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Verträge unterzeichnet: Bundeseigene Gesellschaft ab Januar für AKW-Zwischenlager zuständig

Zwischenlager Grohnde: Strahlendes Erbe in neuer Verantwortung

EMMERTHAL. Und plötzlich ging alles schnell nach intensiven Vorarbeiten: Preussen Elektra als Eon-Tochter übergibt die Verantwortung für das Zwischenlager für abgebrannte Brennelemente am Atomkraftwerk Grohnde in staatliche Hände. Mit Beginn des nächsten Jahres ist die bundeseigene Gesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) mit Sitz in Essen dann zuständig für die in Castoren eingelagerten hochradioaktiven Abfälle in Grohnde – wie auch für alle anderen Standorte an Kernkraftwerken. Die Verträge seien in der vergangenen Woche unterzeichnet worden, bestätigten Sprecher beider Unternehmen auf Nachfrage unserer Zeitung.

veröffentlicht am 18.12.2018 um 17:19 Uhr

Sogar ein eigener Stromanschluss ist notwendig. Bislang war das Zwischenlager für hochradioaktive Abfälle (rechts) nicht autark. Zahlreiche Planungen und Vorbereitungen waren notwendig. Zu den Bauarbeiten am Kraftwerksgelände gehörte beispielsweise e
Christian Branahl

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Christian Branahl Reporter / Newsdesk zur Autorenseite

„Ein reibungsloser Übergang“ könne stattfinden, erklärt Almut Zyweck für Preussen Elektra. Und für die BGZ teilt Burghard Rosen mit: „Wir werden ab dem 1. Januar 2019 mit einer eigenen Betriebsmannschaft und einem Leiter des Zwischenlagers den genehmigungskonformen und sicheren Betrieb des Zwischenlagers Grohnde gewährleisten.“

Wie berichtet, war der Milliardendeal zwischen Politik und Energiekonzernen ausgehandelt und 2017 vertraglich festgelegt worden. Was herauskam: das „Gesetz zur Neuordnung der Verantwortung in der kerntechnischen Entsorgung“. Damit wurden die Verantwortlichkeiten für die Stilllegung und den Rückbau der Kernkraftwerke sowie für die Entsorgung der radioaktiven Abfälle neu geregelt. Die Betreiber der Kernkraftwerke sind nach diesem Gesetz für deren Stilllegung und Rückbau sowie die fachgerechte Verpackung der radioaktiven Abfälle zuständig. Die Durchführung und Finanzierung der Zwischen- und Endlagerung liegt nun in der Verantwortung des Bundes. Dafür war die BGZ gegründet worden. Das strahlende Erbe befindet sich damit künftig in gesamtgesellschaftlicher Verantwortung. Die Energiekonzerne überwiesen dafür insgesamt 24,1 Milliarden Euro an den Bund, um über einen Fonds langfristig die Zwischen- und Endlagerung zu finanzieren. Allein für Grohnde beträgt die Summe 1,4 Milliarden Euro.

Was in dem 16-seitigen Gesetzestext juristisch geregelt ist, musste allerdings in den Folgemonaten der Realität angepasst werden. Ein Zwischenlager zu übertragen, wie es in den Paragrafen lapidar heißt, bedeutet am Beispiel Grohnde, die Rahmenbedingungen zu schaffen. Das Zwischenlager war bislang nicht autark, sondern mitten auf dem Kraftwerksgelände in die gemeinsame Infrastruktur mit den AKW-Beschäftigten eingebunden. Die „kritische Phase“ sei längst überwunden, die Vorarbeiten mit „sehr vielen intensivsten Gesprächen und Planungen“ erfolgreich verlaufen, meint Rosen für die BGZ. Vielleicht nur eine Randnotiz, die aber die Vielfalt der zu beachtenden Probleme beschreibt: Selbst das Wegerecht auf den Verkehrswegen des weitläufigen und umzäunten AKW-Areals musste der neue Betreiber regeln.

Blick in das 93 Meter lange und 27 Meter breite Zwischenlager: In den Castor-Spezialbehältern (Stand: Sommer) befinden sich die abgebrannten Brennelemente aus dem Reaktor. Foto: cb
  • Blick in das 93 Meter lange und 27 Meter breite Zwischenlager: In den Castor-Spezialbehältern (Stand: Sommer) befinden sich die abgebrannten Brennelemente aus dem Reaktor. Foto: cb

Bislang hatte das Zwischenlager keine eigene Stromversorgung. Inzwischen wurde eine 30-kV-Trafostation für das Gebäude gesetzt, beispielsweise auch eine schnelle Datenleitung der Telekom verlegt. Für Anfang 2019 ist laut Zyweck vorgesehen, dass die BGZ ihre Verwaltung in Büro-Containern erhält. „Nach derzeitigem Stand“ würden mehrere Mitarbeiter des Kernkraftwerkes zur BGZ wechseln, erklärt die Preussen-Elektra-Sprecherin. Einige Aufgaben würden im Rahmen eines Dienstleistungsverhältnisses übernommen, zum Beispiel die Durchführung von wiederkehrenden Prüfungen und die Fortsetzung bestimmter Projekte, die bereits begonnen haben, wie die Optimierungsmaßnahmen zum Objektschutz. Darüber hinaus sei sichergesellt, dass die Bewachung am Standort wie gehabt durch die dafür beauftragte Firma durchgeführt werde. Zyweck weiter: „All dies erfolgt in enger Abstimmung und mit Zustimmung durch die Aufsichtsbehörde.“

Zusätzlich habe die BGZ Verträge mit externen Dienstleistern geschlossen, wie deren Sprecher erklärt. Eine Übergangssituation, die sich zunächst ab Jahresbeginn ergibt. Rosen: „Ziel ist ein vom Kraftwerk völlig unabhängiger Zwischenlagerbetrieb.“



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