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Unabhängige fordern Arbeitsgruppe zur Nachnutzung / Mehrheit im Kreisausschuss bremst

Zukunft des AKW-Standortes bleibt ungewiss

Emmerthal (cb). Vom Tisch ist sie nicht, die Forderung, sich auf Ebene des Landkreises Gedanken zu machen, wie das AKW-Gelände in Grohnde künftig genutzt werden kann, wenn der Meiler vom Netz geht, doch: Sie rückt erst einmal in weite Ferne. „Vielleicht bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag“, befürchtet Ernst Nitschke, Fraktionsvorsitzender der Unabhängigen im Kreistag. Seine Fraktion hatte beantragt, eine interkommunale Arbeitsgruppe einzurichten, in der sich Kreistagsabgeordnete, Verwaltung, e.on als AKW-Betreiber und externe Berater mit der Nachnutzung des Standortes befassen. Hinter verschlossenen Türen befasste sich die Politik des Kreisausschusses mit dem Vorschlag. Die Verwaltung hatte zuvor die reservierte Meinung der Kraftwerksleitung dazu eingeholt – und auf dieser Grundlage empfohlen, zum gegenwärtigen Zeitpunkt auf die Arbeitsgruppe zu verzichten. „Im Kreisausschuss wurde Einvernehmen erzielt, dass die Einrichtung einer Arbeitsgruppe zur Nachnutzung des AKW-Standortes eindeutig verfrüht wäre vor dem Hintergrund, dass ein Laufzeitende für 2022 vorgesehen ist, an das sich eine Nachlauf- sowie eine Rückbauzeit noch anschließen“, berichtet Landkreis-Sprecherin Sandra Lummitsch über das Ergebnis der nichtöffentlichen Sitzung.

veröffentlicht am 09.06.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 12:21 Uhr

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Das allerdings hält Nitschke für unverständlich. Der Kommunalpolitiker, der auch dem Emmerthaler Gemeinderat angehört, glaubt nicht der e.on-Argumentation, dass der Zeitpunkt verfrüht sei. Immerhin kamen ja sogar von der Emmerthaler CDU und deren Vorsitzendem, selbst Mitarbeiter im Kraftwerk, schon Vorschläge, wie der Standort künftig genutzt werden könnte. „Warum erkundigt sich die Landkreisverwaltung nur bei e.on und nicht auch bei anderen Standorten?“, wundert sich Nitschke. Womit die Unabhängigen nicht falsch liegen. Immerhin: Am AKW Stade, 2003 abgeschaltet, legte e.on bereits vor einigen Jahren Pläne für ein Steinkohlekraftwerk auf dem Nachbargrundstück vor. Und vor allem Bayern drängt ganz mächtig, für Alternativen zum Atomstrom zu sorgen. Wie jüngst in Gundremmingen, wo die beiden Meiler ebenfalls erst später, nämlich 2017 und 2021, abgeschaltet werden. Dort gibt es einen Ratsbeschluss, sich für mindestens zwei Großkraftwerksneubauten einzusetzen. Nicht zuletzt, weil Grohnde im Regionalen Raumordnungsprogramm als Großkraftwerk festgeschrieben ist, will Nitschke frühzeitig darüber nachdenken lassen, wie es dort weitergeht. „Realistisch ist doch weiterhin eine energiewirtschaftliche Nutzung“, meint Nitschke, auch wenn seine Fraktionskollegen teilweise zweifelhafte Vorschläge – siehe unten – hatten. Sollte weiterhin eine Energiegewinnung, naheliegend auch wegen der vorhandenen Infrastruktur, angestrebt werden, bedürfe es dazu eines langen Planungszeitraumes. Nitschke befürchtet, e.on könnte sich die Option offenhalten wollen, das AKW eventuell länger am Netz halten zu können, wenn sich die Rahmenbedingungen änderten.

Die Kraftwerksleitung hatte hingegen deutlich gemacht, dass derzeit gar nicht absehbar sei, welcher Bedarf an konventioneller Stromerzeugung künftig vonnöten sein werde und unter welchen Marktbedingungen derartige Kraftwerke agieren könnten. Daher sei auch völlig offen, ob eine energiewirtschaftliche Nachnutzung des Kraftwerksgeländes überhaupt – und auch für e.on – sinnvoll sei. „Sollte dies der Fall sein, stehen wir selbstverständlich für jegliche Gespräche zur Verfügung“, heißt es in der Stellungnahme der Kraftwerksleitung – sinnvoll seien diese aber „frühestens in 15 Jahren“.

Der Landkreis schließt sich dieser Argumentation an, was aber nur einen Aufschub für die Arbeitsgruppe bedeute. Sprecherin Lummitsch: „Von hier aus besteht sehr wohl Interesse an einer sachgerechten Nachnutzung.“



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