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Friseurin Beate Schäfer geht in Rente – und damit muss der Laden in Flegessen wohl nach 50 Jahren schließen

Das Ende für „Die Locke“?

FLEGESSEN. „Viele Kunden, die bereits als Kinder hier waren, sind jetzt schon erwachsen und kommen immer noch her“, erzählt Beate Schäfer. Seit 38 Jahren führt sie das Friseurgeschäft „Die Locke“ in Flegessen. Im September ist Schluss – sowohl für Schäfer, die in Rente geht, als wahrscheinlich auch für den Laden. Denn ein Nachfolger hat sich bisher noch nicht gefunden.

veröffentlicht am 04.05.2018 um 06:00 Uhr

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Johanna Lindermann Redakteurin zur Autorenseite
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„Unsere Kunden sind alle traurig“, sagt Schäfer. Viele schauten bereits seit Jahren regelmäßig vorbei, sowohl Ältere als auch Kinder – „viele schon seit 38 Jahren.“ Die Kunden kämen dabei nicht nur aus Flegessen und Klein Süntel, sondern auch vielfach aus dem Umland. „Wir haben auch Kunden aus Duderstadt, die kommen seit 20 Jahren her“, sagt Schäfer. Die Stammkundschaft sei all die Jahre geblieben. „Es hat sich immer gelohnt für uns“, so Schäfer. Auch jetzt, obwohl sich bereits herumgesprochen habe, dass der Laden schließt, kämen noch neue Kunden.

„Der Kundenstamm für einen Nachfolger wäre also da“, sagt Schäfer. „Und das ist viel wert.“ Außer einem Anstrich der Wände müsste vorerst auch nichts in dem Laden am Grabenfeld gemacht werden, fügt Ehemann Lutz Schäfer hinzu. Trotzdem hat sich bislang noch niemand gefunden.

Lutz Schäfer meint auch, den Grund dafür zu kennen: „Alles zieht sich in die Städte“, bedauert er. Dabei bestünden dort große Nachteile: „In der Stadt muss man erst lange einen Parkplatz suchen, wenn man Pech hat, so lange, bis der Termin vorbei ist. Und wenn es beim Friseur dann länger dauert, ist die Parkuhr schon abgelaufen“, sagt Lutz Schäfer. Bei der „Locke“ hingegen gebe es genug Parkplätze direkt vor der Tür, und Parkuhren sucht man hier vergeblich. Auch Beate Schäfer meint: „Es ist hier viel persönlicher als in der Stadt. Viele Kunden kennen wir von klein auf. Man fühlt sich hier nicht fremd.“ Zudem seien die Preise in den Städten oft höher.

Doch Lutz Schäfer kennt auch noch einen weiteren Grund, warum sich bislang noch kein Nachfolger gefunden hat: „Es gibt immer weniger Friseure. Die Niedriglöhne bringen die ganze Branche in Verruf. Darunter leiden alle Handwerksbereiche.“ Die Löhne müssten angehoben werden, damit der Beruf mehr geschätzt werde, meinte Beate Schäfer. Als sie mit 22 Jahren das Geschäft in Flegessen übernahm, das es zu dem Zeitpunkt bereits rund zehn Jahre gab, war „spannend, einen eigenen Laden zu haben“, erzählt sie. „Heute legen die Leute aber oft mehr Wert auf ihre Freizeit als darauf, einen Laden zu führen.“ Deshalb könnte sie sich auch vorstellen, dass zwei oder drei Friseurinnen oder Friseure sich das Geschäft teilen könnten.

Beate Schäfer stammt aus einer Friseurfamilie aus Hessisch Oldendorf. Alle Geschwister gingen beim Vater in die Lehre, nach der Meisterprüfung übernahm sie den Laden in Flegessen. Der Name „Die Locke“ stammt übrigens von ihrem Ehemann – „ich hatte früher Locken“, erzählt Lutz Schäfer schmunzelnd.

Die ersten vier Jahre fuhren die Schäfers noch täglich von Hessisch Oldendorf aus nach Flegessen, Ende der 80er Jahre bauten sie dann in Klein Süntel. „Das war schön, unsere Kinder konnten dann immer in den Laden kommen“, erzählt Beate Schäfer.

Bereut hat sie „Die Locke“ nie, auch jetzt nicht. „Die Arbeit macht mir noch immer Spaß.“



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