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Nahostkorrespondent Ulrich Sahm im „Haus der Kirche“

Als „Ungläubige“ verfolgt

Bodenwerder. Auf den Geschmack kommen, Fladenbrot in Olivenöl tunken und das Gewürz Zaatar draufstreuen – so begann der Israel-Vortragsabend mit dem Nahostkorrespondenten Ulrich Sahm, zu dem der „Freundeskreis Israel - Weserbergland“ ins Haus der Kirche eingeladen hatte. Viele Gäste waren der Einladung gefolgt und freuten sich im Laufe des Abends noch an weiteren Köstlichkeiten aus der orientalischen Küche. Doch was Ulrich Sahm zum Thema „Christen im Nahen Osten“ zu berichten hatte, war alles andere als „gemütlich“. Als seit über 40 Jahren in Jerusalem ansässiger Journalist verfügt er über Kontakte zu allen Seiten der vielfältig in Konflikte verwickelten politischen und religiösen Kräfte in Israel, den palästinensischen Autonomiegebieten und den angrenzenden Nachbarstaaten.

veröffentlicht am 29.06.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 15:21 Uhr

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Im ersten Teil stellte er mit Hilfe von Fotos die verschiedenen christlichen Kirchen in Jerusalem vor: Die orthodoxen Griechen, Syrer, Armenier, Äthiopier, Kopten sowie Katholiken und Protestanten in ihren ebenfalls vielfältigen Ausprägungen. Sie können teilweise auf eine ungebrochene Tradition bis in die Entstehungszeit des Christentums zurückblicken. Sie alle begegnen sich auf engstem Raum an den sogenannten Heiligen Stätten, die die Überlieferung oder auch die archäologische Forschung mit Schauplätzen des Wirkens Jesu in Verbindung bringt. Das ist dann nicht nur ein buntes Miteinander von Kulturen und fremdartigen Trachten, sondern führt manchmal zu skurrilen Verwicklungen und überraschenden „salomonischen“ Lösungen, notfalls auch mit staatlicher Hilfe, da in Israel Religionsfreiheit und der freie Zugang zu den religiösen Stätten zur staatlichen Grundordnung gehören.

In vielen Nachbarländern hingegen sind religiöse Minderheiten akut existenzgefährdet. Dabei scheint es, dass das Schicksal der Jahrtausende alten, bis in die Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts hinein existierenden großen jüdischen Gemeinden im Irak und in Ägypten ein Fanal für die heute im Nahen Osten lebenden Christen ist. Ulrich Sahm belegte mit erschreckenden Szenerien und Zahlen den Niedergang dieser Gemeinden. Von einstmals mehreren hunderttausend Gläubigen wurden so viele vertrieben oder Opfer von Verfolgungen, dass heute kaum noch Juden dort leben. Islamistische Kräfte, die im Zuge des „Arabischen Frühlings“ an die Macht kamen oder unbehelligt agieren können, sorgen dafür, dass heute hunderttausende Christen und andere religiöse Minderheiten als „Ungläubige“ verfolgt werden. Bedrohung von Leib und Leben sowie die Zerstörung religiöser Stätten sind weit verbreitet. Gründe dafür sind neben religiösem Fanatismus die Arrangements, die die im „Dhimmi“-Status geduldeten Bürger zweiter Klasse als Überlebensstrategie mit den vormaligen despotischen Herrschern getroffen hatten, und die nun Racheakte vonseiten der vormals Unterdrückten zur Folge haben.

Grund zum Optimismus bezüglich der Zukunft der Christen im Nahen Osten besteht nach Einschätzung von Sahm nicht. „Dennoch kann das Wissen um Fürbitten und praktische Hilfe aus anderen Ländern die betroffenen Gemeinden stärken. Dafür setzt sich in bescheidenem Rahmen auch der ‚Freundeskreis Israel - Weserbergland‘ ein: Mit weiteren Informationsabenden, Gottesdiensten, Spenden und der ökumenischen Rogatebrief-Aktion“, sagte Christiane Klein bei der Begrüßung. chk



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