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Ehrenamtlicher Unterricht für Asylbewerber an der Kooperativen Gesamtschule gut angelaufen

Deutsche Sprache – schwere Sprache

Bad Münder. „Fadouma kauft Kleidung!“ ist das Arbeitsblatt überschrieben. Die knapp 30 ausländischen Mitbürger, die sich in einem großen Unterrichtsraum der KGS Bad Münder versammelt haben, lesen den Dialog zwischen Fadouma und der Verkäuferin mit lebhaftem Interesse. Worte wie „Kleidungsgröße“, „Sonderangebot“ oder „Umkleidekabine“ aber gehen manchem ziemlich schwer über die Zunge. Was aber dem Spaß am Erlernen der deutschen Sprache keinen Abbruch tut.

veröffentlicht am 08.12.2015 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 25.10.2016 um 09:23 Uhr

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Autor:

Christoph Huppert
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Die Teilnehmer am ersten ehrenamtlichen Deutschkurs kommen aus verschiedenen Ländern und Kulturkreisen. Menschen aus Syrien, Eritrea, dem Sudan, Polen, Litauen und Rumänien sind dabei. Auch die Vorkenntnisse sind äußerst verschieden und reichen von englischsprachigen Studenten bis zu jenen, die kaum lesen und schreiben können.

Für die drei KGS-Pädagogen Finja Winterholler, Dennis Leibeling und Alina Hentschel ist der knapp dreistündige Unterricht daher eine echte Herausforderung. „Super! Toll gemacht! Hier kommt noch eine Zusatzaufgabe für dich“, lobt Leibeling. Der 26-jährige Referendar verteilt ein weiteres Arbeitsblatt, auf dem Kleidungsstücke angebildet sind: das Hemd, die Mütze, die Jacke. Begierig nehmen die erwachsenen Schüler die neuen Vokabeln auf und probieren gleich einmal deren Aussprache. „Nicht Mutze, Mütze“ verbessert Alina Hentschel behutsam.

15 Kolleginnen und Kollegen der KGS haben sich bereiterklärt, in ihren Freistunden ehrenamtlich Deutschunterricht für Ausländer zu geben. „Wir unterrichten dabei im Team, echtes ,team-teaching‘ sozusagen“, erklärt Finja Winterholler. Seit 2013 unterrichtet die 30-Jährige an der KGS Englisch, Geschichte und Deutsch für Ausländer. Rund 80 Prozent der Anwesenden haben schon einige Grundkenntnisse und verstehen die verteilten Alltagstexte zumindest teilweise. Doch die deutsche Sprache ist schwer. Das finden auch Mohamed Alnour, der im Sudan als Lkw-Fahrer gearbeitet hat und jetzt in Eimbeckhausen lebt. Auch sein Nachbar Mieson Melles tut sich mit den Jahreszeiten und den Monatsnamen schwer. „Welche Monate gehören zum Frühling?“ Man hilft sich gegenseitig.

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Das Unterrichtsprojekt ist im Landkreis ein Pilotprojekt, so die KGS-Leiterin Malihe Papastefanou. Die energische 36-Jährige ist sichtlich angetan vom „enormen Motivationsgrad“ der Lernenden.

Methodisch setzt der Sprachunterricht vor allem auf Arbeitsblätter. Die müssen ausgefüllt werden, mal alleine, mal in Partnerarbeit. „Ein von uns handgestricktes Konzept, das auf die völlig unterschiedlichen Voraussetzungen abgestimmt ist“, erklärt die Schulleiterin.

Montags von 10 bis 12.30 Uhr und mittwochs von 9 bis 11.30 Uhr finden die Kurse jeweils statt. Unentgeltlich. „Auch unsere Kollegen finden bei so einer Aufgabe gut zueinander“, so Papastefanou. Neun weitere KGS-Pädagogen haben ihr Interesse an einer Mitarbeit schon angemeldet.

Manche der Teilnehmer wie etwa das rumänische Ehepaar Emiliam und Daniela Roman aus Eimbeckhausen haben einige ihrer acht Kinder bereits an der KGS. „Auch das fördert die Motivation“, sagt Papastefanou.

Trotzdem kommen manche an diesem Vormittag ganz schön ins Schwitzen. Sätze wie „Wir bauen einen Schneemann“ oder „Wir fahren Schlitten“ haben schon so ihre Tücken, ganz zu schweigen vom Unterschied zwischen „muss“ und „müssen“. Deutsche Sprache ist eben eine wirklich schwere Sprache. Egal. Als Mieson endlich die Worte „die Socken“ und „Umkleidekabine“ fehlerfrei über die Lippen kommen, strahlt er. „Ich kaufe der Mantel. Wo ist die Kasse?“ grinst er.

Referendar Dennis Leibeling (li.) ist einer von 15 Kollegen an der KGS, die ehrenamtlich Asylbewerber unterrichten. Foto re.: Mieson Melles (li.) und Mohamed Alnour helfen sich gegenseitig beim Lösen der Aufgaben.Huppert (2)



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