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Hier wurde viel gelogen

Adventskalender Tür 4: In der Münchhausengrotte

Mit Beginn des Monats Dezember und bis Weihnachten wollen wir für Sie, liebe Leserinnen und Leser, Türen öffnen. Die Redaktion besucht Orte, die nicht für jedermann zugänglich sind und verrät das ein oder andere Geheimnis, das hinter dem Türchen steckt. Heute: die Münchhausengrotte.

veröffentlicht am 04.12.2017 um 06:00 Uhr

Durch die Tür Im Obergeschoss gelangt man in das legendäre Jagdzimmer. Foto: kb
Beißner

Autor

Karin Beißner Reporterin

BODENWERDER. Viele Stufen den Berg hinauf sind zu überwinden, bevor die heutige Tür des Adventskalenders erreicht ist. Schon von Ferne ist Gelächter zu hören, erstaunte „Aahs“ und „Oohs“ und Zwischenrufe: „Nicht möglich!“, „Das glaube ich nicht!“, „Das kann nicht sein!“ Wer den Raum betritt, sieht sich einer fröhlichen Schar von in blauen Dunst gehüllten Männern gegenüber, der sogenannten Tabaksrunde. Mittendrin der Erzähler der unglaublichsten Geschichten, Hieronymus Carl Friedrich Freiherr von Münchhausen. So jedenfalls wird es vor 250 Jahren gewesen sein, als der große Fabulierer seine Freunde und Gäste hier nach der Jagd mit seinen spannenden Abenteuern unterhielt. Wir befinden uns in der Münchhausengrotte auf dem Hopfenberg.

Aus Freude über das Ende des Siebenjährigen Krieges hatte Münchhausen 1763 das zweistöckige Häuschen am Hang des Hopfenberges errichten lassen und es später seiner treuen Haushälterin, Frau Nolte, vererbt. Das gesondert zugängliche Untergeschoss diente wohl als Lagerraum oder Weinkeller. In die Rückwand sind Muscheln und glitzernde Amethyste eingesetzt, dem damaligen Zeitgeschmack entsprechend. Vermutlich hat der Pavillon daher die Bezeichnung Grotte. Im Obergeschoss aber schauen wir in das legendäre Jagdzimmer, in dem Münchhausen so oft fabuliert hat, einen achteckigen Raum mit offenem Kamin. Das Jagdzimmer war einst mit Motiven der vier bekanntesten Münchhausen-Geschichten bemalt: Münchhausen reitet auf der Kanonenkugel, zieht sich am eigenen Zopf aus dem Sumpf, sitzt auf der Mondsichel und sieht sein Pferd an der Kirchturmspitze hängen. Im Laufe des 20. Jahrhunderts verschwanden diese Zeichnungen wieder und wurden durch eine Tapete mit Jagdszenen ersetzt. Geweihe, Tierfelle, Jagdtasche und Gewehr schmückten die Wände. Heute ist der Raum dem Zeitgeschmack entsprechend schlicht gehalten. Nur eine Bordüre aus Efeuranken und einige große Geweihe – von Münchhausen selbst geschossen, heißt es – an den weißen Wänden erinnern an das Jagdzimmer. Und durch die fünf schmalen Fenster, außen flankiert von Herkules und Venus, zwei Figuren der Antike, hatte der Gutsherr sein Anwesen immer im Blick und konnte vielleicht sogar am Kirchturm die Uhrzeit ablesen.

Ein langer Tisch mit bequemen Stühlen lädt zum Verweilen ein. Im Laufe der Jahre und Jahrhunderte versammelten sich an diesem Tisch immer wieder Gäste, um den abenteuerlichen Geschichten des großen Erzählers zu lauschen. In den 1990er Jahren gab es hier sogar zwei Trauungen, ein riskantes Unternehmen in dem Raum, in dem so viel gelogen wurde!

Durch die Tür im Untergeschoss gelangte man wahrscheinlich in den Weinkeller. foto: kb
  • Durch die Tür im Untergeschoss gelangte man wahrscheinlich in den Weinkeller. foto: kb
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Nur wenige Male im Jahr öffnet die Münchhausen-Grotte ihre Tore. Am Tag des offenen Denkmals für besondere Gäste der Stadt und bei kleinen Feiern des „Freundeskreises Münchhausen“ lässt der Leiter des Münchhausen-Museums Werner Koch die Besucher über den „achtbeinigen Hasen“, den „Hirsch mit dem Kirschbaum“ und den „Ritt auf der Kanonenkugel“ schmunzeln. Und ein besonderes Recht genießt seit Jahren der benachbarte Schützenverein, der beim Königsschießen den historischen Raum nutzen darf, um die Scheiben auszuzählen.



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