weather-image
24°

Gemeinde plant Krippenplätze, Sprachheilkindergarten erhält Anbau / Pferdesportler müssen weichen

Zentrum für Kinder statt Mekka der Reiter

Aerzen (cb). Jetzt ist es offiziell: Die Gemeinde Aerzen will die Möglichkeiten schaffen, damit im Kernort am Evangelischen Kindergarten „Unter dem Regenbogen“ am Tannenweg Krippenplätze eingerichtet werden können und der Sprachheilkindergarten Burgwiese zusätzliche Räume schaffen kann. Was für die beiden Einrichtungen und die Gemeinde wichtig ist, erweist sich aber als Nachteil für den Reit- und Fahrverein St. Georg. Für die Neubauten wird dessen Areal benötigt – bis Ende 2012 müssen sich die Pferdesportler ein neues Domizil suchen. Der Verein hatte bis zuletzt gehofft, am Standort bleiben zu können, bis er dann doch die Kündigung der Gemeinde als Verpächter erhielt. „Wir hängen ziemlich in der Luft“, sieht Vorsitzende Angela Cramer auf Sicht kaum eine Perspektive. Bürgermeister Bernhard Wagner kann den Unmut zwar verstehen, sieht zu dem Grundstück als Erweiterungsfläche für die beiden Kindergärten aber keine Alternative. „Wir bieten umfassende Hilfe an, um gemeinsam an einer Lösung zu arbeiten“, verspricht Wagner den Pferdesportlern.

veröffentlicht am 07.01.2011 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 20:41 Uhr

270_008_4433184_lkae101_0801.jpg
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Überraschend ist diese Entwicklung nicht – die Gespräche laufen schon länger. Die Gemeinde aber geriet immer mehr unter Zeitdruck: Bis 2013 muss sie die dann gesetzlich vorgeschriebene Anzahl von voraussichtlich insgesamt rund 65 Betreuungsplätzen für unter dreijährige Kinder vorhalten. Schon vor einem Jahr hatte der Bürgermeister erstmals öffentlich „ein Zentrum für frühkindliche Bildung“ im Kernort ins Gespräch gebracht, für das allerdings das Gelände des Reit- und Fahrvereins benötigt werde. Notwendig wurde diese Weichenstellung auch dadurch, dass zuvor eine Zusammenlegung von Grundschule und Kindergarten in Groß Berkel mit Einrichtung neuer Krippenplätze an Grundstücksfragen gescheitert war.

„Mit der Kündigung haben wir nun ein deutliches Signal gesetzt, dass es weitergeht“, sagt Wagner über die Entscheidung, dass nun in Aerzen selbst etwas geschehen müsse. „Hier besteht Handlungsbedarf“, meint er unter Hinweis auf Eltern, die auf entsprechende Angebote warten würden. In Groß Berkel gebe es bereits 15 Plätze für unter Dreijährige, die gleiche Anzahl werde ab August dann auch im Kindergarten Grupenhagen angeboten, wo im vergangenen Sommer die ersten Kleinkinder aufgenommen worden sind.

Im Haushalt steht bereits Geld für die Planungskosten bereit. Allerdings will die Gemeinde zunächst den genauen Bedarf für Krippenplätze ermitteln. Die Zahl der Geburten sei in Aerzen stark rückläufig. „Wir müssen sehen, wie sich der Trend darstellt“, sagt Wagner. In der Verwaltung wird der Kindergartenbedarfsplan im Frühjahr erwartet, gleichzeitig wird dort geprüft, wie sich die Nachfrage an den einzelnen Standorten verteilt.

Im Sprachheilkindergarten allerdings sind die Pläne weit gediehen. Die Lebenshilfe Hameln-Pyrmont als Träger möchte auf dem Gelände einen Neubau errichten. Dann können die vier Gruppen, die derzeit in der alten Grundschule an der Pöhlenstraße untergebracht sind, umziehen. Die Pläne habe es schon gegeben, als dort die dritte und vierte Gruppe eingerichtet worden sei, berichtet Irmgard Fricke, Leiterin des Aerzener Sprachheilkindergartens. „Es scheiterte immer am Platz“, sagt sie. An beiden Standorten werden insgesamt 64 Jungen und Mädchen mit Sprachauffälligkeiten durch ein gezieltes Therapie- und Bildungsangebot gefördert. Wenn nun das Grundstück des Reitvereins zur Verfügung stünde, könnte das bisherige Gebäude mit dem Neubau durch eine großzügige Außenfläche miteinander verbunden werden. Zwar sei der Standort Pöhlenstraße mehr als ein Provisorium, an dem vollkommen autark und umfassend das Angebot bestehe, doch erhoffe sich die Einrichtung wesentlich bessere Möglichkeiten durch die Investition an der Burgstraße, wie Irmgard Fricke erläutert.

Die Auslagerung des Reit- und Fahrvereins, seit Ende der 1960er Jahre Pächter des gemeindeeigenen Geländes, war immer wieder mal im Gespräch – beispielsweise im Jahr 2001, als diese Bestandteil der vorbereitenden Untersuchungen zur Altdorfsanierung war. Doch mit der endgültigen Kündigung wird es nun für den 300 Mitglieder zählenden Verein ernst. „Eine schwierige Situation“, gesteht Vorsitzende Angela Cramer. „Es gibt noch keine Lösung.“ Mögliche Kooperationen mit Landwirten seien gescheitert, im Augenblick werde geprüft, ob die Anlagen an anderer Stelle neu errichtet würden. Selbst wenn Zuschüsse in Aussicht gestellt werden, so würden die Kosten in Höhe von 450 000 bis 500 000 Euro den Verein überfordern, sorgt sich die Vorsitzende um die Zukunft. „Wenn kein Wunder geschieht, dann stehen wir Ende 2012 auf der Straße“, spricht Angela Cramer von einer demotivierenden Situation. „Und das ausgerechnet im Pferdeland Niedersachsen.“

Allerdings bescheinigt die Vorsitzende dem Ersten Gemeinderat Andreas Wittrock im Rathaus, dass er „wahnsinnig bemüht“ sei. Wittrock selbst, der auch die Sportverbände mit in eine Lösung einzubeziehen versucht, sieht die Situation weniger problematisch. Bis Ende Januar werde ein Vorentwurf eines Architekten für eine Reitanlage an einem neuen Standort vorliegen.

„Dann haben wir konkrete Zahlen, um zu sehen, was realisierbar ist“, sagt Witt-rock. „Und persönlich habe ich den Eindruck, dass in der Politik der Wille vorhanden ist, dem Verein zu helfen.“

„Wir hängen ziemlich in der Luft“: Angela Cramer, Vorsitzende des Reit- und Fahrvereins St. Georg, sieht die Pferdesportler vor einer ungewissen Zukunft.

Foto: sbr



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt
    X
    Herzlichen Glückwunsch, Ihr Adblocker funktioniert!

    Wir verstehen, dass Sie nicht hier sind, um Werbung zu sehen.
    Aber Werbe- und Aboeinnahmen sind wichtig für unsere journalistische Arbeit.


    Unterstützen Sie unseren Qualitäts-Journalismus, indem Sie Ihren Adblocker deaktivieren
    oder sich mit einem gültigem Digital-Abo anmelden.

    Sie haben ein Digital-Abo? Hier anmelden!

    Noch kein Digital-Abo?