weather-image
22°
Zu Besuch in der Weser-Gemeinde Hehlen

Auf und Ab – für den Dewezet-Käfer geht’s steil bergan

Der Dartpfeil trifft mitten in ein Wohngebiet in Hehlen. Hinter der Tankstelle vor dem Ortsausgang rechts rum: Der Dewezet-Käfer ist dieses Mal an den Straßen Wiesenhang und Am Eckholz unterwegs. Die Häuser liegen am südöstlichen Rand der Ortschaft. Die Anfahrt dorthin ist unerwartet steil. Der Käfer, Baujahr 1967, schafft aber auch 22 Prozent Steigung – ganz ohne Ächzen und Knarren.

veröffentlicht am 31.07.2018 um 08:00 Uhr
aktualisiert am 09.08.2018 um 10:42 Uhr

Jörg Lemke schaut von seinem Grundstück auf die Straße und den Dewezet-Käfer. Seit rund 50 Jahren wohnt der 78-Jährige schon am Wiesenhang in Hehlen. Foto: ll
Lars Lindhorst

Autor

Lars Lindhorst Reporter zur Autorenseite

Am Straßenrand hebt ein Mann den Arm und winkt mit der Hand. Er hat den Dewezet-Käfer sofort erkannt und gibt Zeichen: Vor seiner Haustür ist noch ein Parkplatz frei. Zeit für einen Plausch? Aber klar, gerne. „So einen hatte ich auch mal“, sagt der ältere Herr vor seinem Wohnhaus am Wiesenhang. „Und übrigens: Ich bin Onkel Robert. So nennen mich hier jedenfalls alle. Willst du einen Kaffee?“ Einladung angenommen. Onkel Robert bietet dem verschwitzten Redakteur einen Platz vor der Haustür an . Auf einer Holzbank im Schatten. „Eigentlich heiße ich ja Jörg “, erklärt Onkel Robert. „Jörg Lemke. Der Robert ist wegen meines Nachnamens entstanden.“ Er blickt in ein fragendes Gesicht. „Du weißt doch Lemke…welches Schweinderl hätten’s denn gern…kennst du doch, oder?“ Der Groschen fällt. Der Fernsehmoderator von einst wird zwar mit einem zusätzlich „b“ im Nachnamen geschrieben; für Lemkes Spitznamen scheint das aber vollkommen egal zu sein.

Jörg Lemke ist 78 Jahre alt. In Hehlen ist er seit 55 Jahren zu Hause, seit gut 50 Jahren wohnt er im Eigenheim am Wiesenhang. Anfang der 60er Jahre, da habe Lemke selbst einen Käfer gefahren. „Den habe ich sogar neu gekauft“, sagt er. „Neu muss der damals um die 5000 Mark gekostet haben.“ Auto fährt Jörg Lemke gewiss immer noch, doch wie er beim Plausch auf der Holzbank erzählt, kann er sich heute mehr und mehr fürs Fahrrad begeistern. „E-Bike natürlich“, meint Lemke. Damit fahre er regelmäßig ins Dorf, des Öfteren auch nach Bodenwerder. Den recht steilen Anstieg zu seinem Wohnhaus hin, umfährt er dann meist. „Den Hang bin ich erst einmal hochgefahren, auf den letzten Metern wird es aber auch mit dem E-Bike schwer“, sagt Lemke.

Wiesenhang und Am Eckholz sind zwei fast parallel verlaufene Straßen des Wohngebiets. Vom Eckholz geht es mit 22-prozentiger Steigung hinauf zum Wiesenhang, auf der anderen Seite mit 17 Prozent Gefälle wieder hinunter. Kein Problem für den Dewezet-Käfer, auch wenn es nur im ersten Gang vorwärtsgeht. Der Blick vom Wiesenhang hinunter ist dafür nicht der allerschlechteste. Von hier aus lässt sich weit ins Wesertal gucken, auch das Hehlener Schloss ist gut zu sehen. „Nach dem Krieg haben sich hier viele Schlesier niedergelassen“, berichtet Lemke über seine Nachbarschaft. „Inzwischen wohnen hier auch viele jüngere Leute.“

