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Bürgermeister zum demografischen Wandel: „Diesem Thema können wir uns nicht entziehen“

Zahlen geben negativen Prognosen recht

Emmerthal. Rund 100 Einwohner im Jahr weniger in Emmerthal – das mag verkraftbar klingen bei insgesamt 10 000 Menschen in der Gemeinde. Aber: Diese Zahl entspricht der Bevölkerung eines kleinen Dorfes wie Frenke. Seit 2007 zählt die Gemeinde sogar 772 weniger – Frauen, Männer, Kinder. Das entspricht nahezu der Einwohnerzahl der Ilsetal-Dörfer Frenke, Börry und Brockensen. Fakten im Rückblick und keine Prognosen in ferne Zukunft, als zuletzt im Juli die Bertelsmann-Stiftung der Gemeinde bis zum Jahr 2030 einen Rückgang um 13 Prozent auf dann 8750 Einwohner in Aussicht stellte. Geburtenrückgang, demografischer Wandel, Rückzug in den ländlichen Regionen – diese Stichwörter bestimmen die öffentliche Diskussion. „Ich habe aber oft das Gefühl, dass das Problem nicht wahrgenommen wird“, sagt Bürgermeister Andreas Grossmann. Zum Beispiel bei den Vereinen. Erst wenn es ihnen plötzlich nicht mehr gelinge, Mitglieder für den Vorstand und damit Verantwortungsträger zu finden, werde ihnen das Thema bewusst. Und auch bei den Politikern will Grossmann verstärkt ein Bewusstsein schaffen, dass Prognosen „nicht nur dahergeredet sind, sondern dass sie sich tatsächlich so entwickeln“.

veröffentlicht am 07.08.2015 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 13:48 Uhr

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Autor:

Christian Branahl und Jörg Hofmeister (Grafik)
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Als die Bertelsmann-Stiftung im vergangenen Monat dem Weserbergland erneut einen weiteren Schrumpfkurs ankündigte, reagierten Verantwortungsträger fast reflexartig mit beschwichtigenden Worten: Prognosen halt, so schlimm werde es schon nicht kommen. Emmerthals Bürgermeister nahm bereits 2007 die Studie des Niedersächsischen Instituts für Wirtschaftsforschung zum Anlass, dessen Zahlen für die Gemeinde auf den Prüfstand zu stellen. Grossmann stellte ihnen alljährlich die tatsächlichen Daten des Einwohnermeldeamtes im Rathaus gegenüber. Erschreckendes Ergebnis: Die Befürchtungen der Prognose (10 358 Einwohner in 2014) wurden sogar noch übertroffen. Nach eigenem Melderegister kamen die Verantwortlichen in Emmerthal nur auf 10 114 Einwohner. Ginge es nach den Zensus-Statistikern, liegt die Gemeinde sogar schon unter der magischen 10 000er-Marke.

Was lässt sich aus den Detailzahlen für die Ortsteile herauslesen? Grossmann weiß, dass sie viele Fragen aufwerfen. Ausgerechnet kleine Dörfer wie Latferde und Bessinghausen auf dem flachen Land – kaum Infrastruktur, abgelegen von den Zentren – weisen nahezu stabile Werte auf. Klar, Bessinghausen verfüge durch die Feuerwehr über „einen unglaublich starken Kulturträger“, selbst bei Immobilien gebe es kaum Leerstand, weiß er. Aber ist das die Erklärung? In Hämelschenburg und Amelgatzen, verkehrsgünstig zwischen Hameln, Aerzen und Bad Pyrmont gelegen, gebe es hingegen deutliche Einbrüche bei den Einwohnerzahlen. Selbst in Kirchohsen als größter Ortsteil sei der Rückgang auffällig. Im Kernort gebe es auch nicht unbedingt den Wohnraum, der nachgefragt werde, habe er in Gesprächen erfahren.

Ob Schulen, Kita oder andere Einrichtungen: Die Zahlen haben Einfluss auf die Infrastruktur. „Diesem Thema können wir uns nicht entziehen“, sagt Grossmann.



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