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Girokonten für minderjährige Flüchtlinge generell kostenfrei

Zu unrecht Kontogebühren kassiert

EMMERTHAL. Judith Rehberg aus Emmerthal war ehrlich empört, als sie sich wegen ihrer beiden syrischen Mündel Heva und Slava an die Dewezet wandte. Ihr sei von der Volksbank Hameln-Stadthagen in Emmerthal mitgeteilt worden, dass es für die beiden minderjährigen Flüchtlingskinder keine kostenlosen Girokonten gebe und den beiden Schwestern deshalb weiterhin monatlich 9,93 Euro Kontoführungsgebühr abgebucht würden. Nicht korrekt, wie sich herausgestellt hat.

veröffentlicht am 12.01.2018 um 15:12 Uhr

Foto: dpa
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Autor

Wolfhard F. Truchseß Reporter
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Das, so zitierte Judith Rehberg einen Mitarbeiter des Geldinstituts, entspreche einer bankinternen Übereinkunft. Die Konten könnten nicht kostenlos geführt werden, weil auch minderjährige Flüchtlinge Beratungsbedarf am Schalter hätten und Kosten verursacht würden, weil es einen regelmäßigen Geldeingang durch die Auszahlungen des Jobcenters gebe, sei ihr gesagt worden.

Den Einwand von Judith Rehberg, auch auf den kostenfreien Konten ihrer Kinder gebe es regelmäßig Geldbewegungen, habe der Mitarbeiter nicht gelten lassen wollen.

Aus der Sicht der Emmerthalerin habe die Volksbank damit gegen Art. 3 des Grundgesetzes verstoßen, in dem festgelegt ist, „dass niemand wegen seines Geschlechts, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und seiner Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden darf“.

Dass diese Darlegungen des Mitarbeiters so nicht richtig waren, stellte sich erst auf Nachfrage der Dewezet heraus. Nach mehr als einem Monat und einer Anfrage der Dewezet bei der Pressestelle der Volksbank Hameln-Stadthagen erhielt Judith Rehberg von Boris Keindelstorfer, dem Leiter des Kompetenzzentrums der Bank in Emmerthal, telefonisch die entschuldigende Mitteilung, das alles sei ein Missverständnis gewesen.

Selbstverständlich würden, ebenso wie für deutsche Minderjährige, die Girokonten für minderjährige Flüchtlinge kostenlos geführt. Den beiden Rehberg-Mündeln würden die seit der Kontoeröffnung abgezogenen Kontoführungsgebühren selbstverständlich zurückerstattet. Da die Konten nach Schätzung von Judith Rehberg bereits Anfang 2016 eröffnet worden waren, dürfte es sich dabei um die Summe von rund 475 Euro handeln. Dass die Volksbank Kontogebühren einzog, hatte Judith Rehberg erst bei der Kontrolle der von einem früheren Vormund eingerichteten Konten festgestellt und dann zunächst vergeblich die Umwandlung in der Emmerthaler Filiale verlangt.

Juliane Djouimai, die Pressesprecherin der Volksbank, räumte im Gespräch mit der Dewezet ein, dass bei der Einrichtung der Konten der beiden Mädchen wohl ein Fehler gemacht worden sei. Wie es zu der Erklärung des Emmerthaler Mitarbeiters kommen konnte, es habe sich um eine „bankinterne Übereinkunft“ gehandelt, konnte die Sprecherin nicht erklären. Generell seien die sogenannten Komfort-Konten ohne Online-Zugang und mit Kontoführungsgebühr nur für volljährige Flüchtlinge eröffnet worden, betonte die Sprecherin. Die Online-Konten seien aufgrund der Sprachbarrieren zu kompliziert für die Flüchtlinge gewesen.

Ganz sicher war Juliane Djouimai sich zunächst auch nicht, ob es nicht noch mehr Fälle wie die der beiden Mündel von Judith Rehberg gebe und weitere minderjährige Flüchtlinge Anspruch auf Rückerstattung von Kontoführungsgebühren hätten.

Eine aufgrund intensiver Nachfrage durchgeführte weitere Kontrolle der Konten von Minderjährigen habe aber ergeben, dass die beiden Fälle in Emmerthal Einzelfälle gewesen seien, betonte die Sprecherin. „Das ist schließlich eine gestandene Mannschaft in Emmerthal“, erklärte Juliane Djouimai. „Das Thema kostenloser Girokonten für Minderjährige ist diesen Mitarbeitern seit vielen Jahren bekannt.“

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