Von Wohngebiet Wiesenhang/Am Eckholz aus kann man gut über das Wesertal blicken. Foto: ll
  • Von Wohngebiet Wiesenhang/Am Eckholz aus kann man gut über das Wesertal blicken. Foto: ll
Im Sommer schweißtreibend, im Winter eine Herausforderung: Zum Wiesenhang geht es hinauf mit 22 Prozent Steigung. Foto: ll
  • Im Sommer schweißtreibend, im Winter eine Herausforderung: Zum Wiesenhang geht es hinauf mit 22 Prozent Steigung. Foto: ll
Für Käferfahrer nicht geeignet – Hehlen hat sie dennoch: eine Tankstelle für Elektroautos. Foto: ll
  • Für Käferfahrer nicht geeignet – Hehlen hat sie dennoch: eine Tankstelle für Elektroautos. Foto: ll
Foto: ll
  • Foto: ll
Christa und Horst Schlüter hängen ihren Wohnwagen ans Auto. Foto: ll
  • Christa und Horst Schlüter hängen ihren Wohnwagen ans Auto. Foto: ll
270_0900_103468_Dewezet_trifft_logo_2018.jpg
Der Dartpfeil hat Hehlen getroffen. Genauer gesagt: das Wohngebiet Wiesenhang/Am Eckholz. Foto: Dana
  • Der Dartpfeil hat Hehlen getroffen. Genauer gesagt: das Wohngebiet Wiesenhang/Am Eckholz. Foto: Dana
Von Wohngebiet Wiesenhang/Am Eckholz aus kann man gut über das Wesertal blicken. Foto: ll
Im Sommer schweißtreibend, im Winter eine Herausforderung: Zum Wiesenhang geht es hinauf mit 22 Prozent Steigung. Foto: ll
Für Käferfahrer nicht geeignet – Hehlen hat sie dennoch: eine Tankstelle für Elektroautos. Foto: ll
Foto: ll
Christa und Horst Schlüter hängen ihren Wohnwagen ans Auto. Foto: ll
270_0900_103468_Dewezet_trifft_logo_2018.jpg
Der Dartpfeil hat Hehlen getroffen. Genauer gesagt: das Wohngebiet Wiesenhang/Am Eckholz. Foto: Dana

Man kennt sich gut in Hehlens Südosten. Vielleicht ist das der Grund für ein Kuriosum, was Am Eckholz ins Auge fällt: Unter einem Verkehrsschild, das „Vorfahrt achten“ zeigt, sind Tafeln mit kürzlich verstorbenen Hehlenern angebracht – samt Hinweis auf den Beerdigungstermin. Eher unerwartet passiert der Dewezet-Käfer bei der Tor durch Hehlen auch einer Ladestation für Elektrofahrzeuge. Dem Käferfahrer nützt das zwar nichts, aber der Fortschritt macht auch in dem Weserdorf nicht Halt.

Entdecken Sie alle Teile der Käfer-Serie (Für die Storys klicken Sie auf die Spots in der Karte oder öffenen Sie das Menü rechts unten)

Die Tasse Kaffee ist ausgetrunken. Vom Schattenplatz vor Lemkes Haustür geht es weiter in die pralle Sonne. „Schönen Dank für den Kaffee.“ Lemke antwortet: „Tja, weißt du, was heute für ein Tag ist?“ Keine Ahnung. „Es ist der Tag der Freundschaft. Habe ich vorhin im Radio gehört.“ Na dann, nochmals Dank für die Hehlener Gastfreundschaft.

Einige Hundert Meter weiter wird gerade ein Wohnwagen an ein Auto gehängt. „Geht’s in Urlaub?“ Christa Schlüter schüttelt den Kopf. „Da kommen wir gerade her.“ Ostsee, Großenbrode. Jetzt wird der Wohnwagen von Christa und Horst Schlüter erst mal wieder ins Winterlager gebracht. „Besser, wenn er nicht die ganze Zeit draußen steht“, sagt Horst Schlüter. Das Ehepaar Schlüter ist etwas in Eile. Viel Zeit haben sie nicht für einen Plausch. Sie würden erwartet, sagen sie.

Während Horst Schlüter gebückt den Stromstecker des Wohnwagens mit der Buchse seines Wagens verbindet, zeigt er noch schnell auf einen Metallmasten in seinem Garten, der das Wohnhaus noch um gut zwei Meter überragt. Daran sind mehrere Antennen befestigt. „Wir sind Amateurfunker“, erklärt Schlüter. „Und wir funken weltweit.“ In Japan habe er sogar Funkdiplome abgelegt, berichtet er am Rande. „Aber die Geschichte erzähle ich Ihnen ein anderes Mal“, meint Horst Schlüter. Dann steigt er in seinen Wagen und rollt samt Wohnwagen hangabwärts.



Links zum Thema

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare