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Jörg Stolp – seit 30 Jahren ist der Feuerwehrmann beim Lichterfest auch Feuerwerker

Auf Knien für den Knalleffekt

Bodenwerder (bor). Jörg Stolp ist die Ruhe selbst. Gemeinsam mit Arne Süßmuth hat er auf der Weserbrücke Position bezogen, beginnt konzentriert mit seiner Arbeit. Die Brücke ist inzwischen für den Fahrzeugverkehr gesperrt – aus Sicherheitsgründen. Die beiden Feuerwehrmänner sind heute allerdings nicht zum Löschen da, sondern vielmehr zum Zündeln. Sie betreuen das Brücken- und Uferfeuerwerk zum Lichterfest: Jörg Stolp bereits seit 30 Jahren.

veröffentlicht am 10.08.2015 um 17:13 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 08:38 Uhr

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Stolp ist auf die Knie gesunken, verdrillt konzentriert Zündkabel, während sein Mitstreiter zum Hammer greift und Feuerwerkskörper an ein Holzgestell nagelt. Passieren könne dabei nichts, versichern die Blauröcke unisono, da die Nägel nur in den Bereich der Feuerwerkskörper getrieben würden, der aus Pappe sei und keinen Sprengstoff enthalte. Bis zur großen Show am Abend ist noch reichlich Zeit, aber auch noch reichlich zu tun.

Inzwischen nimmt der Publikumsverkehr deutlich zu. Immer mehr Passanten strömen über die Brücke zu den Tageskassen, während sich das eingespielte Team nicht ablenken lässt und die Konzentration hochhält. Schließlich habe die Sicherheit oberste Priorität, betont Stolp. Der heute 48-jährige war mit 18 Jahren in die Ortswehr Bodenwerder eingetreten. „Auch vor meiner Zeit haben Mitglieder der Feuerwehr Bodenwerder beim Aufbau des Lichterfestes mitgeholfen. Ich habe gleich in meinem ersten Feuerwehrjahr zusammen mit meinem Vater Manfred den Feuerwerkern geholfen, das Höhenfeuerwerk aufzubauen. Das war allerdings das einzige Jahr, wo wir zwei zusammengearbeitet haben.“ Seit dieser Zeit ist er in erster Linie für das Ufer- sowie das Brückenfeuerwerk zuständig. In den vergangenen 30 Jahren haben ihm Arne Meier und Claus Blümel dabei geholfen. Seit mehreren Jahren ist nun sein Teamkollege und Feuerwehrkamerad Arne Süßmuth bei den Aufbauarbeiten mit dabei.

„Einige Jahre lang haben wir auch auf der Eisenbahnbrücke Feuerwerk aufgebaut“, erinnert sich der gelernte Schiffbauer. Und nicht nur pyrotechnisch habe es immer wieder Änderungen gegeben. Dabei hat Stolp dafür keine spezielle Ausbildung erhalten: „Meine Kenntnisse haben sich in den Jahren so ergeben. Bald durfte ich das Uferfeuerwerk auch allein zünden. Die Zeiten, wo das Brückenfeuerwerk noch von Hand gezündet wurde, sind allerdings längst vorbei. „Das wird heute wie auch das Höhenfeuerwerk per Funk ausgelöst.“

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  • Ein letzter prüfender Blick: Alles ist verkabelt.
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  • Jörg Stolp mit Uwe Rohr. Die Firma Rohr ist seit 63 Jahren für die Pyrotechnik des Lichterfests in Bodenwerder zuständig.
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Anders als in den früheren Jahren, als die Feuerwerkskörper mittel Zündschnur gezündet wurden, geschieht dies seit langem elektrisch. Statt wie früher alles in Reihe zu schalten, wird heutzutage meist die Parallelschaltung angewendet. Für die Verdrahtung braucht der Pyrotechniker aus Bodenwerder ein Messer, einen Seitenschneider und eine Abisolierzange. Wenn es einmal schnell gehen müsse, würden die Pyrotechniker die Kabelisolierung auch schon einmal mit den Zähnen entfernen. Dafür seien ihm aber seine Zähne zu wichtig, meint Stolp, der als Schlosser seine Brötchen verdient. Das wichtigste Instrument für ihn ist aber ein Ohmmeter, um Durchgangs- und Widerstandswerte an den Zündleitungen zu prüfen. Akribisch bereiten die Feuerwehrmänner das Brückenfeuerwerk vor, das sie später wie ein Wasserfall kaskadenförmig in die Weser ergießt.

Angst habe er in den 30 Jahren beim Umgang mit den pyrotechnischen Materialen bislang keine gehabt, wohl aber immer sehr viel Respekt, erklärt der Bodenwerderaner. Erhöhte Aufmerksamkeit und Vorsicht gehörten für die Pyrotechniker natürlich dazu, wenn sie sich auf dem Gelände des Feuerwerksbereichs bewegen. Schnell sei da eine der elektronischen Zündleitungen unterbrochen. „Deshalb sind die Feuerwerksbereiche besonders abgesichert. Nur berechtigte Personen mit besonderem Ausweis dürfen diesen Bereich betreten“, erklärt Stolp. Nur einmal in den letzten 30 Jahren, erinnert sich der Lichterfestveteran, hätten einige Feuerwerkskörper auf der Brücke nicht gezündet.

Viele Worte bei ihrer Arbeit verlieren Stolp und Süssmuth nicht. Bereits am Vormittag hatten die beiden Feuerwehrleute ihre Arbeit am Lichterfestfeuerwerk aufgenommen, zwischendurch nur kurze Pausen eingelegt. Die ganze Zeit auf Knien oder in der Hocke zu arbeiten sei durchaus anstrengend, zudem müsse man stet voll konzentriert sein. Inzwischen ist es dunkel geworden. Die Weserufer sind illuminiert – es kann losgehen. Als Jörg Stolp dann endlich den Zündkasten des Uferfeuerwerks auslöst, ist er zufrieden. Wieder einmal hat alles so funktioniert, wie es sollte.

Naja, fast alles. Kurzzeitig waren dem Lichterfest die Lichter ausgegangen – zumindest dem Schriftzug auf der Weserbrücke. Erleuchtet blieb nur das Wort Fest – was für Chronisten als Anekdote festzuhalten blieb. „Da hat wohl jemand den falschen Stecker gezogen“, mutmaßt Geschäftsführer Uwe Dreyer vom veranstaltenden Verkehrsverein Bodenwerder-Kemnade.

Am Ende eines gelungenen Festes mit sensationellem Höhenfeuerwerk der Firma Rohr (wir berichteten) gibt es für Jörg Stolp noch anerkennenden Applaus von den 13 000 Besuchern. Musical-Baron Axel Jacobs dankt als Moderator Stolp über die Lautsprecher für seinen 30-jährigen ehrenamtlichen Einsatz. Und auch Uwe Dreyer liegt viel daran, drei Personen ganz besonders zu danken: Helga Kroß, Michel Popp und Wolfgang Beinfort, die ihn im Vorfeld des Lichterfestes enorm unterstützt hätten.

Auf Knien und in der Hocke: Jörg Stolp (re.) und Arne Süßmuth bereiten das Brückenfeuerwerk vor – eine anstrengende Arbeit, die zugleich höchste Konzentration erfordert.

bor (3)



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