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Zukunft der Awo GSD nach Absage ungewiss / Verdi befürchtet Schließung der Krankenhäuser

Ärzte lehnen Sanierungsplan ab

Bad Münder / Hann. Münden. Ist das nun das Aus für die insolventen Awo-GSD-Einrichtungen in Bad Münder, Hannover und Hann. Münden? Wie gestern bekannt wurde, haben die im Marburger Bund organisierten Ärzte am Standort Hann. Münden den Sanierungsplan tatsächlich abgelehnt. Sie bezweifeln die Erfolgschancen des vom Investor vorgelegten Konzepts. Vertreter der Gewerkschaft Verdi hatten im Vorfeld der Abstimmung in der vergangenen Woche bereits die Sorge geäußert, dass sich die organisierte Ärzteschaft gegen das Konzept aussprechen wird – und damit massiv die Gefahr besteht, dass das an einer Übernahme interessierte Konsortium abspringen wird.

veröffentlicht am 30.07.2015 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 25.10.2016 um 09:25 Uhr

Autor:

Mira Colic
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Obwohl bereits im Vorfeld kritische Stimmen in der Ärzteschaft laut geworden waren, zeigte sich Gewerkschaftssekretärin Julia Niekamp gestern überrascht von der Entwicklung. Schließlich müssten auch die Verdi-Mitglieder deutliche Einschnitte hinnehmen. Das Pflegepersonal hatte dem bereits zugestimmt. Ebenso Ärzte und Pflegepersonal in Bad Münder. Allerdings: Nur unter der Prämisse, dass alle diesen Weg gemeinsam gehen. „Wir sind auch keine Freunde davon, Sanierungsbeiträge für insolvenzgefährdete Unternehmen zu leisten, aber es geht hier um Arbeitsplatzsicherung“, so Niekamp. 900 Arbeitsplätze seien nun massiv gefährdet, „und das durch eine Entscheidung von 30 Ärzten. Sie müssen sich überlegen, ob sie die moralische Verantwortung tragen können.“

Das ausgehandelte Eckpunktepapier enthielt etwa den Verzicht auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld bis 2019. Betriebsbedingte Kündigungen sollten dafür ebenfalls bis 2019 ausgeschlossen sein. „Die Ärzte wollen solch einen Beitrag offenbar nicht leisten, aber mit uns alleine kann es solch eine Regelung nicht geben“, macht Niekamp deutlich. Ihre Sorge: Wenn es jetzt nicht doch zu einer schnellen Lösung kommt, springt der Investor ab und der Insolvenzverwalter schließt ab. „Dann stehen in drei Monaten alle Mitarbeiter auf der Straße.“

So schwarz möchte Sven De Noni, Landesgeschäftsführer des Marburger Bundes, die Situation nicht malen: „Ich gehe davon aus, dass es einen Plan B gibt und nicht nächste Woche die Eingangstüren zugenagelt werden.“ Die Entscheidung der Ärzte – eine Zweidrittelmehrheit sei dagegen gewesen – richte sich jedoch weder gegen einen Standort noch gegen den Investor, betont de Noni. Man habe in den zurückliegenden Verhandlungstagen mit dem Investor und Verdi wiederholt Zweifel an den Erfolgschancen des vorgelegten Sanierungskonzeptes angemeldet. Die Ärztegewerkschaft befürchtet, dass die in der Sanierungsphase vorgesehenen Leistungssteigerungen nur durch Mehrbelastung, zusätzliche Dienste und Überstunden zu leisten seien.

„Dass es für die Beschäftigten ab Dezember 2015 zu einer Kürzung der Einkommen von etwas mehr als neun Prozent kommt, ist alles, aber kein Personalgewinnungskonzept“, so De Noni. Zu der fünfprozentigen Lohnabschlagszahlung, die als Sanierungsbeitrag im Konzept steht, rechnet der Marburger Bund mit den Tarifsteigerungen, die die Awo GSD dann wohl auch nicht mehr mittragen würden. „Damit zementiert man den Personalmangel. In dieser Konstellation ist keine vernünftige Medizin zu machen, egal, wie seriös das Konzept des Investors ist.“ Zu keinem Zeitpunkt habe man die Mitarbeiter bei den Verhandlungen ins Boot geholt. Die Konsequenz sei, dass erste Leistungsträger bereits gekündigt hätten. Aus diesem Grund sei man nicht bereit, einen Plan, der zum Scheitern verurteilt sei, mitzutragen. „Wir sind aber weiterhin gesprächsbereit“, so De Noni.

Gesprächsbedarf wird es sicherlich auf allen Seiten geben.



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