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Verwaltung stößt an ihre Grenzen / Integrationslotsen sollen Unterstützung leisten

Zahl der Flüchtlinge hat sich verdoppelt

Bad Münder. Seit zwei Jahren steigen die Zahlen der Flüchtlinge, die aus den Krisenherden der Welt nach Deutschland kommen. Auch in Bad Münder haben sich die Zahlen im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt. Es sind Menschen, die vor dem Bürgerkrieg in Syrien fliehen oder vor der Perspektivlosigkeit in den Balkan-Staaten. Die Verwaltung stößt an die Grenzen ihrer Belastbarkeit. Umso mehr unterstützen die Mitarbeiter die Initiative der Tafel, Integrationslotsen auszubilden.

veröffentlicht am 26.07.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 25.10.2016 um 12:58 Uhr

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Autor:

von mira colic
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175 000 Personen, so die Schätzung des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf), könnten in diesem Jahr um eine Aufnahme in der Bundesrepublik bitten – und damit so viele wie noch nie in den vergangenen 20 Jahren. Und das schlägt sich natürlich auch in der Zuweisungsquote für die Kurstadt nieder. 2012 waren es fünf Asylbewerber, die nach Bad Münder kamen, im vergangenen Jahr insgesamt 17. „Im Oktober haben wir 23 Personen zugewiesen bekommen“, erklärt Elisabeth Borcherding von der Verwaltung, „ein Paar ist erst vergangene Woche eingetroffen.“ 31 weitere sollen in den nächsten Monaten kommen. Das hat die am 7. Juli veröffentlichte Zuweisungsquote ergeben – im gesamten Landkreis Hameln-Pyrmont sind es 313. Die Asylbewerber werden nach dem sogenannten Königsteiner Schlüssel auf die Länder verteilt, der sich an Steuereinnahmen und Bevölkerungszahl orientiert.

Die Flüchtlinge kommen aus den Aufnahmelagern in Osnabrück, Braunschweig und Friedland. Entweder werden sie von dort direkt nach Bad Münder gefahren oder in den Zug gesetzt. „Würde man sich stur an die Vorschriften halten, müssten die Flüchtlinge mit dem Bus vom Deisterbahnhof in die Innenstadt fahren“, erklärt Bocherding das Prozedere. Die Aufgabenzuständigkeit der Kommune beschränke sich schlicht auf die „Beschaffung und Erstausstattung des Wohnraumes“.

„Aber natürlich holen wir die Asylbewerber am Bahnhof ab, es kann nicht sein, ihnen einfach einen Fahrplan in die Hand zu drücken“, so Borcherding. Vor Ort seien dann die melderechtlichen Angelegenheiten zu klären, bevor es nach Hameln zur Ausländer- und Leistungsstelle gehe – in Begleitung eines münderschen Verwaltungsmitarbeiters. „Das gehört für uns zu einer Willkommenskultur dazu.“ Bei der zunehmenden Anzahl an Personen falle es jedoch schwer, das personell abzudecken.

Zunehmend schwieriger gestalte sich auch das Finden einer passenden Wohnung – innerhalb von 14 Tagen. So kurzfristig bekommt die Kommune Bescheid. „Viele Vermieter scheuen sich, obwohl der Staat die Miete bezahlt, weil nicht feststeht, wie lange die Menschen hier bleiben.“ Für Notfälle hat die Verwaltung eine städtische Wohnung als Erstwohnung hergerichtet, „falls kurzfristig eine Familie untergebracht werden muss“. Für alleinstehende Männer steht am Theenser Anger ein Flüchtlingsheim zur Verfügung. Dort sind momentan in Einzelzimmern mit Gemeinschaftsbädern und -küche acht Asylbewerber untergebracht. Das Land plant sogar, Sammelunterkünfte im Wendland einzurichten, wo es Räume für Polizisten gibt, die Castortransporte nach Gorleben sichern sollen.

Nach der Unterbringung endet die Zuständigkeit der Verwaltung, theoretisch zumindest. „Aber natürlich ist es menschlich nachvollziehbar, wenn wir die erste Anlaufstelle für Fragen oder Probleme sind, auch wenn es nur um Rundfunkbeiträge geht“, so Borcherding. „Da wir mit weiter steigenden Zahlen rechnen, sind wir darauf angewiesen, auf ehrenamtlicher Basis Unterstützung zu erfahren.“ Ursula Behrens, Leiterin des Familienbüros, fügt hinzu: „Es ist wichtig, ein Gefühl von Nachbarschaftshilfe aufzubauen.“

Helfen sollen nun die Integrationslotsen, die ab September in einem Vhs-Kurs ausgebildet werden. „Mit den 14 Teilnehmern, die sich angemeldet haben, wurden all unsere Erwartungen weit übertroffen“, freut sich Initiator Hermann Wessling. Dabei sei eine tolle Mischung zustande gekommen, mit Menschen aus verschiedenen Ortsteilen und mit unterschiedlichen Berufen sowie kulturellen Hintergründen. Borcherding: „Eine Dame aus der Runde mit einem syrischen Migrationshintergrund hat uns letzte Woche auch schon als Übersetzerin zur Verfügung gestanden.“

„Das Projekt hat nicht nur ehrenamtlich Interessierte, sondern auch Kita-Leiterinnen, Erzieherinnen, Lehrkräfte und einen Sozialarbeiter aus Bad Pyrmont angesprochen“, fügt Wessling hinzu. Gerade in Kitas und Schulen sei es ein großer Vorteil, wenn jemand vor Ort sei, der das nötige Know-how habe, sich in die Lebenswelt von Flüchtlingen und Einwanderern einzufühlen. „In den Einrichtungen wirken die ausgebildeten Integrationslotsen gleichzeitig als Multiplikatoren für das ganze Team“, ergänzt Ulrike Behrens, die die Koordination der Lotsen über das Familienbüro übernimmt.

Auf Unterstützung hofft Borcherding auch durch die neue Koordinierungsstelle für Migration des Landkreises. Dort startet jetzt ein Dolmetscherkurs. Die Verständigung mit den Flüchtlingen funktioniere oftmals nur mit Zeichensprache oder übers Telefon, „wenn die Menschen bereits Verwandte oder Bekannte in Deutschland haben. Vielleicht könnte die Stelle auch die Fahrtkosten der Integrationslotsen übernehmen“, hofft sie. Hilfsbedarf besteht auch bei Sprachkursen, wie sie Bärbel Molitor bereits seit Jahren anbietet.

Die städtische Wohnung in einem münderschen Ortsteil hat die Verwaltung als Notfallunterkunft hergerichtet. Bis April hat hier eine Flüchtlingsfamilie gelebt. Die 3-Zimmer-Wohnung ist allerdings auch für Familien gedacht, die etwa nach einem Brand aus ihrem Haus müssen. Colic



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