung im nächsten Jahr müssten aber auch alle 37 Mitglieder mit Hand anlegen, meinte Simone Schmidt. Besonders der Bühnenaufbau könnte in Dohnsen nicht mehr nur von den Akteuren der Gruppe geleistet werden.

Aus dem Protokoll der Schriftführerin Melanie Lohmann geht hervor, dass sich die 14 aktiven Laienspieler bereits im November 2016 schweren Herzen dazu entschlossen hatten, dem Druck des Landkreises nachzugeben und im Jahr 2017 nicht zu spielen. Nun wird auch dieses Jahr noch spielfrei bleiben müssen. Ob die Laienspielgruppe das Angebot der Gemeinde annehmen wird, ihre Auftritte in die Mehrzweckhalle (MZH) Dohnsen zu verlegen, wird sich nach einer Ortsbesichtigung ergeben. Vorsorglich sind bei der Renovierung der MZH aber bereits Steckdosen für die Bühnenbeleuchtung an der Decke angebracht worden. Nun wird man sehen müssen, wie der Bühnenaufbau in der rund 180 Zuschauer fassenden MZH realisiert werden kann. Zumindest der Brandschutz wäre in der Halle gewährleistet. Die Zuschauer werden den altehrwürdigen Saal in Bremke mit seinen knarrenden Dielenbrettern und seinem einzigartigen Ambiente sicherlich vermissen. Aber die Zuschauer wollen in erster Linie natürlich die Theateraufführungen sehen. Die Laienspielgruppe Bremke wird unter diesem Namen als Verein auch weiterhin bestehen bleiben. Und auch die Verlegung des Spielortes wird nichts an der über 100 Jahre alten Tradition der Theateraufführungen in der Region ändern können.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare