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Start 1950 in Hehlen / Marktführer in Deutschland / Firmengründer zieht sich zurück

60 Jahre und mehr: Kreidefabrik auf dem Ith

Hehlen/Eschershausen (dy). Mit Leib und Seele hat Jürgen Knopf 60 Jahre lang seine Kreidefabrik geführt – zum Jahresanfang hat der 81-jährige seinen Betrieb Pycom e.K. auf dem Ith jetzt an die Firma Mercator, ansässig in Hamburg, verkauft. „Es ist schon ein merkwürdiges Gefühl“, so der Firmengründer bei der symbolischen Schlüsselübergabe an Andreas E. Skupin. Der 48-jährige ist Geschäftsführer der neuen Kommanditgesellschaft, die unter dem Namen Pycom GmbH & Co. KG firmiert. Skupin ist gebürtiger Stadtoldendorfer, war 23 Jahre bei H & R (heute Symrise) und lebt derzeit mit seiner Frau und zwei Kindern in einem Randgebiet von Bremen; möchte aber im Laufe des Jahres seinen Wohnsitz in diese Region verlegen.

veröffentlicht am 07.01.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 20:41 Uhr

Mit der symbolischen Schlüsselübergabe an Andreas E. Skupin (li.
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Jürgen Knopf nimmt den Verkauf seiner Firma – die Hallen und Betriebsflächen sind an den Nachfolger verpachtet – zum Anlass, an die Anfänge zu erinnern. Auf 24 Quadratmetern, mit einem Startkapital von 500 Mark, einem Rührstab und einem Kopf voller Ideen hat er als gelernter Möbeltischler 1950 in Hehlen die Kreidefabrik gegründet. Seinerzeit wurde die Kreide direkt an die Schulen verkauft. Im Vertrieb fungierten Soldaten, die nach dem Krieg hier ihre Beschäftigung fanden. „Die erste Kreide wurde in Blöcken gegossen und dann in Stücke zersägt“, erzählt Jürgen Knopf. Pro Stunde produzierte er als 21-Jähriger immerhin schon 4000 Stück Kreide. Nach und nach setzte er seine technischen Fähigkeiten in immer neue Produktionsabläufe um. Auf seine entwickelte Spezialform, Kreide stückweise zu produzieren, bekam er damals sein erstes Patent; im Laufe der Jahre summierten sich diese auf 18.

Die Betriebsräume wurden vergrößert, neue Produkte entwickelt und produziert, und die Zahl der Beschäftigten wuchs auf 12 Mitarbeiter an. 1955 präsentierte sich Knopf erstmals auf der Bildungs- und Lehrmittelmesse „didacta“ in Bremen. 1962 war das technische Know-how bereits so groß, dass von den Lübecker Kreidewerken der Auftrag kam, eine Produktionsanlage für Industriekreide mit einer Kapazität von 40 Tonnen pro Tag zu bauen.

Die Räume in Hehlen wurden Mitte der 80er Jahre zu klein, und Knopf nutzte die Möglichkeit, ein 55 000 Quadratmeter großes Grundstück auf dem Ith zu erwerben. Auf diesem Gelände befanden sich Hallen mit einer Fläche von 2450 Quadratmetern. Es wurde nach anfänglichen Umbauarbeiten eine neue Kreideproduktionsanlage mit vierfacher Kapazität entwickelt und gebaut. Die alte Kreideproduktionsanlage aus Hehlen wurde modernisiert an die UNESCO Paris verkauft und nach Selemania im Nordirak geliefert und dort aufgebaut. Parallel zu diesen Ereignissen wurde die komplette Produktion von Zeichengeräten aufgenommen. Es wurden CNC-Maschinen gekauft, eine Siebdruckerei eingerichtet, Spritzgussautomaten und Werkzeuge dafür angeschafft und Produktionsabläufe geschaffen. Dies alles ergab eine Fertigungstiefe von 92 Prozent.

Mit Stolz erläutert Jürgen Knopf, dass der Betrieb inzwischen 146 Produkte herstellt und inzwischen Marktführer in Deutschland ist. Kunden aus Australien, Nordamerika, der Ukraine und aus ganz Europa konnte das Unternehmen durch Präsentationen auf vielen In- und Auslandsmessen überzeugen. Mehrere Male waren ungarische und schweizerische Fernsehsender auf dem Messestand und berichteten über das Unternehmen. Der größte Exportauftrag betrug 440 000 Stück Zeichengeräte (228 Tonnen) mit arabischen Ziffern und wurde im Auftrag der UNICEF in den Irak mittels 32 Containern geliefert.

Die Entscheidung, seinen Betrieb in jüngere Hände zu geben, hat Jürgen Knopf vor rund einem Jahr getroffen. Überregionale Inserate, auch über die Industrie- und Handelskammer-Börse, haben zum Erfolg geführt und er freut sich, dass sein gegründetes Unternehmen weitergeführt wird und auch alle 15 Mitarbeiter übernommen werden.

Langeweile wird der 81-Jährige als „Ruheständler“ nicht haben. Jürgen Knopf wird seine kreativen Ideen und sein Wissen im Bereich Marketing für den Tourismus in der Region ein- und umsetzen. Als leidenschaftlicher Flieger freut er sich darauf, mehr Zeit auf dem Flugplatz in Bad Pyrmont, beziehungsweise mit seinem Flugzeug in den Lüften zu verbringen. Ehefrau Gisela freut sich auf mehr Zeit füreinander und gemeinsames Schwimmen, mit dem sich das Ehepaar seit vielen Jahren fithält.



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