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Immer mehr Schwarzkittel verschärfen im Weserbergland das Problem

Angst vor der Afrikanischen Schweinepest

WESERBERGLAND. „Die Zahl der Wildschweine ist deutlich gestiegen“, sagt Hameln-Pyrmonts Kreisjägermeister Jürgen Ziegler. Dies sieht auch sein Kollege aus Holzminden, Harald Meyer, so: „Wir haben eine Zunahme in den letzten Jahren.“ Jetzt droht die Afrikanische Schweinepest.

veröffentlicht am 24.11.2017 um 12:06 Uhr

Das ganze Jahr über sind heute Frischlinge unterwegs. Früher bekamen die Sauen in den Wintermonaten ihren Nachwuchs, von dem nur ein Teil überlebte. Foto: PJ

Autor:

Peter Jahn
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Um eine Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest zu verhindern, sind die Waidgesellen nun gefordert, die Zahl der Wildschweine deutlich zu verringern. Dass es mehr Wildschweine gibt, die Bestände explodieren, liegt vor allem an der guten Nahrungsgrundlage. Strenge Winter sind ausgeblieben, dazu kamen die Mastjahre, in denen Eicheln und Bucheckern in Hülle und Fülle unter den Waldbäumen lagen. Und draußen im Feld bieten Raps- und Maisfelder bis in den Herbst gute Deckung für die Schwarzkittel. Diese ziehen aus dem Raps in die Weizenfelder, fressen sich satt und wieder zurück in den Raps, in dem es kein Durchkommen für Jäger und Jagdhunde gibt. „Im Sommer werden einzelne Stücke erlegt, was sich bei der Gesamtstrecke kaum bemerkbar macht“, erklärt Harald Meyer.

Also: „Es gilt, jetzt im Herbst und im Winter die Bestände deutlich zu reduzieren“, betont Jürgen Ziegler. In den Landkreisen Holzminden und Hameln-Pyrmont setzt man ebenso wie in weiten Teilen Deutschlands auf revierübergreifende Jagden. „Wir haben drei große Jagden im Deister, zwei im Süntel, weitere am Schweineberg, in Fischbeck und zwischen Emmerthal und Bad Pyrmont“, führt Ziegler aus. Der Kreisjägermeister Meyer aus Holzminden möchte die Feldreviere auch stärker einbeziehen, damit die Effektivität gesteigert wird. „Ich habe den Hegeringleitern ans Herz gelegt, mitzumachen, denn keine Jagd bedeutet auch höhere Wildschäden.“ Die bisherige Strecke in diesem Jagdjahr zeigt in manchen Revieren in Holzminden eine deutliche Zunahme der Schweinepopulationen in den Feldrevieren. Haben sich die Wildschweine früher nur im Winter vermehrt, sieht man heute zu allen Jahreszeiten Frischlinge.

Für die Menschen in den Dörfern und Städten wird die deutliche Vermehrung der Wildschweine meist erst dann sichtbar, wenn sich einzelne Stücke oder ganze Rotten in die unmittelbare Nähe oder gar in die menschlichen Siedlungen verirrt haben. In den Feldrevieren in Hameln-Pyrmont sind in diesem Jagdjahr „ein Drittel mehr Sauen zur Strecke gekommen, als in den Vorjahren“, sagt Ziegler. Er und Harald Meyer in Holzminden wissen auch von einzelnen Fällen, in denen die Schweine im Randbereich der Orte für Schaden gesorgt haben. Da sind ein Sportplatz, dort eine Gartenfläche nachts verwüstet worden.

Die Zahl der Wildschweine nimmt in den Landkreisen Holzminden und Hameln-Pyrmont zu. Foto: PJ
  • Die Zahl der Wildschweine nimmt in den Landkreisen Holzminden und Hameln-Pyrmont zu. Foto: PJ

Meyer geht bei einer ersten Prognose unter Zugrundelegung der bisherigen Abschüsse davon aus, dass die Jagdstrecke beim Schwarzwild in diesem Jahr „deutlich über 2000 Stück liegen wird“. Auch er betont: „Wir verringern den Bestand nicht durch die Ansitzjagd, wir brauchen andere Bejagungsstrategien.“ Die glaubt Jürgen Ziegler zu haben. „Wir wollen strukturiert in die Bejagung einsteigen. Dazu benötigen wir die richtigen Reviereinrichtungen wie Drückjagdböcke, vernünftige Hunde, die gut arbeiten und Jäger, die gut schießen können.“ Für alle drei Komponenten macht die Jägerschaft Hameln-Pyrmont Angebote. Für Ziegler und Meyer steht fest, es muss jetzt gehandelt werden und nicht erst, wenn die Afrikanische Schweinepest (AFP) die Weser erreicht hat.

Die Afrikanische Schweinepest breitet sich derweil in Wildschweinbeständen in Osteuropa immer weiter aus. Betroffen sind das Baltikum, Moldavien, Ukraine und Polen. Betroffen sind auch Weißrussland, die Russische Föderation, Ukraine, Georgien, Armenien, Aserbeidschan und afrikanische Staaten. Ende Juni wurde der Ausbruch in Tschechien gemeldet. Die Schweinepest breitet sich offensichtlich nach Westen aus und ist nicht mehr weit von Deutschland entfernt. Auch Hausschweinbestände stecken sich immer wieder an.

In seiner Risikobewertung sagt das Friedrich-Löffler-Institut: Das Risiko, dass die ASP zunächst in die deutsche Wildschweinpopulation eingeschleppt wird, erscheint vor dem Hintergrund der neu aufgetretenen Fälle in der Tschechischen Republik und der Situation in den baltischen Staaten und Polen größer als ein Ersteintrag in die Hausschweinpopulation. Das Risiko des Eintrags von ASP nach Deutschland durch illegale Verbringung und Entsorgung von kontaminiertem Material wird als hoch eingeschätzt. Das Risiko des Eintrags durch kontaminiertes Schweinefleisch oder daraus hergestellte Erzeugnisse entlang des Fernstraßennetzes durch Fahrzeuge oder Personen wird im Sinne eines „worst case scenario“ als hoch bewertet.

Beruhigend ist, dass die Afrikanische Schweinepest keine Zoonose ist. Die Seuche kann also nicht zwischen Tier und Mensch übertragen werden und ist daher für den Menschen ungefährlich.

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