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Der ehemalige Eisenbahner Hans-Peter Gerunde besitzt nicht nur Lesestoff, sondern auch alte Karten

Zeitungen sammeln aus drei Jahrzehnten

BÖRRY. Menschen sammeln bis in die heutige Zeit. Es sind vielleicht Bierdeckel, Gartenzwerge, Bilder oder Münzen. Auf dem Schulhof zeigen Kinder stolz ihre Pokemon- oder Fußballkarten. Auch sportliche Erfolge kann man sammeln, genauso wie Länderstempel in Reisepässen. Aber warum sammelt man Zeitungen aus drei Jahrzehnten? Diese ungewöhnliche Anzeige stand in der Fundgrube der Dewezet: „Dewezet aus den 60er bis 80er Jahren zu verkaufen, Stapel ist 1 m hoch.“

veröffentlicht am 12.12.2017 um 17:47 Uhr
aktualisiert am 12.12.2017 um 21:10 Uhr

Hans-Peter Gerunde mit seinem Zeitungsstapel. Foto: cs

Autor:

Carmen Schnell
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Hinter dieser Annonce steckt Hans-Peter Gerunde aus Börry. Vor zirka 10 Jahren entdeckte der Familienvater auf dem Weg zur Arbeit am Straßenrand in Hameln einen riesigen Berg mit alten Zeitungen, die wohl für die Altpapiersammlung bestimmt waren. Da der Eisenbahner sich sehr für alte Sachen interessiert, holte er das Auto und lud die alten Zeitungen ein. Die neueren blieben zurück. „Es waren sogar Zeitungen aus den 50er Jahren dabei“, erzählt der ehemalige Fahrdienstleiter.

Der Ilsetaler wollte aber nicht nur über das politische Geschehen der damaligen Zeit lesen. Im Hinterkopf erhoffte er sich, Artikel über die Bahn zu finden. So fanden sie den Weg nach Börry, in das Haus von Hans-Peter Gerunde und seiner Frau Sabine. Nach einiger Zeit landeten die Zeitungen dann aber auf dem Dachboden des Hauses. Erst nachdem in diesem Jahr nach einem Wasserschaden der Boden aufgeräumt wurde, erinnerte sich der Vater zweier Kinder an das alte Papier.

Sein Interesse gilt aber nicht nur diesen Zeitungen, so stöbert der Rentner gerne in Modellbahnzeitschriften oder in alten Büchern vom Flohmarkt. Als Modellbahner sammelt er alte Loks, er interessiert sich für alte Postkarten aus der Region und für Bahnfahrkarten. Eine richtige „Schatzkiste“ davon besitzt der 60-Jährige. Es sind Karten vom ehemaligen Ausbildungsort Barntrup oder aus Klein Berkel, wo schon seit einer Ewigkeit kein Zug mehr hält, dabei. Karten aus Lauenau oder Welsede, wo er als Fahrdienstleiter tätig war.

Auch alte Bahn- und Ansichtskarten gehören zur Sammelleidenschaft. Foto: cs
  • Auch alte Bahn- und Ansichtskarten gehören zur Sammelleidenschaft. Foto: cs

Auch Bahnsteigkarten vom Haltepunkt Schaumburg liegen in der Kiste. Eine Fahrkarte aus dem Jahr 1907, die für die Fahrt von Hameln nach Hameln-Rohrsen galt, hat Seltenheitswert, sie wurde falsch gedruckt: „für D- und L-Züge, dabei haben diese Züge nie in Rohrsen gehalten“, erklärt der Fachmann. Eine Karte aus Auschwitz aus dem Jahr 1943 besitzt er ebenfalls, „da überlegt man schon, wer wohl damit damals gefahren ist“, sagt Hans-Peter Gerunde.

Auch konnte man in grauer Vorzeit von Hameln bis nach Dresden fahren. Selbst aus dem Ausland, aus Sri Lanka und Myanmar, sind Fahrkarten in der kleinen Schatulle. Sollte jemand noch alte Bahnkarten loswerden wollen, der Bahnfreund nimmt sich ihrer gerne an.

Austauschen mit Gleichgesinnten kann sich der Familienvater und Opa von drei Enkelkindern im 80 Mitglieder starken Club of Ticket Collectors e. V. Für seine Modelleisenbahnen hat der Familienvater einen eigenen Raum, gebastelt wird im Modellbahnclub in Emmerthal.

43 Jahre lang war Hans-Peter Gerunde Eisenbahner, die Liebe und seine große Leidenschaft für die Bahn sind ihm auch als Rentner geblieben. Seine Frau Sabine hat nichts gegen diese Sammelleidenschaft, auch wenn sie manchmal schimpft.

Dass es einen gewissen Hang zur Sammelleidenschaft in seiner Familie gibt, fügt der ehemalige Fahrdienstleiter noch hinzu, so sammelt ein Bruder Briefmarken, ein anderer alten Klüngel und auch die Schwester interessiert sich für alte Sachen. Hans-Peter Gerunde hofft noch darauf, einen Käufer für seine Zeitungen zu finden, zum Wegwerfen sind sie ihm doch zu schade. „Wenn sich keiner findet, kommen sie wieder auf den Dachboden“, so der Eisenbahnfreund.

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