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Ethno-Jazz mit dem Duo „Bento“ in der Kulturmühle Buchhagen

Auf die Mischung kommt es an

BUCHHAGEN. „Vielleicht zu viel Konkurrenz durch andere Veranstaltungen“, mutmaßt Heidelinde Kropp an der Kasse. Nur spärlich tröpfeln die Besucher zum abendlichen Konzert in die Kulturmühle. Statt im großen Saal findet das Konzert des Duos „Bento“ im Café statt. Die richtige Entscheidung von Veranstalterin und Kulturmühlen-Geschäftsführerin Ruth Emanuel, denn durch die Enge und die Nähe zur Bühne in einer Ecke des Cafés entsteht ein wohltuend intimer Charakter. Und der passt haargenau zur Musik, die Nora-Elisa Kahl (Harfe und Gesang) zusammen mit dem Perkussionisten Patrick Huss dem Publikum vorstellen.

veröffentlicht am 16.09.2018 um 13:29 Uhr

Im Café der Kulturmühle spielen Nora-Elisa Kahl und Patrick Huss vor kleinerem Publikum. Foto: eaw
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Autor

Ernst August Wolf Reporter
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„Wir nennen das Ethno-Jazz“, erklärt Nora-Elisa, die in Lübeck Harfe und im Nebenfach Popgesang studiert. „Bento“ ist eine Darreichungsform von Sushi, also eine Mix-Box, in der viele verschiedene Teile zusammen angeboten werden. So ist das auch mit unserer Musik.“

Auf die Mischung kommt es also an. Und schon der erste Titel des Abends, wie alle anderen eine Eigenkomposition, macht deutlich: Die Mischung stimmt.

Was anfangs wie eine sanft dahinplätschernde Tonfolge daherkommt, gewinnt durch geschickte Crescendi und rhythmische Akzentuierungen, vor allem aber durch den hellen, klaren und textlosen Gesang von Nora-Elisa eine unerhörte Spannung und Intensität. Dabei spielen beide Musiker einander unterstützend und sich musikalisch kommentierend, streng notierte Kompositionen, die mitunter wie leichte und lockere Improvisationen klingen.

So entsteht ein faszinierend kontemplativer Charakter, der zum Sich-Wegträumen verleitet, die Zuhörer doch sogleich wieder zur Dramatik der Komposition zurückführt.

Angeregt durch einen Titel der britischen Band „Porcupine“, „The Start of Something Beautiful“, zaubert Patrick Huss aus einer Basslinie faszinierende Rhythmen, die von der Stimme seiner Partnerin variationsreich umspielt werden.

Mal mit entschiedener Entschlossenheit und Dynamik, dann wieder lyrisch dahin fließend, entsteht so ein Klanggefüge, dem geschickt und mit unterschiedlicher Stärke fremdländische Elemente anderer Musikkulturen und von Weltmusik aufgepfropft werden, kaum wahrnehmbar, dann immer deutlicher, nie jedoch dominant. Gerade darin scheint der Erfolg von „Bento“ zu liegen. Der Stil- und Melodienmix wird gekonnt in für ein westliches Musikverständnis hörbare, weil gewohnte Formen integriert, bleibt nie von anstrengender Fremdheit. Die Symbiose gelingt perfekt.

Mit einfachen Mittel schafft „Bento“ so bei Vermeidung aller Oberflächlichkeit Klangstrukturen von nahezu existenzieller Tiefe. Und die munden wie ein köstliches Sushi-Menü, in den sich Fremdartiges harmonisch mit Vertrautem verbindet. Ein musikalisch äußerst schmackhafter Abend eines Duos mit sicherlich großer Zukunft, das freilich viel mehr Zuhörer verdient gehabt hätte.



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