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Kirchen kämpfen mit massivem Mitgliederschwund / Neues Verfahren bei Kirchensteuer auf Kapitalerträge

Austritte durch Steuer-Einzug?

Bad Münder. Immer mehr Münderaner verlassen die Kirchen – im vergangenen Jahr stieg die Zahl sogar sprunghaft an: 148 erklärten ihren Kirchenaustritt. Im Jahr 2013 waren es noch 97, und selbst diese Zahl war nach dem Bekanntwerden der Vorgänge um den Limburger Bischof Tebartz-van Elst bereits höher als in den Vorjahren.

veröffentlicht am 28.01.2015 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 17.01.2017 um 16:04 Uhr

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Jens Rathmann Redakteur zur Autorenseite
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22 Mitglieder traten im vergangenen Jahr aus der römisch-katholischen Kirche aus, 126 aus der evangelisch-lutherischen Kirche. 2013 registrierte das Standesamt in Bad Münder noch 20 Austritte aus der römisch-katholischen Kirche, 76 Austritte aus der evangelisch-lutherischen und einen Austritt aus der evangelisch-reformierten Kirche. Über die Gründe der Austrittswelle kann Pamela Bogorinsky, Standesbeamtin im Steinhof, nur spekulieren: „Wir fragen die Motive für den Austritt nicht ab. Aber viele berichten von sich aus, dass sie auf ein Schreiben von ihrer Bank reagieren“, erklärt sie. In den Mitteilungen der Geldinstitute ging es um die Ankündigung des seit diesem Jahr geltenden neuen Verfahrens bei der Erhebung von Kirchensteuer auf die Kapitalertragsteuer. Seit 1. Januar sind die Banken per Gesetz verpflichtet, die Kirchensteuer auf Kapitalerträge abzuführen. Bis dahin mussten sie Steuerpflichtige selbstständig in ihrer Steuererklärung angeben. An der Höhe ändert sich nichts – doch jetzt wird die Kirchensteuer auf Kapitalerträge automatisch einbehalten.

Die Zahlen aus Bad Münder decken sich mit der bundesweiten Tendenz: Tatsächlich glauben Beobachter, dass im Jahr 2014 die Zahl der Austritte in beiden christlichen Großkirchen – katholisch wie evangelisch – auf ein Rekordniveau gestiegen sein wird. Es ist sogar schon von der größten Austrittswelle in der Geschichte der katholischen Kirche die Rede. Offizielle Zahlen über die Entwicklung wird es erst Mitte des Jahres geben, heißt es beim Bistum Hildesheim, eine Kommentierung sei daher nicht möglich. Auch Johannes Neukirch, Pressesprecher der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, wird erst im Mai oder Juni die offiziellen Zahlen haben. Dass die Zahl der Austritte höher liegen wird, kündige sich bereits an: „Pastoren berichten uns über Gespräche und die Verärgerung der Menschen“, sagt Neukirch. Der Verweis auf die Erhebung von Kirchensteuer auf die Kapitalertragsteuer sei ein Indiz für die Gründe. Neukirch: „Damit müssen wir nun klarkommen.“ Er macht deutlich, dass es sich nicht um eine neue Kirchensteuer handle, da Einkünfte aus Kapitalvermögen schon immer einkommensteuerpflichtig – und damit auch kirchensteuerpflichtig – waren. Zudem seien nur „erhebliche Vermögen“ betroffen – im Fall der Musterrechnung der Landeskirche fallen für ein Sparvermögen von 200 000 Euro bei einem Ehepaar 9 Euro Kirchensteuer an.

Wer glaubt, mit dem Kirchenaustritt Geld zu sparen, wird bei Bogorinsky und ihren Kolleginnen in Bad Münder zunächst einmal eines Besseren belehrt: Der Kirchenaustritt kann nur persönlich im Standesamt erklärt werden. Neben einem Personalausweis müssen Austrittswillige Geld dabei haben: 25 Euro Gebühren werden fällig.



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