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Gemeinderat entscheidet gegen Dauerbeleuchtung

Ab Mitternacht bleibt es dunkel in Heyen

HEYEN. Nach einigen Einbrüchen und mindestens einem Einbruchsversuch leuchtete die Straßenbeleuchtung in Heyen eine zeitlang die ganze Nacht. Von Mitternacht bis fünf Uhr morgens bleibt es nun entlang der Straßen im Ort aber wieder dunkel. Das hat der Gemeinderat entschieden und bestätigte damit einen alten Beschluss.

veröffentlicht am 26.11.2018 um 16:56 Uhr

Wenn es Nacht wird in Heyen. Foto: saw
Sabine Weiße (saw)

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Sabine Weiße Reporterin
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Von Mitternacht bis fünf Uhr morgens bleibt es entlang der Straßen im Ort dunkel. Das entschied der Gemeinderat jüngst vor großem Publikum und bestätigte damit seinen im August 2017 gefassten Beschluss. Enttäuscht sein dürften insbesondere die 169 Bürgerinnen und Bürger, die auf Initiative von Erika Range und Annegret Kohlenberg unmittelbar im Vorfeld des Ratsbeschlusses eine Art Petition mit der Forderung „Licht soll durchbrennen!“ unterschrieben hatten.

Jüngst war die Thematik erneut in den Fokus gerückt, weil sich im Ort einige Einbrüche und mindestens ein Einbruchsversuch ereignet hatten. „Darauf hat die Gemeinde übergangsweise – bis zu einer erneuten Meinungsbildung inklusive Ratsbeschluss – das Licht durchbrennen lassen, um dem Sicherheitsbedürfnis der Bürger nachzukommen“, so Zieseniß. Drei Ratsherren stimmten für „Durchbrennen lassen“, vier für die Nachtabschaltung. In der vorangegangenen nichtöffentlichen Sitzung des Verwaltungsausschusses hatte es noch eine 2:1-Mehrheit zugunsten der Option „Durchbrennen lassen“ gegeben.

Bei privaten oder öffentlichen Veranstaltungen ist nach wie vor eine Verlängerung der Beleuchtung nach Absprache mit dem Bürgermeister „auf dem kleinen Dienstweg“ möglich. Und auch die Feuerwehr wird nachts nicht auf unbeleuchteten Straßen ausrücken müssen.

Als Befürworter der Dauerbeleuchtung führte Daniel Lindemann das Argument eines „subjektiven Sicherheitsgefühls“ an. „Es kann helfen, dass man ruhiger schlafen kann.“ Eberhard Böhm hingegen beklagte „zunehmende Lichtverschmutzung“ und sprach von einem „trügeri-schen Gefühl der Sicherheit“. So gäbe es keinerlei Belege dafür, dass bei nächtlicher Dorfbeleuchtung weniger Einbrüche passieren würden. Das bestätigte Bürgermeister Zieseniß mit Verweis auf gleichlautende Aussagen der Polizei. „Außerdem müssten wir doppelt so viele Straßenlampen aufstellen, und teilweise auch an anderer Stelle, damit es im Ort wirklich hell ist.“ In Heyen würden eher die Straßen als die Gehwege beleuchtet. „Wer sich nachts unsicher fühlt, kann doch das Licht vor seiner Haustür brennen lassen“, schlug Stefan Arndt vor, der die nächtliche Dauerbeleuchtung als „ökologisch und ökonomisch nicht sinnvoll“ beurteilte. Mit einem Verweis auf das allgemeine Gebot des Energiesparens argumentierte Lars Pfohl differenziert: „Einerseits stören uns das Kernkraftwerk und die Windräder. Andererseits spiegeln sie unseren wachsenden Energiehunger wider.“ Wären die Straßen nachts belebt, wäre die Dauerbeleuchtung vertretbar. Dennoch stimmte Lars Pfohl ebenso für „Durchbrennen lassen“ wie der stellvertretende Bürgermeister Tobias Lemke, der „länger Licht“ in unmittelbaren Zusammenhang mit einer Steuererhöhung brachte. Lemke: „Die finanziellen Spielräume der Gemeinde Heyen sind eng, und wir haben in Bezug auf die Kinderbetreuung einiges vor. Die Mehrbelastung in Höhe von 1800 Euro für die dauerhafte Straßenbeleuchtung wird über höhere Steuersätze zu finanzieren sein.“ Als Ausdruck des unmittelbaren Bürgerwillens begrüßten alle sieben Ratsherren ausdrücklich die Unterschriftenaktion. Zieseniß: „Als ich gehört habe, dass jemand Unterschriften sammelt, war ich richtig glücklich. Von so etwas träumt ein Gemeinderat, der angesichts geringer Zuhörerzahlen bei den öffentlichen Sitzungen häufig das Gefühl hat, die Leute interessiert gar nicht, was wir hier beraten und beschließen.“ So erfreulich die Wahrnehmung eines demokratischen Grundrechtes sei – die Tonlage „dieses in Form und Fassung etwas verunglückten Schriftstücks“ (Zieseniß) sei unangemessen. So hatten die Initiatoren formuliert: „Wir, die Einwohnerinnen und Einwohner von Heyen, haben Sie in den Gemeinderat gewählt, damit Sie unsere Interessen vertreten. Hiermit fordern wir Sie auf, Ihre Zustimmung zu geben, damit die Dorfbeleuchtung nachts nicht abgeschaltet wird.“ Auch wenn die Zahl von 169 Unterschriften „durchaus beeindruckend“ (Zieseniß) sei: Bei 390 Stimmberechtigten „ist das keine qualifizierte Mehrheit des Dorfes“ so Tobias Lemke. „Die Formulierung ist verletzend. Das tut mir weh“, bekannte er. Und Bürgermeister Zieseniß unterstrich, dass „jedes Ratsmitglied sein Mandat repressionsfrei ausüben“ solle. Dem sei „die anweisende Tonlage“ nicht unbedingt förderlich.



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