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Das helle, obergärige Bier „Broyhan“ wurde bis nach Bremen geliefert

Alte Brautradition

BODENWERDER. In unserer Reihe „Hingeguckt“ richten wir in loser Folge den Blick auf Details im Stadtbild von Bodenwerder. Von der Wand der alten Brennerei auf dem Gelände des Münchhausen-Gutshofes schaut eine Kopfskulptur auf die Vorrübergehenden herab.

veröffentlicht am 24.09.2018 um 13:31 Uhr

Gambrinus blickt von der Wand der alten Brennerei. Foto: kb
Beißner

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Karin Beißner Reporterin
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Mit federgeschmücktem Helm, wallendem lockigem Haar, hängendem Bart und strengem Kragen sieht der Bierkönig Gambrinus recht finster aus. Der legendäre König aus Flandern und Brabant wird als Erfinder des Bierbrauens angesehen, das er der Sage nach von der ägyptischen Sonnenkönigin Isis gelernt hat.

Im Brauereiwesen ist Gambrinus deshalb ein beliebter Name und sein Antlitz schmückt verschiedene Biersorten im In- und Ausland. Außerdem wird er in diversen Trinkliedern besungen. Aber was hat der Bierkönig mit Bodenwerder zu tun? In Bodenwerder wurde schon im Mittelalter Bier gebraut. Jeder Bürger, der ein eigenes Grundstück besaß, konnte dieser Tätigkeit nachgehen. 92 Hausbesitzer waren als sogenannte „Reihebrauer“ aktiv, das heißt, sie nutzten nacheinander das örtliche Brauhaus in der Großen Straße 43, das bis 1980 noch als Gaststätte „Tante Lieschen“ bekannt war.

Gebraut wurde ein helles obergäriges Bier, das „Broyhan“, das der Hannoveraner Cord Broyhan 1526 erfunden hatte. Am „Hopfenberg“ wurde der dazu benötigte Hopfen angebaut. Anfang des 17. Jahrhunderts schlossen sich die Brauer zu einer Brauergilde zusammen. Das Bier wurde zunächst in der näheren Umgebung abgesetzt, in Hunzen, Kemnade, Harderode, Bisperode, Dohnsen, Halle, Heyen und Bremke wurde „Broyhan“ getrunken. 1724 verlangte die Stadt Bremen nach dem unverfälschten „Bodenwerderschen Broyhan“. Das gab dem Brauwesen neuen Auftrieb. Zwei Schiffe wurden angeschafft, die im Sommer auch nachts fuhren, da etliche Zollstationen passiert werden mussten und das Bier nur acht Tage haltbar war.

An die Brautradition erinnern auch die Braulöffel über dem Eingang der ehemaligen Apotheke in der Weserstraße 10 und nicht zu vergessen der Spruch am Felsenkeller in der Poller Straße „Des Hopfenberges schönste Zier ist dieser Schacht voll Lagerbier.“



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