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Die Zukunft im Blick: In Flegessen, Klein Süntel und Hasperde schieben viele Interessierte ein großes Projekt an

Der Dorfladen

Flegessen. Acht Ecken, ein abnehmbares Dach und Ladenmobiliar im Innern: Was auf den ersten Blick an eine Puppenstube erinnert, ist ein Modell des Projektes, das in Flegessen, Klein Süntel und Hasperde einen Großteil der Einwohner in einer bislang in der Region beispiellosen Aktion zusammengeschweißt hat: die Realisierung eines eigenen Dorfladens.

veröffentlicht am 15.03.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 18.01.2017 um 09:22 Uhr

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Jens Rathmann Redakteur zur Autorenseite
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„Schule. Kneipe. Laden“, war die Antwort des renommierten Dorf-Experten Prof. Gerhard Henkel beim Besuch in Flegessen auf die Frage, was ein zukunftsfähiges Dorf heute ausmache. Mit seiner Antwort bestätigte er den Weg, der in Flegessen, Klein Süntel und Hasperde schon eingeschlagen war und bestärkte die Teilnehmer der Ideenwerkstatt, ihre Bemühungen zu intensivieren. Die Kneipe als Restaurant oder Café gibt es, um den Erhalt der Schule wurde erfolgreich gestritten. Fehlte nur der Dorfladen, und der ist eines der engagiertesten der 85 Vorhaben, die in der Ideenwerkstatt der drei Orte vor rund zwei Jahren entwickelt wurden. Gerade hat der Laden die entscheidende Hürde von der Idee zur Realisierung genommen: Der Projektgruppe ist es gelungen, in den drei Orten zahlreiche Mitstreiter und Interessierte zu begeistern, die Finanzierung sicherzustellen und inzwischen auch ein zentral in Flegessen gelegenes Grundstück zu kaufen.

Dieser Kauf war es, der den Mitgliedern der Gruppe bis zuletzt Bauchschmerzen bereitete und sie veranlasste, kaum außerhalb der Orte über ihr Vorhaben zu berichten. Das Gebäude samt Grundstück, das für das Dorfladen-Vorhaben ausgeguckt worden war, befand sich in der Zwangsversteigerung – und ein zu frühes Bekanntwerden der Pläne hätte den Preis in eine Höhe treiben können, die die zur Verfügung stehende Summe überschritten hätte, so die Befürchtung. Engen Kontakt hielt die Gruppe zur Eigentümerin des Gebäudes. „Es war uns sehr wichtig, dass sie immer über den aktuellen Stand informiert war“, sagt Beatrix Nehmann.

Im vergangenen November gingen die Mitglieder der Projektgruppe in die Offensive: Erste Pläne für das Gebäude waren gezeichnet, der Rahmen für eine Realisierung von Bau und Ladenbetrieb umrissen, der Finanzierungsbedarf festgestellt. „Wir haben den Ball ans Dorf gegeben“, sagt Henning Austmann, einer der Motoren des Dorfladen-Vorhabens. Ganz klar stellte seine Gruppe heraus, dass Eigenleistung wichtig sei, alleine aber nicht ausreichen würde.

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Und die Reaktion überraschte selbst optimistische Gruppenmitglieder: In nur zwei Monaten sammelten sie 80 000 Euro Eigenkapital ein. Wie? Indem sie Begeisterung für das Projekt weckten, selbst fest an das Gelingen glaubten und unermüdlich dafür arbeiteten. 600 DVDs wurden zur Weihnachtszeit an alle Haushalte in den drei Dörfern verteilt. Darauf ein Film, der das Projekt vorstellte und die Begeisterung der Unterstützer transportierte. Postkarten erinnerten an das lediglich kleine Zeitfenster, das zum Einsammeln der benötigten Summe zur Verfügung stand. Von 100 Euro bis 5000 Euro reichten die Summen, mit denen sich Einwohner der drei Orte, aber auch Freunde und Angehörige von außerhalb beteiligten. Mit ihren Anteilen wurden 250 Personen stille Gesellschafter einer Unternehmergesellschaft, der das Gebäude des Dorfladens gehören wird.

Die Gesellschaft wird den Laden an einen Verein vermieten, der aus dem bestehenden Verein „Süntelkörner“ heraus entwickelt wird. Den hatte eine Gruppe um Marion Hecht bereits 2010 in Flegessen gegründet.

Mit dem Erwerb des Grundstücks beginnt nun eine neue Phase. Das bestehende Gebäude soll einem modernen achteckigen Bau weichen, den Architekt Peter Nehmann entworfen hat. Erstellt werden soll es in umweltfreundlicher Holzrahmenbauweise mit Strohballen und Lehmverputz. „Das hat auch den Vorteil, dass wir aktiv selbst mitarbeiten können. Wieder einmal, denn damit sind in Flegessen bereits sehr gute Erfahrungen gemacht worden“, erklärt Austmann. Für ihn steht dieser Teil unter der Überschrift: „Eine engagierte Dörfergemeinschaft packt weiter an“. Die Eigenleistung hilft auch, die Kosten zu reduzieren. Rund 225 000 Euro wird das Projekt voraussichtlich kosten. Preisgelder, die die Ideenwerkstatt in den vergangenen Monaten gewonnen hat, sollen in die Innenausstattung des Ladens fließen. Angestrebt wird eine Fertigstellung noch in diesem Jahr.

Wichtig ist den Initiatoren: „Jeder kann im Dorfladen einkaufen“, erklärt Inse Brandes, Mitglied der Dorfladen-Gruppe. Sie teilt die Begeisterung über die Euphorie, mit der Menschen aller Altersstufen in den drei Dörfern sich für das Vorhaben einsetzen. „Es wird der Dorfladen aller drei Orte. Wir freuen uns, dass es so viele Menschen gibt, die bereit sind, unkonventionell zu denken und die erkennen, was alles machbar ist“, sagt Austmann.

Für Marion Hecht beschreibt die Feststellung einer anderen Einwohnerin die Situation in Flegessen perfekt: „Zehn Jahre ist in diesem Dorf nichts passiert – und jetzt passiert so viel, dass man kaum noch weiß, was man zuerst machen soll.“



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