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Heidrun Winkler und Jürgen Schoormann servieren heiter-ernstes Heinrich-Heine-Menü

Zuckererbsen für jedermann

EMMERTHAL. „Die Emmerthaler Buchwoche, das war, das ist mein Baby“, sagt die Buchhändlerin Angelika Wüstefeld-Schulz. Ein Hauch von Wehmut schwingt in ihrer Stimme mit, denn am Monatsanfang hatte sie ihre „Buchhandlung am Markt“ schließen müssen. Es hatte sich kein Nachfolger gefunden.

veröffentlicht am 25.04.2017 um 17:19 Uhr

Alfred Finke und Udo Apportin sorgen für den richtigen Ton. Foto: eaw
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Autor

Ernst August Wolf Reporter
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Und so bekam die erste Veranstaltung der 12. Auflage der Emmerthaler Buchwoche auch einen ernsten Aspekt. Heidrun Winkler und Jürgen Schoormann servierten den Gästen im voll besetzten Raum der DRK-Sozialstation ein heiter-ernstes Menü mit Texten von Heinrich Heine.

Und auch die vom Hamelner Posaunisten Alfred Finke geleitete Combo mit Udo Apportin (Bass) und Frank Stuckenberg am Keyboard, schlug statt der sonst üblichen Dixieland-Klänge diesmal moderatere Töne an.

Die passten so recht zum großen Text-Potpourri, das Schoormann aus dem Gesamtwerk des großen Spötters zusammengestellt hatte. Von romantischen Liebesliedern über Heines bittere Zeitkritik an Fürstenwillkür und menschlicher Unvernunft, seinem schwierigen Verhältnis zu Deutschland und den Deutschen bis hin zu sehr nachdenklich stimmenden, ergreifenden Texten unter der Überschrift „Jetzt kommt der Tod“ reichte die Auswahl, die die beiden ehemaligen Pädagogen sehr versiert vortrugen.

Heidrun Winkler und Jürgen Schoormann lesen. Foto: eaw
  • Heidrun Winkler und Jürgen Schoormann lesen. Foto: eaw

Ob bekannte, von manchem älteren Zuhörer leise mitgemurmelten Balladenklassikern wie „Belsazar“ bis zu weniger bekannten Texten wie Heines bitterböse, vor Ironie nur so triefende Schilderung des „großen Freiheitsstalls“ Amerika, viele Texte erwiesen sich von teils beklemmender Aktualität. „Bei der Vorbereitung war ich verblüfft, wie absolut gegenwärtig das ist“, so dann auch Schoormann. Heine heute? Ein Comedian? „Wohl politisch bei den Linken zu verorten, vielleicht als scharfzüngiger Journalist und Feierabenddichter“, spekulierte Schoormann.

Immer wieder eindrucksvoll und ein Publikumserfolg die Sequenzen aus Heines „Wintermärchen“. „Zuckererbsen für jedermann, sobald die Schoten platzen“, forderte der da. Auch in Emmerthal liegen Süßes und Bitteres dicht beieinander. Nach dem Verlust des Buchladens, mit dem, so Kulturbeauftragte Andrea Gerstenberger, „ein Stück Seele“ verloren gegangen sei, geht es trotzdem weiter. Unter dem Dach des Kulturvereins „Neue Mitte“. Teil 2 der 12. Emmerthaler Kulturwoche gibt’s in der nächsten Woche. Dann kredenzen die „Kulturköche“ ihr Menü. „Die Buchhändlerin macht also weiter. Sie kann gar nicht anders“, sagt Wüstefeld-Schulz und lacht.

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