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Müllberge an Flüchtlingswohnungen

Lindgren-Schule: Sozialarbeiter gefordert

Bad Münder. Inge Prohaska will nicht in die rechte Ecke gestellt werden, aber aus Sorge den Mund halten, das wolle sie auch nicht. Und hintenrum über ihre Nachbarn, die zwei Flüchtlingsfamilien, die derzeit in den beiden alten Hausmeisterwohnungen der ehemaligen Astrid-Lindgren-Schule wohnen, wolle sie auch nicht reden. Lieber mit ihnen, aber leider habe es bisher weder seitens der Stadt noch seitens des Landkreises Angebote zur Vermittlung gegeben. Währenddessen wachsen die Müllberge auf dem Gelände.

veröffentlicht am 01.03.2016 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 25.10.2016 um 09:20 Uhr

Autor:

Mira Colic
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Angestoßen über die Berichterstattung, dass der Landkreis die alte Schule an einen Investor verkaufen möchte, der daraus Flüchtlingsunterkünfte machen will, möchte Prohaska ihre Bedenken nach anfänglichem Zögern doch schildern: „Wenn ich bei zwei Wohneinheiten an die Entwicklung in den letzen Monaten denke, habe ich ein Problem. Was erwartet uns dann bei zehn Wohneinheiten?“ Wie berichtet, könnten bis zu zehn Wohnungen für maximal 50 Menschen entstehen, die der Landkreis von dem Käufer anmieten würde. „Ich finde es sehr wichtig, die Nachbarn mit ins Boot zu holen“, fordert Prohaska. Sie selbst könne alleine ohne einen Dolmetscher wenig bei ihren neuen Nachbarn ausrichten.

Öffentliche

Info-Veranstaltung „zu gegebener Zeit“

Eine öffentliche Info-Veranstaltung solle es zwar geben, kündigten Bürgermeister Hartmut Büttner und Kreissprecherin Sandra Lummitsch bereits an, aber erst „zu gegebener Zeit“. Nachdem Mitte März der Kreistag offiziell über den Kauf entschieden habe, würde es noch Monate dauern, bis die Umbauarbeiten abgeschlossen seien und die ersten Flüchtlinge einziehen könnten. Bevor es soweit sei, wolle man auf die Menschen zugehen und über die Vorgänge informieren. Dies sei in anderen Kommunen und Gemeinden des Landkreises ähnlich gewesen, so Lummitsch.

Dabei müsse dann auch unbedingt der Investor mit ins Boot geholt werden, fordert Uwe-Peter Keil. Der stellvertretende Stadtbürgermeister wohnt selbst neben der ehemaligen Schule und weiß aus erster Hand von den Sorgen, die Prohaska beschäftigen. Er könne ihre Klagen sehr gut verstehen. „Hier ist der Landkreis in der Pflicht“, betont Keil, der selbst schon mit dem Flüchtlingssozialarbeiter Sven Schnase über die bestehenden Probleme gesprochen habe. Beim Kuckuck, der Hamelner Wohnsiedlung mit großem Ausländeranteil, wurde mit dem Einsatz von Sozialarbeitern gute Erfolge erzielt. Ähnlich soll jetzt am südlichen Teil der Bahnhofstraße vorgegangen werden, habe ihm Schnase erklärt.

Da zeige sich, wie wichtig die Betreuung der Menschen sei, so Keil. Bereits im November 2014, als die erste Anfrage des Landkreises bekannt geworden war, die Schule in ein Flüchtlingsheim umzufunktionieren – damals hatten sich die Pläne schnell wieder zerschlagen – hatte Bad Münders Ortsbürgermeisterin Petra Joumaah auf ein schlüssiges Konzept gepocht, das ein Netzwerk von Sozialarbeitern, Ehrenamtlichen und Sprachkursen beinhalte. An der momentanen Situation werde deutlich, wie recht sie damit habe, so Keil.

Bei den aktuellen Schwierigkeiten sehen sich jedoch auch die münderschen Integrationslotsen machtlos. Sprecherin Monika Bubat warnt aber davor, dies zu pauschalisieren und alle Flüchtlinge über einen Kamm zu scheren: „Ich kann aber die Nachbarn verstehen, wenn man einmal Negatives erlebt hat, ist man sensibilisiert.“

Auch wenn also eine Information noch auf sich warten lassen wird, der Müll ist jetzt da. Vor Weihnachten hat der Landkreis bereits eine Fuhre abtransportieren lassen. Jetzt türmt sich der Abfall erneut. Ihn wieder einfach zu entfernen, bevor mit den Menschen gesprochen worden sei, habe der Landkreis abgelehnt, erklärt Keil. Schließlich wolle man nicht in einer Woche wieder vor dem gleichen Problem stehen. Schnase war gestern vor Ort, um auf die Menschen einzuwirken. Prohaska hofft, dass er erfolgreich war.



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