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Ann-Kathrin Krekeler setzt sich in Brasilien für arme Kinder ein und sucht ihre eigenen Wurzeln

10 000 Kilometer – um in den Favelas zu helfen

von reinhard borchers

veröffentlicht am 22.08.2011 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 05:21 Uhr

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Dohnsen. Als Ann-Kathrin Krekeler ihren 18. Geburtstag im Kreise der Familie auf dem elterlichen Hof in Dohnsen feierte, waren es für sie nur noch sieben Tage, bis sie Deutschland für ein ganzes Jahr lang den Rücken kehren würde. São Paulo, die größte Stadt Brasiliens – 10 000 Kilometer von ihrer Heimat entfernt, war das Ziel der jungen Frau. Zwei Dinge bewegen sie: Ihre Wurzeln kennen zu lernen und der Wunsch, in den Favelas, den Arbeitervierteln der Metropole, zu arbeiten.

Mittlerweile ist Ann-Kathrin in São Paulo angekommen. Sie ist gerade dabei, einen Rundbrief an die Mitglieder ihres Fördervereins zu beginnen. „Alle drei Monate will sie das jetzt machen“, sagt die blonde Frau mit der schwarzen Sonnenbrille. Denn ohne die Unterstützung durch den Förderkreis hätte die engagierte Frau das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) in der Associalção-Beneficente (ARCO) nicht machen können. Dafür hat sie nach dem Abitur extra ein Jahr „Auszeit“ genommen. „Ein Jahr meines Lebens möchte ich spenden, um meine Zeit, Kraft und Ideen sinnvoll einzusetzen und hoffe, auch neue persönliche Erfahrungen zu machen sowie mich weiter entfalten und entwickeln zu können“, sagt die junge Dohnserin. Aufgeregt sei sie eigentlich überhaupt nicht und vor Heimweh habe sie keine Angst. „Da bin ich nicht der Typ für“, ist sich die Teenagerin sicher. Das Land sei ihr schließlich nicht völlig fremd. Sowohl Ann-Kathrin, als auch ihre vier jüngeren Geschwister sind schon in der Heimat ihrer Mutter gewesen.

Das Hilfswerk ARCO, bei dem Ann-Kathrin jetzt arbeitet, ist eine Organisation, die Kinder aus den Favelas tagsüber betreut. Es gibt warme Mahlzeiten, Musik und Nachhilfe. Um ihnen überhaupt eine Perspektive zu geben, setzen sich die 55 Mitarbeiter dafür ein, das die Kinder eine Ausbildung und Förderung bekommen. Mit Ann-Kathrin sind noch vier weitere freiwillige Helfer aus der ganzen Welt bei ARCO. Rund 600 Kinder im Alter von acht Monaten bis 18 Jahren betreut das Hilfswerk. Um die Kinder aus den Armenvierteln rauszuholen, hat die Organisation bewusst ein Standort im „Grünen“ gewählt.

Die 18-Jährige mit ihren Eltern Martin und Eva Krekeler. Foto: rbo

Ann-Kathrin Krekeler ist aber auch auf der Suche nach ihren eigenen Wurzeln. Da ihre Mutter aus Brasilien stammt, wünscht sich Ann-Kathrin selbstverständlich, dass sie nicht nur Land und Leute kennenlernt. Sie will auch ihre brasilianische Verwandtschaft besuchen und reiste deshalb bereits zwei Wochen vor ihrem offiziellen Dienstbeginn nach Brasilien, um bei Onkel und Oma vorbei zu schauen. Die 400 Euro, die sie dafür aus eigener Tasche zahlen musste, sind es ihr allemal wert, meint sie. Für Ann-Kathrin ist es das vierte Mal, dass sie nach Brasilien fliegt – es ist allerdings das erste Mal, dass sie alleine reist.

Von der Arbeit in ihrer zukünftigen Einsatzstelle in dem Armenviertel von São Paulo erwartet sie neben sozialen Aspekten auch, dass sich ihr Portugiesisch wesentlich verbessert. Mit dem Gedanken, ein Freiwilliges Soziales Jahr zu absolvieren, trägt sich die 18-Jährige schon zwei Jahre. Da sie nach ihrem FSJ ein Studium im sozialen Bereich oder im Tourismus einschlagen möchte, hat sie ihr Praktikum in einem Pariser Kindergarten absolviert. „Als Älteste von fünf Kindern habe ich meine jüngeren Geschwister quasi miterzogen und habe meine Eltern mit allen meinen Möglichkeiten unterstützt“, sagt die Abiturientin des Albert Einstein Gymnasiums in Hameln.

Entschieden hat sie sich für das FSJ aber erst Anfang des Jahres. Da hatten die meisten Organisationen aber bereits ihre Auswahlverfahren abgeschlossen. Nur der Verein „Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners“, eine auf Heilpädagogik, Schule und Kindergarten spezialisierte Einrichtung suchte noch kurzfristig Bewerber. Diese mussten allerdings einen brasilianischen Pass besitzen, da die Beantragung eines Visums möglicherweise zu lange gedauert hätte. Ann-Kathrin besitzt neben ihrem deutschen Pass auch einen brasilianischen – das war also kein Problem.

Viel Freizeit wird Ann-Kathrin in der 20-Millionen-Metropole nicht haben. Der Sonntag ist ihr einziger freier Tag in der Woche. Ihre zwei Wochen Jahresurlaub will sie genau planen. Ann-Katherin möchte „Couchsurfing“ in São Paulo machen. Das bedeutet, man übernachtet bei wildfremden Leuten – eine Art Menschen kennen zu lernen oder rumzukommen, die in Brasilien stark verbreitet ist. Die 100 Euro Taschengeld, die Ann-Kathrin als FSJlerin verdient, wollen schließlich gut verplant sein.

Ann-Kathrin Krekeler ist gerade in São Paulo gelandet. Noch leidet sie unter dem Jetlag. „Von Heimweh aber keine Spur. Foto: pr



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