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Vermieter von Gästezimmern und Ferienwohnungen in Bodenwerder zeigen Präsenz

Ärger um die Tourismus-Abgabe

BODENWERDER. Die Vermieter von Gästezimmer kritisieren die Tourismusabgabe an die Solling-Vogler-Region. Schließlich wird jährlich von der Samtgemeinde ein Beitrag in Höhe von 55 000 Euro an die regionale Tourismus-Organisation überwiesen, finanziert unter anderem über den Fremdenverkehrsbeitrag. Das Verhältnis von Kosten zu Nutzen stellten die von der Abgabe Betroffenen öffentlich in Frage.

veröffentlicht am 24.08.2017 um 19:09 Uhr

Ungewohnt groß war das öffentliche Interesse, nachdem Christian Gabriel in einem offenen Brief an die Samtgemeindebürgermeisterin angekündigt hatte, seine Fragen in Sachen Tourismusbeitrag öffentlich im Rahmen der Samtgemeinderatssitzung vorzutragen.
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Autor

Sabine Brakhan Reporterin
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„Frage nicht was dein Land für dich tun kann, sondern was du für dein Land tun kannst!“, appellierte US-Präsident John F. Kennedy 1961 in seiner Antrittsrede an das amerikanische Volk. Die Vermieter von Gästezimmern und Ferienwohnungen in Bodenwerder, die anlässlich der Samtgemeinderatssitzung Bodenwerder-Polle in Hehlen starke Präsenz zeigten, stellten aber sehr wohl Samtgemeindebürgermeisterin Tanya Warnecke sowie dem Samtgemeinderat die Frage, was die Solling-Vogler-Region für sie tut. Schließlich wird jährlich von der Samtgemeinde ein Beitrag in Höhe von 55 000 Euro an die regionale Tourismus-Organisation überwiesen, finanziert unter anderem über den Fremdenverkehrsbeitrag, der zukünftig neu berechnet Tourismusbeitrag heißen soll und von den Vermietern entrichtet wird.

Das Verhältnis von Kosten zu Nutzen stellten die von der Abgabe Betroffenen öffentlich in Frage, genau wie die Notwendigkeit der Fortführung der Mitgliedschaft in der Tourismus-Organisation. Im Vorfeld der Sitzung hatte sich Vermieter Christian Gabriel in einem offenen Brief an die Samtgemeindebürgermeisterin seinen Unmut über den geforderten Tourismusbeitrag bei gleichzeitig nachlassender touristischer Attraktivität der Münchhausenstadt geäußert (wir berichteten). Und ganz offensichtlich steht er mit seinem Frust gegenüber Rat und Verwaltung nicht allein.

Genau wie Vermieter Gabriel stellte auch Carsten Drewes, der Floßtouren im Weserbergland anbietet, einen Nutzen der Bindung an die Solling-Vogler-Region in Frage. „Unser Bereich existiert dort kaum und wenn doch, dann werden allein unter der Regionalmarke „Echt“ mindestens drei Gastronomie- und Dienstleistungsunternehmen beworben, die längst nicht mehr existieren“, bemängelt der Geschäftsmann aus Bodenwerden die mangelnde Aktualität und Unausgewogenheit des Internetauftritts. Sein daraus gewonnener Eindruck: „Erfolgreiche Unternehmen wie beispielsweise die Familie Brader in der Rühler Schweiz vermarkten sich selbst.“ Mit Applaus stimmte die Öffentlichkeit in der Samtgemeinderatssitzung den Ausführungen Drewes zu. Manfred Purschke erinnerte in diesem Zusammenhang, genau wie Gabriel in seinem offenen Brief, an die Worte des Warnecke-Vorgängers Joachim Lienig.

Christian Gabriel foto: sbr

Dieser habe öffentlich gesagt, „wer sich in der Solling-Vogler-Region nicht eintragen lässt, existiert nicht mehr für Bodenwerder.“ Diesbezüglich erklärte der Vermieter aus Bodenwerder weiter, dass eine Eintragung nicht automatisch erfolge, sondern zusätzliche Kosten verursache, was offenbar nicht allen Ratsmitgliedern bewusst war. Er sei inzwischen auch in fremden Portalen verzeichnet, weil die regionale Bezeichnung Solling-Vogler-Region für Bodenwerder am äußersten Zipfel wenig zutreffe und Urlauber nicht unbedingt unter diesem Stichwort eine Ferienwohnung in der Münchhausenstadt suchten. „Um auf unser Angebot aufmerksam zu machen, investieren wir Jahr für Jahr eine vierstellige Summe und haben dann aber noch keine Ferienwohnung belegt. Diese Ausgabe muss ich erst einmal erwirtschaften“, erklärt Manfred Purschke.

Auch musste er beobachten, dass die Nachfrage nach Übernachtungen stark nachgelassen habe. Das beklagt auch Gabriel in seinem offenen Brief. „Der Samtgemeinde fehlt ein eigenes Vermarktungsportal. Darüber hinaus müssen wir unser Angebot zukünftig weniger breit, aber dafür gezielter auf bestimmte Gruppen von Urlaubern ausrichten“, so Purschke Verbesserungsvorschlag.

Wie Fachbereichsleiter Michael Helmig erklärt, ist die Samtgemeinde bis 2020 vertraglich an die Solling-Vogler-Region gebunden. „Hier werden Steuergelder ausgegeben, dafür können wir auch eine Gegenleistung erwarten“, erklärte der Bürgermeister des Flecken Ottenstein und Vorsitzende Manfred Weiner. Offen gestand er ein, der Samtgemeinderat habe keine Patentlösung für das Problem der sinkenden Übernachtungszahlen – zumal die Statistiken etwas anderes aussage. „Solling ist nicht alles und wie werden darauf schauen, dass in der Solling-Vogler-Region zukünftig der heimische Bereich mehr Berücksichtigung findet“, versprach Manfred Weiner. Auch Samtgemeindebürgermeisterin Tanya Warnecke danke für das konstruktive und auf Augenhöhe geführte Gespräch mit den heimischen Vermietern während der Einwohnerfragestunde. Zuvor hatte sie einige der in dem offenen Brief Gabriels aufgeworfene Fragen beantwortet.

So führte sie aus, dass mit Hilfe des zukünftigen Tourismusbeitrags freiwillige kommunale Aufgaben auch weiterhin geleistet werden könnten, die angesichts knapper Kassen sonst eventuell dem Rotstift zum Opfer fielen. Als Beispiele nannte sie die Personalkosten für die Touristinformation, die Unterhaltung der Promenade sowie Veranstaltungen wie das Felgenfest und das Musical. Das wird zukünftig dank einer neuen mobilen Bühne auch in den Ortschaften der Samtgemeinde für Unterhaltung sorgen können. In Sachen Veranstaltungen konnte sie von einer weiteren Verbesserung berichten. „Zukünftig wird es Veranstaltungen nicht nur von März bis September geben, sondern auch in den Wintermonaten“, erklärte die Samtgemeindebürgermeisterin.

Ebenso arbeite man an dem Projekt Bürgerbus und auch sechs Qualitätswanderwege seien in Bearbeitung, so Tanya Warnecke. In Bezug auf die anstehenden Neuregelungen in der Gebührenordnung sagte sie, man setze auf eine Zusammenarbeit mit den „Freundlichen Gastgebern“ und möchte Zerschlagenes heilen, schließlich habe die Vergangenheit gezeigt, des es niemanden nütze, sich gegenseitig das Leben schwer zu machen.

Hier werden Steuergelder ausgegeben, dafür können wir auch eine Gegenleistung erwarten.

Manfred Weiner, Bürgermeister Ottenstein


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