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Zwei Expertinnen erklären, was sich hinter Hospiz verbirgt

„Beschützen und wertschätzen“

Bad Münder. Das Hospiz Bad Münder wurde im Dezember 2007 eröffnet, der Hospizverein Springe, der auch Sprechstunden in der Kurstadt anbietet, besteht seit 18 Jahren. Und dennoch sei den meisten Menschen kaum bewusst, welche Arbeit dort geleistet werde – so die Erfahrung von Einrichtungsleiterin Agnes Schulze Althoff und von Susanne Rokahr, die seit zwölf Jahren beim Hospizverein als Koordinatorin arbeitet. Viele würden es vielleicht auch nicht wissen wollen, zu bedrohlich klinge der Begriff „Hospiz“, weil er mit Sterben assoziiert werde. Und damit würden sich natürlich die wenigsten befassen wollen.

veröffentlicht am 27.02.2016 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 25.10.2016 um 09:20 Uhr

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Autor:

mira Colic
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„Uns ist es schon seit Langem ein Bedürfnis, einfach mal darzustellen, was sich hinter ,Hospiz‘ verbirgt“, sagt Rokahr. Für Schulze Althoff sind es zwei Wörter, die beschreiben, um was es bei der hospizlichen Haltung geht: „Beschützen und wertschätzen.“ Und zwar Schwerstkranke oder alte Menschen, die am Ende ihres Lebens angekommen sind. „Der beste Manager für sein Wohlbefinden ist der Betroffene selbst“, weiß Schulze Althoff. Wichtig sei, zwischen den Zeilen zu lesen, um die Bedürfnisse zu erkennen – egal, ob bei der stationären Betreuung im Hospiz oder der ambulanten Begleitung durch den Verein.

Häufig würden beide Institutionen verwechselt, „und ich bekomme dann Anrufe, ob ich noch ein Bett freihabe“, so die Koordinatorin. „Unsere 30 ehrenamtlichen Begleiter besuchen die Menschen dort, wo sie es wünschen, zu Hause, im Krankenhaus, Pflegeheim oder eben auch im Hospiz.“ Dies sei allerdings nicht mit einem Besuchsdienst zu verwechseln, betont Rokahr, schließlich seien alle Begleiter ausgebildet, um wirklich auf die Bedürfnisse der Menschen eingehen zu können. Und das ohne Vorurteile oder Bewertungen.

Rokahr weiß: „Die Ehrenamtlichen müssen sich wirklich mit ihrer eigenen Sterblichkeit auseinandergesetzt haben, um sich sinnvoll einbringen zu können.“ Schulze Althoff fügt hinzu: „Der Begleitende ist der Bestimmende, wie bei einem Musikstück, bei der die Sängerin vom Klavier begleitet wird.“

Zurück bekomme man unglaublich viel Dankbarkeit, wissen die beiden Frauen. „Die Betroffenen wollen nicht über den Tod oder das Sterben sprechen, sondern über ihr Leben“, hat Schulze Althoff die Erfahrung gemacht. „Innerhalb einer halben Stunde kennt man häufig die wichtigsten Lebensabschnitte“, sagt auch Rokahr. Dieses Erzählen lassen, mehr brauche es meist gar nicht.

Es seien aber auch die Angehörigen, die ein offenes Ohr bräuchten, sich zurückversetzt fühlten oder um Ratschläge bitten. „Wir versuchen durch Fragen, die Menschen behutsam zu einer eigenen Antwort zu führen“, so Rokahr.

„Denn auch sie müssen sich von vielleicht noch gemeinsam geschmiedeten Plänen und Träumen verabschieden und sich auf den Verlust eines geliebten Menschen einstellen“, ergänzt Schulze Althoff. Die Leiterin verweist gerne auf das lateinische Wort „hospitium“ – Herberge. „Ich sehe dies hier als Raum, um aufzutanken, um Rast zu machen, bevor man sich auf den Weg begibt, der vor einem liegt.“ Diesen Weg für den Betroffenen so leicht wie möglich zu machen, eine Wohlfühl-Atmosphäre zu schaffen, sei das Ziel. „Wir gucken also nicht auf die Krankheit, sondern auf die Auswirkungen dieser“, so Schulze Althoff. Rokahr nickt: „Um diese Zeit zu gestalten und mit Leben zu füllen.“

Susanne Rokahr (li.) und Agnes Schulze Althoff wollen Hospizarbeit als Feiern des Lebens verstanden wissen. col



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