weather-image
14°

Kies und Sand sollen künftig mehr mit Zügen transportiert werden / Fragen und Antworten

14 800 Lkw-Fahrten weniger

BODENWERDER/EMMERTHAL. Seit März 2015 befindet sich die Bahnstrecke der Vorwohle-Emmerthaler Verkehrsbetriebe GmbH in Besitz der Lammert + Reese GmbH & Co. KG. Je 50 Prozent halten Lammert + Dötzer sowie die WRM-Reese-Unternehmensgruppe an dem Unternehmen. Künftig soll mehr Kies aus dem Werk in Kemnade über den Schienenweg abtransportiert werden. Insgesamt neun Millionen Euro hat das Kieswerk in den letzten Jahren investiert – unter anderem in ein neues Verladesystem. Der erste Zug soll im Rahmen einer Testfahrt Mitte März auf der Bahnstrecke rollen. Fragen und Antworten:

veröffentlicht am 17.02.2019 um 20:03 Uhr
aktualisiert am 17.02.2019 um 21:10 Uhr

Teil einer neuen Verladestation im Kieswerk: Von hier aus sollen künftig zwei bis drei Züge pro Woche beladen werden. Foto: kk
Karen Klages

Autor

Karen Klages Reporterin zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.



Wie viele Züge sollen pro Woche durchschnittlich fahren? Geplant ist, dass durchschnittlich zwei bis drei Züge mit jeweils etwa 47 Waggons wöchentlich fahren. In den Wintermonaten kann es witterungsbedingt auch mal sein, dass ein paar Wochen lang gar kein Zug fährt.


Wird es feste Tage geben? „Wir müssen erst einmal unseren Rhythmus finden“, sagt WRM-Reese-Geschäftsführer Jörg-Peter Kölling. Geplant ist, dass die Züge wöchentlich an den gleichen Tagen fahren. Das heißt aber nicht, dass an anderen Tagen keine Züge fahren können. Es handelt sich schließlich um eine öffentliche Strecke.


Zu welchen Uhrzeiten werden die Züge fahren? Die Ein- und Ausfahrzeiten sind abhängig von den Fahrzeiten des gesamten Zugverlaufs auf der Strecke im öffentlichen Netz der Deutschen Bahn. Nach Möglichkeit soll der Zug morgens am Kieswerk sein, sodass er den Tag über beladen werden kann.

Mario Menzel (v. re.) und Joachim Pöllmann haben es im Blick: Jörg-Peter Kölling stellt die Weichen für den Kiestransport. foto: kk


Wie lang ist ein Zug? Ein Zug mit 47 Waggons ist 600 Meter lang. Ins Kieswerk fährt der leere Zug mit allen 47 Waggons. Aus dem Kieswerk heraus gibt es dann zwei Fahrten mit zwei Halbzügen, da die Strecke am Ruhberg für einen vollständig beladenen Zug vermutlich zu steil ist. Aus Richtung Grohnde fährt nach der ersten Rücktour dann nur die einzelne Lok zurück ins Kieswerk.
Wie schnell ist der Zug unterwegs? Die Geschwindigkeit beträgt maximal 40 Stundenkilometer, am Ruhberg maximal 20 Stundenkilometer und innerhalb Hehlens maximal 10 Stundenkilometer.


Wie wird die Sicherheit an den Bahnübergängen gewährleistet? Am Ruhberg an der B 83 wird bis Anfang April eine Lichtschrankenanlage installiert. Die Kreuzungen innerhalb der Ortsdurchfahrt Hehlen sind planfestgestellt und es sind Fördermittel beantragt. Bis dort eine Lichtzeichenanlage installiert ist, wird – voraussichtlich bis Ende des Jahres – ein Streckenposten absichern.


Wie lange wird die Fahrt durch Hehlen dauern? Mit Streckenposten etwa acht bis zehn Minuten; mit Lichtzeichenanlage wird sie kürzer sein. In jedem Fall sind alle drei Bahnübergänge zeitgleich blockiert, das ist nicht anders möglich. „Es ist ein Gewöhnungsfaktor für den Ort“, sagt Joachim Pöllmann, Geschäftsführer der Firma Lammert + Reese.


Welche Züge werden eingesetzt? Neben modernen Dieselloks werden auch sogenannte Hybrid-Lokomotiven zum Einsatz kommen, die ab Emmerthal im öffentlichen Schienennetz mit Strom unterwegs sind. Bei den Waggons handelt es sich um eine Neubauwagenart mit Flüsterbremsen. Das zuständige Eisenbahnlogistik-Unternehmen, die HVLE, sei derzeit das fortschrittlichste in der Branche.


Werden die Strecke auch andere Unternehmen zum Transport nutzen? Bisher nutzt die Firma Helmecke GmbH & Co. KG aus Bisperode die Strecke ab Grohnde, um Holz zu transportieren. Deren Geschäftsführer Dr. Malte Borcherding sagt: „Ein Glück für uns, dass uns die reaktivierte Bahnstrecke zur Verfügung steht.“ Wie Kölling sagt, gebe es weitere Interessenten.


Wie viele Lkw-Fahrten werden durch den Zugtransport eingespart? Ein Zug wird mit rund 3200 Tonnen Kies oder Sand beladen. Die geplante Jahresmenge für den Zugtransport beläuft sich auf 200 000 Tonnen. Das entspricht 14 800 eingesparten Lkw-Fahrten.


Wohin wird der Rohstoff geliefert? In den Nordwesten Deutschlands. „Wir fahren auch jetzt schon in diese Gebiete, nur eben mit Lkw. Die nehmen wir jetzt von der Straße.“ Nördlich von der A 2 gibt es keine vernünftigen Baustoffvorkommen mehr. Nur ganz wenig wird gen Süden geliefert.


Werden trotzdem noch Lkw das Kieswerk ansteuern? Ja, um die regionale Industrie zu beliefern. Hier rechnet das Unternehmen mit zusätzlich 100 000 Tonnen Fördermenge.


Wie wirtschaftlich ist die Rechnung für das Kieswerk? Der Schienenverkehr kompensiert den logistischen Standortnachteil Bodenwerder nahezu. „Wir haben das alles langfristig angelegt. Der Kiesabbau ist hier für 30 Jahre gesichert“, betont Pöllmann. Und er verspricht: „Weitere Investitionen werden folgen. Ungefähr in Höhe von drei bis vier Millionen Euro.“ Es sei ein klares Bekenntnis zum Standort. Mit elf Mitarbeitern wurde die Zahl der Angestellten nun verdoppelt. Durch die moderne Verladestation und die zusätzlichen Tätigkeiten wird bald in einem Zwei-Schicht-Betrieb gearbeitet. „Durch die Bahnverladung bieten wir auch moderne, qualifizierte Dauerarbeitsplätze an“, so Pöllmann.


Ist Personenverkehr auf der Strecke möglich? Theoretisch ja, sagen Eisenbahnbetriebsleiter Sebastian Schülke von der OHE und sein Kollege Mario Menzel von der Train4Train GmbH aus Bodenwerder. „Wir wollen aber erst mal den Verkehr hier zum Laufen bringen und dann die Entwicklung absehen.“ In jedem Fall müssten die letzten 800 Meter der Strecke bis Bodenwerder noch erneuert werden. Die gehören allerdings nicht der Lammert + Reese GmbH & Co. KG.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt