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Wie Simona Hartje bei der weltberühmten Artistenfamilie Traber einen wagemutigen Auftritt schaffte

Zwischen Himmel und Erde – in 52 Meter Höhe

Ludwigshafen/Reinerbeck. Ist es der Nervenkitzel, der sie reizt, auf einem 52 Meter hohen Mast akrobatische Kunststücke zu zeigen? Simona Hartje aus Reinerbeck sieht es eher als Herausforderung, als sie von der weltberühmten Hochseilartisten-Familie Traber das Angebot bekommt, mit dieser spektakulären Nummer in Ludwigshafen aufzutreten. Auch wenn die junge Frau das Publikum in der Vergangenheit immer wieder als Hobbyartistin am Trapez das Publikum begeistert: Die Show mit der Johann-Traber-Familie, die regelmäßig neue Rekorde in schwindelerregender Höhe aufstellt, bedeutet eine ganz andere Dimension. Simona Hartje, die in Freiburg hauptberuflich in einem großen Unternehmen im Export arbeitet, sagte zu – und begann mit dem Training.

veröffentlicht am 15.11.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 23:21 Uhr

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Autor:

Willi Jürgens
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Besonders in den 90er Jahren war sie ein Begriff in Reinerbeck und im Hamelner Raum. Mit ihrer Schwester Kerstin präsentierte Simona Hartje als „Fantastic Sisters“ Jonglage, Akrobatik und Artistik Trapez. Ein Höhepunkt: die Premiere im Jahre 1997 in der Rattenfänger-Halle am Doppeltrapez. Inzwischen beruflich tätig in Freiburg/Breisgau, gab es 2010 ein Comeback mit Schwester Kerstin – eine spektakuläre Luftartistikdarbietung mit Trapez und Vertikaltuch. Sie treten auf Hochzeiten und Feiern auf, sind nach einer Pause mit diesem Programm wieder zu buchen, jetzt mit professionellem Außengestell von sechs Meter Höhe für Kunststücke in der Luft. Simona Hartje tritt außerdem auch allein in Freiburg auf.

Im Sommer 2010 bekam sie einen Anruf von der Artistenfamilie Traber aus Breisach. „Da war ich zunächst erst einmal völlig platt“, sagt Simona Hartje, nahm aber die Einladung zu einer Show und später zum Training doch gern an. „Ich wollte ganz einfach einmal die Luft am 52 Meter hohen Stahl- und Peitschenmast schnuppern“, ergänzt sie. Sie weiß um die Gefahren. Im Jahre 2006 verunglückte Johann Traber junior im Alter von 22 an diesem Mast – lange Zeit war offen, ob er wieder als Artist arbeiten könnte. Der Junior ist längst wieder dabei, auch an jedem Trainingstag von Simona Hartje. Er ließ sie nicht aus den Augen, gab ihr ständig wertvolle Tipps und machte ihr Mut. Das war zu Beginn des Trainings und „nur“ in einer Höhe von 20 Metern. „Ich war ungeheuer aufgeregt“, erzählt Simona Hartje weiter, „denn 20 Meter sind schon sehr, sehr hoch.“ Auf der Spitze brachte sie den Peitschenmasten zum Schwanken und absolvierte oben verschiedene Figuren. Das Schlimmste war das Hinstellen. „Und dann noch auf einem Bein stehen – das war für mich die größte Überwindung, denn dort oben gibt es nur eine winzige Plattform, das Ganze ist nur ein kleiner Stahlfuß. Mein Herz raste, auch als ich wieder auf der Erde war.“ Ihr war ziemlich schwindelig, konnte nicht geradeaus laufen, weil sie immer noch schwankte.

Nur eineinhalb Wochen später ging es auf 40 Meter – also doppelte Höhe. Simona Hartje: „Aber zu diesem Zeitpunkt hatte ich schon Routine im Hochklettern – es machte mir (fast) nichts mehr aus. Und als ich das denn geschafft hatte, war mir klar: Jetzt fehlen nur noch zwölf Meter!“

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Das war nach gut zwei Wochen Training – die Traber-Familie baute den Mast ab für drei Auftritts-Tage in Ludwigshafen. Sie begannen an dem Tag, an dem Simona Hartje ursprünglich ihren 30. Geburtstag in Freiburg mit ihren Eltern Gerlinde und Heinz Hartje, die aus Reinerbeck anreisten, feiern wollte. Das aber sollte sich gründlich ändern – Johann Traber senior als Chef der Traber-Truppe machte ihr ein Premieren-Angebot – in Ludwigshafen erstmals in 52 Meter Höhe aufzutreten. Simona Hartje: „Mein Gott – Premiere am Stahlmast in 52 Meter Höhe, zwischen Himmel und Erde – und das an meinem 30. Geburtstag! Ich sagte Ja zu dieser Herausforderung.“

Dann der große Tag – es ging nach oben. Der Hochseilmast stand direkt an der Rhein-Promenade. „Ich hatte von dessen Spitze einen wahnsinnigen Ausblick – die Show war perfekt“, fasst sie zusammen. „Genossen allerdings habe ich diesen Ausblick aber kaum, ich war viel zu aufgeregt und musste mich bis ins Kleinste konzentrieren. Und dennoch: Es war ein tolles Gefühl! Die Menschen unten ganz klein und ich auf diesem Mast!“

Ihr Vater schaute mit dem Fernrohr zu, die Mutter schoss ein Foto nach dem anderen. „Beide waren mehr als erleichtert, als ich wieder unten war und meine Figuren in 52 Meter Höhe beendet hatte“, sagt die Tochter. „Dann musste ich Autogramme schreiben – ganz Ludwigshafen gratulierte mir zum Geburtstag. Auch ich war erleichtert – nach solch einem ersten Auftritt sieht man das Leben mit völlig anderen Augen. Wie schnell kann es vorbei sein, wie schnell kann ein Unglück passieren, so wie damals“, erinnert sie an den Unfall von Johann Traber junior, bei dem ein Materialfehler als Ursache galt.

Jetzt ist erst einmal Wintersaison, aber die Traber-Familie tritt auch bei Minustemperaturen auf. „Ich aber lasse den Winter erst einmal verstreichen“, so Simona Hartje. „Ich warte auf den nächsten Sommer. Dann wird sich zeigen, was kommt und für was ich mich entscheiden werde. Jetzt kann und möchte ich mich noch nicht festlegen.“ Schließlich habe sie ja auch einen Hauptberuf, der ihr viel Spaß mache, sagt die in Freiburg lebende junge Frau, die Reinerbeck weiterhin als ihren „Hauptwohnsitz“ bezeichnet. Dennoch war die Herausforderung zwischen Himmel und Erde in 52 Meter Höhe eine besondere Erfahrung.

Simona Hartje: „Für mich ist ein großer Traum in Erfüllung gegangen – nach nur gut zwei Wochen Training schaffte ich diese Höhe und legte vor den Augen vieler Menschen eine Glanznummer ab, das macht mich schon sehr stolz.“

„Die Menschen unten ganz klein und ich auf diesem Mast!“: Simona Hartje zeigt ihr Können in 52 Meter Höhe in Ludwigshafen und spricht selbst von einer Glanznummer. Foto: pr

Unten: Zu Hause in Reinerbeck: Simona Hartje mit dem Pflegehund Akima.

Foto: wj.



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