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Ehemalige SPD-Fraktionschefin will heute Abend alle politischen Ämter niederlegen

Die Nächste, bitte! Auch Völksen verlässt den Rat

Bad Münder. Erst der Bruch mit der SPD, dann der Dauerstreit um die Neuordnung der Schulstandorte: Anja Völksen hat die Nase voll. In der Ratssitzung heute Abend wird sie ihren Rücktritt von allen politischen Ämtern bekannt geben.

veröffentlicht am 09.10.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 25.10.2016 um 12:44 Uhr

Autor:

Marc Fügmann
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Völksen will nicht nur ihr Mandat im Stadtrat niederlegen, sondern auch den Hachmühlener Ortsrat verlassen, wie sie im Gespräch mit unserer Zeitung ankündigte. Die Entscheidung sei keine spontane, sondern nach einer längeren Phase des Abwägens getroffen worden. Schon in den vergangenen Monaten habe sie ihre politische Präsenz etwas zurückgenommen. „Und ich habe schnell festgestellt, dass mir nichts fehlt.“

Die Arbeit in den Gremien habe ihr zuletzt immer mehr Bauchschmerzen bereitet. „Ich habe viele Entscheidungen innerlich nicht mehr mitgetragen“, bekennt sie. Das gelte etwa für die Schließung der Grundschule Hachmühlen, aber auch für den nicht minder umstrittenen Umzug der Grundschule Bad Münder. „Die Kosten sind so hoch, das kann ich mit meinem Gewissen nicht vereinbaren“, macht Völksen deutlich. „Dafür möchte ich nicht den Kopf hinhalten.“ Dass ihr schwere Vorwürfe gemacht worden seien, weil sie sich gegen die Mehrheiten positioniert habe, habe sie sehr verletzt.

Doch Völksen, die sich nach ihrem Austritt aus der SPD vor eineinhalb Jahren der Gruppe ProBürger angeschlossen hat, hadert auch mit grundsätzlichen Dingen. Im Stadtrat gäben seit vielen Jahren dieselben Politiker den Ton an. Platz für Nachwuchs sei nicht da, geschweige denn die Bereitschaft, neue Denkansätze zuzulassen. „Die Luft ist bei mir raus – ich habe einfach keine Lust mehr“, sagt Völksen. Der Rücktritt von allen Ämtern sei daher nur konsequent, „ebenso wie es damals schon mein Austritt aus der SPD war.“ Völksen hatte sich vor zwei Jahren noch als SPD-Fraktionschefin mit einer Gruppe von Genossen solidarisiert, die gegen Parteichef Heinrich Söfjer aufbegehrte. Auf dem Höhepunkt des Machtkampfs warf Söfjer ihr Führungsversagen vor. Versöhnt haben die beiden sich seitdem nicht mehr. „Er hat jedes Gespräch mit mir strikt verweigert“, sagt sie.

Im April 2013 schloss sich die Politikerin mit ProBürger zu einer Ratsgruppe zusammen. Zu der gehörte auch Svenja Witzke, die der SPD ebenfalls den Rücken gekehrt hatte. Ausgerechnet heute wird auch Witzke aus dem Rat verabschiedet. Nach einem beruflichen Wechsel nach Thüringen musste sie ihr Mandat aufgeben. Das hatte im Vorfeld viel Wirbel gegeben. Die Stadtverwaltung hatte Ummeldung und Ratsverzicht beschleunigt – Witzke fühlte sich unsanft hinausgedrängt.

Wenn Völksen ihr nun folgt, wird sich das Personalkarussell nochmals kräftig drehen. Die SPD kann ihre Stimmenmehrheit durch das zweite, ihr zustehende Nachrückermandat weiter ausbauen. Allerdings: Für Völksen wird zumindest heute noch kein Ersatz aufgeboten werden können. Der Rat muss zunächst offiziell den Sitzverlust feststellen. Das dürfte erst im Dezember möglich sein. Die Sozialdemokraten müssen sich also in Geduld üben – diesen kleinen Triumph will Völksen offenbar noch auskosten.



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